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Latein und Kirchenmusik

By Sue Johnson,2014-06-17 19:24
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Latein und Kirchenmusikund,UND

    Latein und Kirchenmusik

    Auch wenn Latein nicht die ursprüngliche Sprache des Christentums ist, spielt es doch in der westlichen Welt eine dominante Rolle. Auch wenn es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil üblicherweise nicht mehr in den Gottesdiensten verwendet wird, ist es keineswegs als Kulturträger in vielen Bereichen, vor allem aber der Kirchenmusik wegzudenken. In der Argumentation zum Fach Latein bildet seine Kultur tragende Funktion einen ganz wichtigen Pfeiler.

    Ich persönlich erachte den persönlichkeitsbildenden Faktor einer Allgemeinbildung vor allem durch ihre Auseinandersetzung mit unserem Kulturerbe für einen ganz wichtigen Beitrag zur Friedenserziehung. Das Wissen um und die Freude an den großen Errungenschaften in den verschiedensten Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst und der Musik und Literatur kann eigentlich vor allem in einer höheren Schule vermittelt werden. Eine Auseinandersetzung im Elternhaus wird immer seltener. Auch hier muss die Schule eine Funktion fast gänzlich erfüllen, die vor zwei oder drei Generationen deutlich stärker vom Elternhaus wahrgenommen wurde. Zugänge zu klassischer Literatur, Musik und Kunst werden am sinnvollsten für die Schüler der Oberstufe geschaffen. Der Erwerb einer Grundkompetenz ist später ohne das entsprechende Angebot in der Schule viel schwieriger und vor allem unwahrscheinlicher.

    Natürlich ist es auch im internationalen Kontext sehr wohl ein gewaltiger wirtschaftlicher Faktor, inwieweit ein kulturinteressiertes Publikum vorhanden ist und dieses Publikum wird in

    höheren Schulen vorgeformt doch ganz besonders für Österreich, das einen enormen Ruf als Kultur- und vor allem Musikland zu verteidigen hat und für dessen Wirtschaft Musik und alles, was damit zu tun, eine ganz bedeutende Komponente bildet, muss es auch ein deutlich ausgesprochenes Ziel sein, die kommenden Generationen zu Trägern und Erben oder zumindest Interessenten an diesem Kulturgut zu machen. Nicht umsonst ist möglicherweise die bekannteste österreichische Gallionsfigur ein gewisser Wolfgang Amadé Mozart. Was hat Latein damit zu tun? Es kann eine Drehscheibe zwischen verschiedenen Fächern und Bereichen bilden und auch Bereiche substituieren, die sonst möglicherweise gar nicht berührt würden. Ich beziehe mich da gerade auf den christlich katholischen Bereich, der vor einigen

    Generationen ein selbstverständlicher Teil der Erziehung im selbstverständlich katholischen Elternhaus war. Das ist bei weitem nicht mehr der Fall, entweder weil keine Beziehung zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft besteht oder im Falle der immer größer werdenden

    Gruppe der Moslems die Zugehörigkeit zu einer ganz anderen religiösen und kulturellen Gruppe. Gerade für diese Gruppe ist eine Auseinandersetzung mit der Kultur Europas in einem neutralen, sachlichen Kontext ein wichtiger Ansatz zur Integration. Gerade die Musik kann da eine bedeutende Rolle spielen.

    In meiner Unterrichtserfahrung mit Jugendlichen ohne christlich-religiösen Hintergrund und solchen aus anderen Kulturen (islamischer Bereich, Fernost) hat sich gezeigt, dass es ganz wichtig ist, gewisse grundlegende Kenntnisse zu liefern, die uns absolut selbstverständlich erscheinen. Das fängt beim Kreuzzeichen und Vaterunser an und hört bei den Feiertagen auf. Der Lateinunterricht ist möglicherweise der einzige Ort, an dem gewisse grundlegende Kenntnisse im Christentum vermittelt werden können - und aus dieser Erfahrung heraus muss Auseinandersetzung mit Latein und der christlichen Welt mindestens denselben Stellenwert im Unterrichtsgeschehen haben wie die klassischen Autoren.

