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Latein und Kirchenmusik

By Sue Johnson,2014-06-17 19:24
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Latein und Kirchenmusikund,UND

    Latein und Kirchenmusik

    Auch wenn Latein nicht die ursprüngliche Sprache des Christentums ist, spielt es doch in der westlichen Welt eine dominante Rolle. Auch wenn es seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil üblicherweise nicht mehr in den Gottesdiensten verwendet wird, ist es keineswegs als Kulturträger in vielen Bereichen, vor allem aber der Kirchenmusik wegzudenken. In der Argumentation zum Fach Latein bildet seine Kultur tragende Funktion einen ganz wichtigen Pfeiler.

    Ich persönlich erachte den persönlichkeitsbildenden Faktor einer Allgemeinbildung vor allem durch ihre Auseinandersetzung mit unserem Kulturerbe für einen ganz wichtigen Beitrag zur Friedenserziehung. Das Wissen um und die Freude an den großen Errungenschaften in den verschiedensten Bereichen der bildenden und darstellenden Kunst und der Musik und Literatur kann eigentlich vor allem in einer höheren Schule vermittelt werden. Eine Auseinandersetzung im Elternhaus wird immer seltener. Auch hier muss die Schule eine Funktion fast gänzlich erfüllen, die vor zwei oder drei Generationen deutlich stärker vom Elternhaus wahrgenommen wurde. Zugänge zu klassischer Literatur, Musik und Kunst werden am sinnvollsten für die Schüler der Oberstufe geschaffen. Der Erwerb einer Grundkompetenz ist später ohne das entsprechende Angebot in der Schule viel schwieriger und vor allem unwahrscheinlicher.

    Natürlich ist es auch im internationalen Kontext sehr wohl ein gewaltiger wirtschaftlicher Faktor, inwieweit ein kulturinteressiertes Publikum vorhanden ist und dieses Publikum wird in

    höheren Schulen vorgeformt doch ganz besonders für Österreich, das einen enormen Ruf als Kultur- und vor allem Musikland zu verteidigen hat und für dessen Wirtschaft Musik und alles, was damit zu tun, eine ganz bedeutende Komponente bildet, muss es auch ein deutlich ausgesprochenes Ziel sein, die kommenden Generationen zu Trägern und Erben oder zumindest Interessenten an diesem Kulturgut zu machen. Nicht umsonst ist möglicherweise die bekannteste österreichische Gallionsfigur ein gewisser Wolfgang Amadé Mozart. Was hat Latein damit zu tun? Es kann eine Drehscheibe zwischen verschiedenen Fächern und Bereichen bilden und auch Bereiche substituieren, die sonst möglicherweise gar nicht berührt würden. Ich beziehe mich da gerade auf den christlich katholischen Bereich, der vor einigen

    Generationen ein selbstverständlicher Teil der Erziehung im selbstverständlich katholischen Elternhaus war. Das ist bei weitem nicht mehr der Fall, entweder weil keine Beziehung zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft besteht oder im Falle der immer größer werdenden

    Gruppe der Moslems die Zugehörigkeit zu einer ganz anderen religiösen und kulturellen Gruppe. Gerade für diese Gruppe ist eine Auseinandersetzung mit der Kultur Europas in einem neutralen, sachlichen Kontext ein wichtiger Ansatz zur Integration. Gerade die Musik kann da eine bedeutende Rolle spielen.

    In meiner Unterrichtserfahrung mit Jugendlichen ohne christlich-religiösen Hintergrund und solchen aus anderen Kulturen (islamischer Bereich, Fernost) hat sich gezeigt, dass es ganz wichtig ist, gewisse grundlegende Kenntnisse zu liefern, die uns absolut selbstverständlich erscheinen. Das fängt beim Kreuzzeichen und Vaterunser an und hört bei den Feiertagen auf. Der Lateinunterricht ist möglicherweise der einzige Ort, an dem gewisse grundlegende Kenntnisse im Christentum vermittelt werden können - und aus dieser Erfahrung heraus muss Auseinandersetzung mit Latein und der christlichen Welt mindestens denselben Stellenwert im Unterrichtsgeschehen haben wie die klassischen Autoren.

