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Die Architektur der Renaissance

By Gloria Russell,2014-06-01 16:23
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Die Architektur der Renaissance

Die Architektur der Renaissance

„Einführung in die Geschichte der Baukunst“

    Inhaltsverzeichnis

     1. Einleitung

     - Etymologie

     - Historische und Soziale Hintergründe

     2. Die Architektur

     - „Der Mensch als Maß aller Dinge“, (Protagora)

     - Der Zentralbau

     - Italien

     - Landschaft und Siedlung

     Weltkarten

     Stadt

     Palmanova

    - Frankreich

    - Deutschland

1. Einleitung

- Etymologie

    Der Begriff Renaissance stammt aus dem italienischen „Rinascimento“ und bedeutet Wiedergeburt, „Wiedergeburt der Antike“.

    Dieser Begriff wurde zum ersten Mal von dem italienischen Künstler Giorgio Vasari verwendet, er wollte damit die Überwindung der mittelalterlichen Kunst bezeichnen.

- Historische und Soziale Hintergründe

    Ganz Europa stand vom 13. bis zum 16. Jahrhundert unter dem Einfluss der Gotik, nur Italien im frühen 15. Jahrhundert griff erst auf altchristliche und später auf antike Formen zurück, wodurch sich die Frührenaissance entwickelte.

    Im 15. Jahrhundert war Italien keine politische Einheit mehr, es war in mehrere einzelne Territorien und Stadtstaaten aufgeteilt. Die Patrizier hatten die größte Macht in den Städten.

    Die relative politische Freiheit war zum Vorteil für die Wissenschaft und die Kunst. Zwei weitere Faktoren ermöglichten diese Wiedergeburt: die Entdeckung der perspektivischen Zeichnung (1425), durch den Architekten Filippo Brunelleschi, und Erfindung des Buchdrucks, durch Johannes Gutenberg (1450). Dieser letzter Faktor ermöglichte, dass Bücher, Wissen und Ideen sich weit über den Klerus hinaus verbreiten konnten, das führte aber auch zur Reformation und Entstehung der protestantischen Kirche. Zum ersten Mal besaß die Kirche nicht mehr die Alleinmacht.

    Dieser Zusammenhang reflektierte sich auch auf die Architektur der Renaissance. In der Tat wurde nicht mehr allein um die Macht der Kirche zu demonstrieren gebaut, sondern um den Ruhm des Baumeister hervorzuheben.

2. Die Architektur

- „Der Mensch als Maß aller Dinge“, (Protagora)

    Das erste Traktat über die Renaissancearchitektur stammt von Leon Battista Alberti „De re aedificatoria“ (1485). In seine Schriften legt Alberti die wichtigsten Elemente der

    Architektur, Quadrat, Kubus, Kreis, Kugel, und die idealen Proportionen eines Gebäudes mit mathematischer Genauigkeit fest. Diese idealen Proportionen stimmten nicht nur mit Musik und Natur über ein, sondern auch mit dem Idealbild des menschlichen Körpers. Die wohl berühmte Zeichnung des Vitruvischen Menschen (1487) von Leonardo Da Vinci, zeigt den Körper in perfekter Balance. Diese Proportionen wurden das Maß der Renaissance. Da Vinci beeinflusste reichlich die Hochrenaissance, aber jedoch keiner seiner Bauentwurfe wurde jemals ausgeführt. Nicht allein der Körper wurde als perfekt gesehen, sondern man suchte nach dem „uomo universale“, ein allseitiger Mensch. Alberti selbst war ein „uomo universale“, da er Komponist, Rechtsgelehrter, Physiker und Dichter

    war. Leonardo Da Vinci war noch perfekter und genialer, er war Maler, Bildhauer, Festungsbauer, Musiker und Erfinder.

    In dieser Epoche, und auch schon vorher, wurde der Mensch als Ebenbild Gottes angesehen, jetzt konnte auch ein Gebäude das Abbild göttlicher Schöpfung sein, man

    musste nur den mathematischen-göttlichen Proportionen folgen. Nun war der Architekt nicht mehr der anonyme Handwerker, sondern der Stellvertreter Gottes.

    Bestes Beispiel dieser „Göttlichkeit“ des Gebäudes ist das Gemälde aus dem Palazzo

    Ducale in Urbino, von Piero della Francesca, hier sieht man wie die rationale und göttliche Architektur und Stadtplanung auszusehen hatte. Auf dem Bild sind keine Menschen, weil man glaubte, wie Alberti in seine Schriften schrieb, dass die Bauten selbst schon göttlich seien.