    Da ich es für ganz wichtig halte, auf Grund der sehr knappen Zeit sorgfältig Ziele zu setzen und exemplarisch auszuwählen, kann auch hier nicht die Devise sein ‚Alles, was (mir) Spass macht’, sondern ‚Was hat die meiste Wirkung auf die meisten Menschen gehabt und wie

    kann ich erreichen, dass es auch eine Wirkung auf meine Schüler hat - sie also in die europäische Kulturtradition hereinholen’. Das heißt, dass für mich auch hier, so wie an Caesar I,1 kein Weg an den berühmtesten, bahnbrechendsten Beispielen vorbeiführen darf. Das heißt im Falle von Latein und Kirchenmusik, es darf kein Weg am Mozartrequiem vorbeiführen, auch wenn der persönliche Geschmack eher auf Dvorak oder Fauré gehen mag. In diesem Fall gehen persönliche Neigung und ein Abwägen obgenannter Gründe wie bei mir

    ziemlich oft Hand in Hand. Die wirklich ganz großen Dinge sind nicht umsonst ganz groß. Und wenn man sie vom Podest stürzt und sie bleiben unversehrt und erheben sich im neuen Glanz

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    der selbst erfahrenen Begeisterung wie der Phönix aus der Asche, dann kann man diesen Glanz auch an die nächste Generation weitergeben in einer Verbindung dieser selbst

    erfahrenen Begeisterung mit gut fundiertem Wissen und erfassbarer Aufbereitung. Diese Gedanken sind ausschlaggebend für das Projekt Latein und Kirchenmusik, das ein fächerübergreifendes Konzept zwischen Latein Musik und Religion liefert und am Lateinertag am 8. November 2004 vorgestellt wurde.

    Folgende Punkte sind uns ein besonderes Anliegen und werden entsprechend vorgestellt:

    - Messe und Requiem: der lateinische Text, die Umsetzung und Entwicklung in der Musik

    - Psalmen und andere kirchenmusikalisch bedeutende Texte wie z. B. Te deum, Stabat

    Mater, Salve Regina, Magnificat, Miserere….

    - Oratorien, wie weit dafür lateinische Texte einerseits und nichtbiblische, antike Stoffe

    andererseits eine Rolle spielen.

    Sicherlich gibt es neben den genannten Beispielen eine große Zahl von wunderbaren Werken der Kirchenmusik, aber die Zielsetzung dieser Sammlung ist eine Auswahl charakteristischer Werke zu wichtigen Texte, die eine nachhaltige Wirkung gehabt haben, und soll Lehrern und Schülern eine Grundlage zur Auseinandersetzung mit dem Schatz der Kirchenmusik bieten.

Marie-Theres Schmetterer

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Voluptates aurium

    tenacius me inplicaverant et subiugaverant, sed resolvisti et liberasti me. Nunc in sonis, quos animat eloquia tua, cum suavi et artificosa voce cantantur, fateor, aliquantulum adquiesco, non quidem ut haeream, sed ut surgam, cum volo. Attamen cum ipsis sententiis quibus vivunt ut admittantur ad me, quaerunt in corde meo nonnullius dignitatis locum, et vix eis praebeo congruentem. Aliquando enim plus mihi videor honoris eis tribuere, quam decet, dum ipsis sanctis dictis religiosius et ardentius sentio moveri animos nostros in flammam pietatis, cum ita cantantur, quam si non ita cantarentur, et omnes affectus spiritus nostri pro sui diversitate habere proprios modos in voce atque cantu, quorum nescio qua occulta familiaritate excitentur. Sed delectatio carnis meae, cui mentem enervandam non oportet dari, saepe me fallit, dum rationi sensus non ita comitatur, ut patienter sit posterior, sed tantum, quia propter illam meruit admitti, etiam praecurrere ac ducere conatur. Ita in his pecco non sentiens et postea sentio. Aliquando autem hanc ipsam fallaciam inmoderatius cavens erro nimia severitate, sed valde interdum, ut melos omnes cantilenarum suavium, quibus Daviticum psalterium frequentatur, ab auribus meis removeri velim atque ipsius ecclesiae, tutiusque mihi videtur, quod de Alexandrino episcopo Athanasio saepe dictum mihi commemini, qui tam modico flexu vocis faciebat sonare lectorem psalmi, ut pronuntianti vicinior esset quam canenti. Verum tamen cum reminiscor lacrimas meas, quas fudi ad cantus ecclesiae in primordiis recuperatae fidei meae, et nunc ipsum quod moveor non cantu, sed rebus quae cantantur, cum liquida voce et convenientissima modulatione cantantur, magnam instituti huius utilitatem rursus agnosco. Ita fluctuo inter periculum voluptatis et experimentum salubritatis magisque, adducor; non quidem inretractabilem sententiam proferens, cantandi consuetudinem approbare in ecclesia, ut per oblectamenta aurium infirmior animus in affectum pietatis adsurgat. Tamen cum mihi accidit, ut me amplius cantus quam res, quae canitur, moveat, poenaliter me peccare confiteor, et tunc mallem non audire cantantem. Ecce ubi sum! Flete mecum et pro me flete qui aliquid boni vobiscum intus agitis, unde facta procedunt. Nam qui non agitis, non vos haec movent. Tu autem, domine deus meus, exaudi et respice et vide et miserere et sana me, in cuius oculis mihi quaestio factus sum, et ipse est languor meus.