    Da ich es für ganz wichtig halte, auf Grund der sehr knappen Zeit sorgfältig Ziele zu setzen und exemplarisch auszuwählen, kann auch hier nicht die Devise sein ‚Alles, was (mir) Spass macht’, sondern ‚Was hat die meiste Wirkung auf die meisten Menschen gehabt und wie

    kann ich erreichen, dass es auch eine Wirkung auf meine Schüler hat - sie also in die europäische Kulturtradition hereinholen’. Das heißt, dass für mich auch hier, so wie an Caesar I,1 kein Weg an den berühmtesten, bahnbrechendsten Beispielen vorbeiführen darf. Das heißt im Falle von Latein und Kirchenmusik, es darf kein Weg am Mozartrequiem vorbeiführen, auch wenn der persönliche Geschmack eher auf Dvorak oder Fauré gehen mag. In diesem Fall gehen persönliche Neigung und ein Abwägen obgenannter Gründe wie bei mir

    ziemlich oft Hand in Hand. Die wirklich ganz großen Dinge sind nicht umsonst ganz groß. Und wenn man sie vom Podest stürzt und sie bleiben unversehrt und erheben sich im neuen Glanz

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    der selbst erfahrenen Begeisterung wie der Phönix aus der Asche, dann kann man diesen Glanz auch an die nächste Generation weitergeben in einer Verbindung dieser selbst

    erfahrenen Begeisterung mit gut fundiertem Wissen und erfassbarer Aufbereitung. Diese Gedanken sind ausschlaggebend für das Projekt Latein und Kirchenmusik, das ein fächerübergreifendes Konzept zwischen Latein Musik und Religion liefert und am Lateinertag am 8. November 2004 vorgestellt wurde.

    Folgende Punkte sind uns ein besonderes Anliegen und werden entsprechend vorgestellt:

    - Messe und Requiem: der lateinische Text, die Umsetzung und Entwicklung in der Musik

    - Psalmen und andere kirchenmusikalisch bedeutende Texte wie z. B. Te deum, Stabat

    Mater, Salve Regina, Magnificat, Miserere….

    - Oratorien, wie weit dafür lateinische Texte einerseits und nichtbiblische, antike Stoffe

    andererseits eine Rolle spielen.

    Sicherlich gibt es neben den genannten Beispielen eine große Zahl von wunderbaren Werken der Kirchenmusik, aber die Zielsetzung dieser Sammlung ist eine Auswahl charakteristischer Werke zu wichtigen Texte, die eine nachhaltige Wirkung gehabt haben, und soll Lehrern und Schülern eine Grundlage zur Auseinandersetzung mit dem Schatz der Kirchenmusik bieten.