- Der Zentralbau

    “Die Idealgestalt der Renaissance ist der zentrale Rundbau, der den Eingetretenen in seiner Mitte stille stehen lässt, so dass er, von allen Seiten gleichmäßig umfangen, die Harmonie einer in sich selbst ruhenden Vollendung erlebt“ (H. Weigert).

    Die Vorliebe der Theoretiker für den Zentralbau konnte aber nur selten verwirklicht werden, und nur in größeren Gemeindebauten. So wurde neben dem Zentralbau der Langbau auch immer weiter gepflegt und verwendet. Dies führte zu mehreren

    Kompromisslösungen, die in drei Bauprinzipien verfast werden können:

    zentraler Ostteil ohne oder mit Kuppel, mit angefügten Langhaus mit Flachdecke oder Seitenschiffe;

    wie das erste nur mit Flankenkapellen statt Seitenschiffe;

    mehrere aneinandergereihte überkuppelte Zentralbausysteme, dreischiffig. Das dritte Bauprinzip ist für die Theoretiker der Zeit die Idealform des Sakralbaus.

- Italien

    Der Geburtsort der Renaissance ist Florenz, damals die mächtigste und reichste Stadt Italiens.

    Hier befindet sich auch das erste Renaissancearchitektur Werk, von Filippo Brunelleschi, die Kuppel des Florentiner Doms (1420 1436). Besonders sichtbar, an dieser Kuppel, ist

    das die Renaissance antike Konstruktionsmethoden wieder entdeckte, die seit der römische Architektur vergessen waren. Die von Brunelleschi gebaute erste Renaissancekuppel, wurde auf dem gotischen Dom gebaut, sie wurde in Schichten errichtet und immer wieder verstärkt, es war eine neuartige Konstruktion mit Ziegelbauweise und Doppelschale, die bis zur Laterne eine Höhe von 107 Meter erreicht, diese Konstruktion repräsentiert Florenz und die florentinische Renaissance. Weitere errichteten Idealbauten sind die Pazzi-Kapelle im Kreuzgang der Franziskanerkirche St. Croce in Florenz und die Paläste, die die Familien der Pitti, Riccardi, Strozzi und Rucellai erbauen ließen.

    Palazzo Rucellai wurde von Leon Battista Alberti um 1445 gebaut. Hier kann man deutlich den Stil der italienischen Renaissance erkennen. Einfache Bänder teilen die Fassade in drei Stockwerke ein, die Halbpfeilen mit Kapitellen, die die Gesimse tragen, lassen die Außenwand wie ein römisches Amphitheater aussehen.

    Aber die Renaissance blieb nicht nur in Florenz, die Architekten und Künstler reisten, genau wie ihre Bücher, viel herum. So kam die Renaissance auch nach Venedig. Als erste Renaissancebau in Venedig wurde die Kirche Santa Maria dei Miracoli (1481

    1489), von Pietro Lombardo gebaut. Die Kirche besteht aus einem einfachen rechteckigen Schiff und Chor mit Tonnengewölbe und einer Kuppel. Aber von besonderem Interesse ist die Fassade, die mit Marmorplatten komplett verkleidet ist; in dem Marmor sind zwei Säulenreihen gehauen und halbkreisförmige Stirnwände.

- Landschaft und Siedlung

Weltkarten

    Mittelalterliche Karten stellten die Welt nicht dar, wie sie eigentlich war. Sie zeigten die Welt aus der Sicht der Kirche, die im Mittelalter das Oberhaupt war. Deshalb lag Jerusalem in der Mitte, und die Erde wurde als Leib Christi dargestellt. Die Karten waren eher symbolisch zu verstehen.

    Die Menschen der Renaissance dagegen stellten die Welt ganz anders dar. Sie wurden nun nicht mehr so sehr von der Kirche beeinflusst, sie waren Realisten und glaubten an die Wissenschaft. Deshalb stellten Sie die Weltkarten geometrisch genau dar.