    Augustinus, Confessiones X,33

    Musicam hab ich allezeit lieb gehabt

    Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica, der ist der Satan sehr feind, damit man viel Anfechtung und böse Gedanken vertreibet, der Teufel erharret ihr nicht. Musica ist der besten Künste eine. Die Noten machen den Text lebendig. Sie verjagt den Geist der Traurigkeit, wie man am König Saul siehet…

    Musica ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmütiger machet, ja sittsamer und vernünftiger. Die bösen Fiedler und Geiger dienen dazu, dass wir sehen und hören, wie eine feine gute Kunst die Musica sei. Denn Weißes kann man besser erkennen, wenn man Schwarzes dagegen hält.

    Wer die Musicam veracht’, wie denn alle Schwärmer tun (wie die Calvinisten), mit denen bin ich nicht zufrieden. Ich gebe nach der Theologia der Musica den nächsten Platz und höchste Ehre. Und man siehet, wie David und alle Heiligen ihre gottseligen Gedanken in Vers , Reimen und Gesänge gebracht haben.

    Singen ist die beste Kunst und Übung. Es hat nichts zu tun mit der Welt, ist nicht für Gericht noch in Hadersachen. Sänger sind auch nicht sorgfältig, sondern fröhlich und schlagen die Sorgen mit Singen aus und hinweg.

    Martin Luther, Tischreden

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Christentum und Musik

    Das Christentum wird von Anfang an mit Gesang in Verbindung gebracht. Im Matthäusevangelium (Mt. 26,30) wird nach dem Letzten Abendmahl ein Danklied, ein Hymnus, erwähnt. Plinius schreibt in seinem Christenbrief (X, 96, 7) ‚…carmen Christo quasi

    deo dicere secum invicem…’, was darauf hinweist, dass die Christen von Anfang an bei ihren Zusammenkünften Wechselgesänge verwendeten. Dies geht einerseits auf die Tradition des Psalmodierens, des Psalmengesangs in den jüdischen Synagogen, zurück, die hier einen maßgeblichen Einfluss hatte, andererseits auf die Hymnodik, den kultischen Gebrauch von Hymnen, in der heidnisch-antiken Kultur. Ambrosius von Mailand schuf eine bahnbrechende,

    gültige lateinisch-christliche Hymnenform. Vier jambische Dimeter bilden eine Strophe, das metrum Ambrosianum.

    z.B. im Morgenhymnus Aeterne rerum conditor

Aeterne rerum conditor, praeco diei iam sonat

    noctem diemque qui regis noctis profundi pervigil,

    et temporum das tempora, nocturna lux viantibus

    ut alleves fastidium: a nocte noctem segregans.

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    Rerum conditor: Schöpfer der Welt; temporum das tempora: du gibst die Zeiteinteilung (Tag, Monat, Jahr); fastidium,-i n:

    Überdruss; allevo1: aufheben; praeco,-onis: Herold (= der Hahn); pervigil: immer wachsam zu noctis profundi; segrego1:

    trennen

    Was die Vortragsweisen anbelangt, kann das ‚secum invicem’ auf zwei verschiedene Arten erfolgen:

    - als Antiphon: einem Chor wird von einem Gegenchor mit eingefügten Kehrversen

    geantwortet

    - als Responsorium: der Solist singt vor, der Chor antwortet

    Ursprünglich wurden nur die Texte der Liturgien überliefert. Da die Sänger ihre Melodien auswendig konnten, bedurfte es nur gewisser Gedächtnisstützen. Diese frühen Notierungen, Neumen genannt, lassen keine genaue Umsetzung zu. Die ersten Niederschriften stammen von ca 900 und geben noch keine exakten Tonhöhen an. Der Rhythmus richtet sich nach dem Sprechrhythmus. Die ersten Ikten (Taktstriche, Schläge) gibt es in der Notation der Renaissance. Erst aus dem 12. Jahrhundert ist eine Übertragung von Notation möglich.