Marie-Theres Schmetterer

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Voluptates aurium

    tenacius me inplicaverant et subiugaverant, sed resolvisti et liberasti me. Nunc in sonis, quos animat eloquia tua, cum suavi et artificosa voce cantantur, fateor, aliquantulum adquiesco, non quidem ut haeream, sed ut surgam, cum volo. Attamen cum ipsis sententiis quibus vivunt ut admittantur ad me, quaerunt in corde meo nonnullius dignitatis locum, et vix eis praebeo congruentem. Aliquando enim plus mihi videor honoris eis tribuere, quam decet, dum ipsis sanctis dictis religiosius et ardentius sentio moveri animos nostros in flammam pietatis, cum ita cantantur, quam si non ita cantarentur, et omnes affectus spiritus nostri pro sui diversitate habere proprios modos in voce atque cantu, quorum nescio qua occulta familiaritate excitentur. Sed delectatio carnis meae, cui mentem enervandam non oportet dari, saepe me fallit, dum rationi sensus non ita comitatur, ut patienter sit posterior, sed tantum, quia propter illam meruit admitti, etiam praecurrere ac ducere conatur. Ita in his pecco non sentiens et postea sentio. Aliquando autem hanc ipsam fallaciam inmoderatius cavens erro nimia severitate, sed valde interdum, ut melos omnes cantilenarum suavium, quibus Daviticum psalterium frequentatur, ab auribus meis removeri velim atque ipsius ecclesiae, tutiusque mihi videtur, quod de Alexandrino episcopo Athanasio saepe dictum mihi commemini, qui tam modico flexu vocis faciebat sonare lectorem psalmi, ut pronuntianti vicinior esset quam canenti. Verum tamen cum reminiscor lacrimas meas, quas fudi ad cantus ecclesiae in primordiis recuperatae fidei meae, et nunc ipsum quod moveor non cantu, sed rebus quae cantantur, cum liquida voce et convenientissima modulatione cantantur, magnam instituti huius utilitatem rursus agnosco. Ita fluctuo inter periculum voluptatis et experimentum salubritatis magisque, adducor; non quidem inretractabilem sententiam proferens, cantandi consuetudinem approbare in ecclesia, ut per oblectamenta aurium infirmior animus in affectum pietatis adsurgat. Tamen cum mihi accidit, ut me amplius cantus quam res, quae canitur, moveat, poenaliter me peccare confiteor, et tunc mallem non audire cantantem. Ecce ubi sum! Flete mecum et pro me flete qui aliquid boni vobiscum intus agitis, unde facta procedunt. Nam qui non agitis, non vos haec movent. Tu autem, domine deus meus, exaudi et respice et vide et miserere et sana me, in cuius oculis mihi quaestio factus sum, et ipse est languor meus.

    Augustinus, Confessiones X,33

    Musicam hab ich allezeit lieb gehabt

    Der schönsten und herrlichsten Gaben Gottes eine ist die Musica, der ist der Satan sehr feind, damit man viel Anfechtung und böse Gedanken vertreibet, der Teufel erharret ihr nicht. Musica ist der besten Künste eine. Die Noten machen den Text lebendig. Sie verjagt den Geist der Traurigkeit, wie man am König Saul siehet…

    Musica ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmütiger machet, ja sittsamer und vernünftiger. Die bösen Fiedler und Geiger dienen dazu, dass wir sehen und hören, wie eine feine gute Kunst die Musica sei. Denn Weißes kann man besser erkennen, wenn man Schwarzes dagegen hält.

    Wer die Musicam veracht’, wie denn alle Schwärmer tun (wie die Calvinisten), mit denen bin ich nicht zufrieden. Ich gebe nach der Theologia der Musica den nächsten Platz und höchste Ehre. Und man siehet, wie David und alle Heiligen ihre gottseligen Gedanken in Vers , Reimen und Gesänge gebracht haben.

    Singen ist die beste Kunst und Übung. Es hat nichts zu tun mit der Welt, ist nicht für Gericht noch in Hadersachen. Sänger sind auch nicht sorgfältig, sondern fröhlich und schlagen die Sorgen mit Singen aus und hinweg.

    Martin Luther, Tischreden

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Christentum und Musik

    Das Christentum wird von Anfang an mit Gesang in Verbindung gebracht. Im Matthäusevangelium (Mt. 26,30) wird nach dem Letzten Abendmahl ein Danklied, ein Hymnus, erwähnt. Plinius schreibt in seinem Christenbrief (X, 96, 7) ‚…carmen Christo quasi

    deo dicere secum invicem…’, was darauf hinweist, dass die Christen von Anfang an bei ihren Zusammenkünften Wechselgesänge verwendeten. Dies geht einerseits auf die Tradition des Psalmodierens, des Psalmengesangs in den jüdischen Synagogen, zurück, die hier einen maßgeblichen Einfluss hatte, andererseits auf die Hymnodik, den kultischen Gebrauch von Hymnen, in der heidnisch-antiken Kultur. Ambrosius von Mailand schuf eine bahnbrechende,

    gültige lateinisch-christliche Hymnenform. Vier jambische Dimeter bilden eine Strophe, das metrum Ambrosianum.

    z.B. im Morgenhymnus Aeterne rerum conditor

Aeterne rerum conditor, praeco diei iam sonat

    noctem diemque qui regis noctis profundi pervigil,

    et temporum das tempora, nocturna lux viantibus

    ut alleves fastidium: a nocte noctem segregans.