Stadt

    Die Menschen der Renaissance glaubten an eine „Idealstadt“. Sie dachten, man könne eine perfekt konzipierte Stadt entwerfen, die alle Ansprüche einer Stadt befriedigt. Es wurden Städte geplant, die bis ins Detail durchdacht waren. Die „Idealform“ spielte auch eine große Rolle. Meistens hatten diese Formen (meist Sternförmig) einen großen Platz in der Mitte, wo dann zum Beispiel die Kirche stand. Zur Stadtplanung wurden auch bereits wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt. Einer der bedeutensten Theoretiker war„

    Battista Alberti“, welcher zu dem Entschluss kam, dass die Form der Stadt und die Anordnung der Gebäude je nach dem Ort, an der sie gebaut werden soll, anders sein muss. Damit meinte er, dass es kein universales Stadtmuster gibt, eine Stadt muss sich dem Ort anpassen. 1464 zeichnete „Sforzinda“ den ersten Plan einer solchen Idealstadt. Die Stadt hatte die Form eines eingeschriebenen Sternes und mittig auf dem großen Platzt befand sich eine Kirche. Doch die Stadt wurde nie Umgesetzt.

    1593 begann man die erste Idealstadt Namens „Palma Nova“ (neue Palme) zu bauen.

Palmanova

    Der Grundriss der Stadt zeichnet einen neun zackigen Stern nach. Es gibt drei gerade Hauptachsen, welche die Stadt durchqueren. Insgesamt umgeben vier Straßen den Stadtkern, das Zentrum ein sechseckiger Platz. Um das Zentrum sind sechs viereckige Plätze angelegt.

    Allein bei der Beschreibung des Aufbaues dieser besonderen Stadt wird deutlich, dass alles gut durchdacht, und nichts dem Zufall überlassen wurde.

    Die 13 qkm große Stadt wurde 1593 in Venedig (Italien) gebaut. Die Bauzeit beträgt ca. 100 Jahre. Sie sollte als Festungsanlage zum Schutz gegen die Türken dienen. Sie war auch der wichtigste Landstützpunkt der Venezianer. Palma Nova existiert auch noch heute mit ihrem sternförmigen Umriss. Doch heute leben dort nur 5000 Menschen, obwohl sie damals für 20.000 Menschen konzipiert war.

- Frankreich

    Der Renaissance-Stiel entstand in Italien, später breitete er sich auch in Europa aus. Allerdings geschah es viel später und der Stiel vermischt sich oft mit anderen Stielen, es gab selten

    Einige bekannte Künstler, wie Michelangelo oder Leonardo da Vinci, arbeiteten am Hof des Königs Francis 1. Dadurch brachten sie den italienischen Renaissance-Stiel mit nach Frankreich.

    In Frankreich gab es zunächst keine klare Trennung von Gotik und Renaissance. In der ersten Hälfte des 16. Jh. Wurden etliche Burgen zu Schlössern umgewandelt, denn durch den Fortschritt der Militärtechnik wurden die Burgen überflüssig. Die bekanntesten Renaissance Schlösser befinden sich an der Loire. Die Meisten von ihnen besitzen einen schlichten Grundriss, prunkvolles Dekor und einen Ziergarten. Ein Beispiel ist das Schloss Chambord an der Loire. Es wurde 1519 für den König Franz 1. auf dem Wasser errichten.

    In der zweiten Hälfte des 16. Jh. änderte sich nicht nur die Dekoration, sondern auch die Bauweise, welche nun auch in die horizontale ging. Nun wandten die Architekten etliche „Regeln“ der italienischen Renaissance an, zum Beispiel die Symmetrie, Wiederholung,

    antike Proportionen, geometrische Regelmäßigkeiten,…

    Ein schönes Beispiel hierzu ist der linke Flügel des „Louvres“. Es war das Schloss des französischen Königs und wurde 1555 von dem bekannten Architekt Pierre Lescot nach dem italienischem Vorbild gebaut. Weitere Beispiele sind: Hotel Carnavalet (1545-1550), Hof des Rathauses (1595-1607),

    Zu den meist verwendeten Dekorationselementen zählte unter anderem das Monogramm (ein verzierter Anfangsbuchstabe), Chimäre (Mischwesen zum Beispiel ein Tier, welches sich aus einem Löwen und einer Ziege zusammensetzt) und Reliefs (oft mit Motiven der antiken Mythologie).