    Eine bahnbrechende Entwicklung im Bereich der Musik wird Papst Gregor dem Großen (gest. 604) zugeschrieben. Er bemühte sich um eine Vereinheitlichung der Liturgie und gründete die Schola Cantorum in Rom. Vorhandene Gesänge wurden gesammelt und aufgezeichnet. Dass sie einstimmig aufgezeichnet wurden, besagt nicht unbedingt, dass sie nur einstimmig gesungen wurden. Sie bildeten zweifellos die Grundlage für die frühe Mehrstimmigkeit. Ursprünglich war allerdings offenbar keine instrumentale Begleitung vorgesehen.

Die Bibel und die lateinische Sprache

    Das Wort Bibel, die Bezeichnung für die heilige Schrift der Juden und Christen, kommt aus dem Griechischen. Biblos heißt einfach Buch. Die Bibel wird auch als das Buch der Bücher

    bezeichnet (typ. Hebräische Formulierung vgl. per saecula saeculorum - für alle Zeit, virgo

    virginum als Bezeichnung für Maria.

Sie besteht aus zwei Teilen

    - dem Alten Testament, das Juden und Christen gemeinsam haben (die fünf Bücher Mose, das erste davon: Genesis-Entstehung der Welt, Paradies, Sündenfall etc., das zweite: Exodus. der Auszug der Israeliten aus Ägypten, 10 Gebote etc., Bücher der Könige, Psalmen, Propheten etc.)

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    - dem Neuen Testament, das die Basis der christlichen Lehre bildet und Leben und Botschaft des Jesus von Nazareth und das Wirken seiner Jünger beinhaltet.

    Die Originalsprache des Alten Testaments ist Hebräisch, die des Neuen Testaments das sogenannte Koine-Griechisch, die damalige Verkehrssprache des ganzen östlichen

    Mittelmeerraumes. Aus vorchristlicher Zeit gab es schon eine Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, die sogenannte Septuaginta (lat. siebzig, da der Überlieferung

    nach so viele Juden an der Übersetzung mitarbeiteten,- siebzig ist auch die alttestamentliche Symbolzahl für sämtliche Völker der Menschheit).

    Als sich das Christentum nach Westen ausbreitete, wurde es notwendig, die Heilige Schrift ins Lateinische zu übersetzen. Je nach Bedarf wurden einzelne Teile übersetzt, die insgesamt als Vetus Latina (Translatio) bezeichnet werden, je nach ihrer Herkunft auch als Itala oder Afra. Im

    4. Jahrhundert erteilte Papst Damasus I. (366-384) seinem Sekretär, dem hl. Hieronymus,

    einem der vier lateinischen Kirchenväter, den Auftrag, eine Gesamtübersetzung aus dem Original zu machen. Sie wird üblicherweise als Vulgata bezeichnet.

Das Neue Testament besteht aus den vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und

    Johannes, der Apostelgeschichte, den Apostelbriefen und der Apokalypse oder Geheimen

    Offenbarung des Johannes.

Evangelium, eu-angelion, heißt eigentlich 'gute oder frohe Botschaft', angelos ist der Bote

    (der eine außerordentliche Verbindung zwischen Gott und den Menschen herstellt). Sehr früh wurde der griechische Ausdruck ‚Evangelium’ ins Altenglische genau als god - good und

    spell - spell (sagen), also gospel übertragen.

    Die Evangelien sind keine Biographien des Lebens Jesu, sondern eine Darstellung seiner Lehre, bestimmt für gewisse Zielgruppen von Christen: Matthäus und Markus für Judenchristen (daher die zahlreichen Anspielungen und Zitate aus dem Alten Testament), Lukas und Johannes für Heidenchristen, daher deutliche Bezüge zur heidnischen (griechischen) Literaturtradition (Widmung des Lukasevangeliums an eine gewissen Theophilus, Johannesprolog in Form eines antiken Hymnus).