-Deutschland

    Die Renaissancebauten wurden klar, überschaubar und harmonisch ausgewogen konzipiert und mit einfachen geometrischen Formen. Es wurden antike griechische Bauelemente wie Säulen, Pilaster, Kapitelle und Dreiecksgiebel übernommen. Unterschieden wurde zwischen drei Renaissancearten. Zum einem der Klassizistischen Renaissance, die auf akademische Konkretheit und der Betonung der Horizontalen abzielte. Außerdem die Analogische Renaissance, auch die Früh- bzw. nordische Renaissance genannt, die keine Nachahmung erlaubte und die Vertikale betonte. Und als drittes die Renaissancegotik oder auch Nachgotik, in welcher sehr häufig gotische Motive und Bauelemente, wie Rippengewölbe, Maßwerkfenster und Maßwerkbrüstungen verwendet wurden. Die Schwerpunkte lagen in Deutschland bei dem Universitätsstandorte, Residenzen der Landesherren und Handelsstädte.

Die Stilelemente und Charakteristika besonders relevanter Renaissancebauten

    Deutschlands waren z.B.:

Der Volutengiebel, der durch seitliche Voluten gerahmt war.

    Der Rundbogen (auch Kreisbogen), dessen Bogenlinie ein kompletter Halbkreis war und der lange Zeit die dominierende Technik des Bogenbaus war.

    Die Pilaster, die ein in den Mauerverbund eingearbeiteter Teilpfeiler ist und sowohl tragende als auch dekorative Funktionen übernahm. Doch im eigentlichen war ihr architektonischer Zweck die vertikale Gliederung von Außen- oder Innenwandflächen. Das Rollwerk das eine Dekorationsform war und hauptsächlich in der deutschen Renaissance verwand wurde und dessen Merkmale verschlungene und aufgerollte, plastisch wirkende Bandformen waren.

    Das Beschlagwerk das wie das Rollwerk eine Dekorationsfunktion übernahm und auch daraus abgeleitet ist.

    Das Gewölbe als gebogene Decke, welche die Kräfte als Drucklast ableitet. Sowie das Maßwerk als flächige Dekoration von Fenstern, Balustraden und geöffneten Wänden, welche ihre architektonische Blüte in der Gotik hatten und die in nicht wegzudenken sind da sonst die großen Fenster ihre Stabilität verlieren würden.

Der Städtebau und die Festungsanlagen mussten immer ein ganzheitlicher Körper sein.

    Sie sollten den Bedürfnissen der Bewohner in allen Punkten gerecht werden und eine Harmonie schaffen. Dabei war die Stadtbefestigung immer ein entscheidendes Thema (siehe Marienberg).

    Jülich kam einer Idealstadt sehr nah, wurde aber im zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau, zielte darauf ab wieder eine renaissancetypische Idealstadt zu schaffen. Der Baumeister von Jülich vor der Zerstörung war der aus Norditalien stammende Festungsbaumeister Alessandro Pasqualin. Er lies die Stadtbefestigung als Fünfeck bauen und einen Rechteckigen Marktplatz auf den vier Hauptstraßen zusammen treffen.

    Die Feudalbauten unterschieden sich zwischen Rechteckanlagen, Zweiflügelbauten, Dreiflügelanlagen und Vierflügelanlagen. Eine sehr schöne Vierflügelanlage ist Schloss Neuhaus bei Paderborn sowie die Albrechtsburg in Meißen.

    Die Albrechtsburg in Meißen wurde 1470 gebaut. Ihre Zellengewölbe und die vorhangartigen Abschlüsse der Fenster sind typische Elemente der sächsischen Frührenaissance. Es wurden in diesem Bau mehrteilige, fächerartige Blickwinkel bevorzugt. Ein Gebäudeteil wurde aus der Fassade herausgedreht und ist somit an drei Seiten frei. Die großzügigen, gut beleuchtenden Fensterflächen und der turmartigen Aufbau gehen auf französische Anregungen zurück. Auf der Traufenlinie aufsitzenden spitzen Dacherker, die sog. Lukarnen, sind eben so französische Stilelemente. Und zuletzt gibt es noch die Zwerchhäuser als Würdemotiv deutscher Schlösser und zur Betonung der Vertikaltendenz.

Literaturverzeichnis

-Baukunst der Renaissance in Europa“, Hans Weigert (2. Auflage 1960);

    - „Zehn Buecher ueber Architektur“, Marcus Vitruvius Pollio (3. Auflage 1983); - „Architekturmodelle der Renaissance“, Bernd Evers (1995);

    - „Palladio“, James S. Ackerman (1980).

- „Handbuch der Renaissance“;

    - Diverse Internetseiten.

    - Baukunst der Renaissance in Europa“, Harald Busch Bernd Lohse (3. Auflage,

     Umschauverlag Frankfurt am Main).

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