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    Rerum conditor: Schöpfer der Welt; temporum das tempora: du gibst die Zeiteinteilung (Tag, Monat, Jahr); fastidium,-i n:

    Überdruss; allevo1: aufheben; praeco,-onis: Herold (= der Hahn); pervigil: immer wachsam zu noctis profundi; segrego1:

    trennen

    Was die Vortragsweisen anbelangt, kann das ‚secum invicem’ auf zwei verschiedene Arten erfolgen:

    - als Antiphon: einem Chor wird von einem Gegenchor mit eingefügten Kehrversen

    geantwortet

    - als Responsorium: der Solist singt vor, der Chor antwortet

    Ursprünglich wurden nur die Texte der Liturgien überliefert. Da die Sänger ihre Melodien auswendig konnten, bedurfte es nur gewisser Gedächtnisstützen. Diese frühen Notierungen, Neumen genannt, lassen keine genaue Umsetzung zu. Die ersten Niederschriften stammen von ca 900 und geben noch keine exakten Tonhöhen an. Der Rhythmus richtet sich nach dem Sprechrhythmus. Die ersten Ikten (Taktstriche, Schläge) gibt es in der Notation der Renaissance. Erst aus dem 12. Jahrhundert ist eine Übertragung von Notation möglich.

    Eine bahnbrechende Entwicklung im Bereich der Musik wird Papst Gregor dem Großen (gest. 604) zugeschrieben. Er bemühte sich um eine Vereinheitlichung der Liturgie und gründete die Schola Cantorum in Rom. Vorhandene Gesänge wurden gesammelt und aufgezeichnet. Dass sie einstimmig aufgezeichnet wurden, besagt nicht unbedingt, dass sie nur einstimmig gesungen wurden. Sie bildeten zweifellos die Grundlage für die frühe Mehrstimmigkeit. Ursprünglich war allerdings offenbar keine instrumentale Begleitung vorgesehen.

Die Bibel und die lateinische Sprache

    Das Wort Bibel, die Bezeichnung für die heilige Schrift der Juden und Christen, kommt aus dem Griechischen. Biblos heißt einfach Buch. Die Bibel wird auch als das Buch der Bücher

    bezeichnet (typ. Hebräische Formulierung vgl. per saecula saeculorum - für alle Zeit, virgo

    virginum als Bezeichnung für Maria.

Sie besteht aus zwei Teilen

    - dem Alten Testament, das Juden und Christen gemeinsam haben (die fünf Bücher Mose, das erste davon: Genesis-Entstehung der Welt, Paradies, Sündenfall etc., das zweite: Exodus. der Auszug der Israeliten aus Ägypten, 10 Gebote etc., Bücher der Könige, Psalmen, Propheten etc.)

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    - dem Neuen Testament, das die Basis der christlichen Lehre bildet und Leben und Botschaft des Jesus von Nazareth und das Wirken seiner Jünger beinhaltet.

    Die Originalsprache des Alten Testaments ist Hebräisch, die des Neuen Testaments das sogenannte Koine-Griechisch, die damalige Verkehrssprache des ganzen östlichen

    Mittelmeerraumes. Aus vorchristlicher Zeit gab es schon eine Übersetzung des Alten Testaments ins Griechische, die sogenannte Septuaginta (lat. siebzig, da der Überlieferung

    nach so viele Juden an der Übersetzung mitarbeiteten,- siebzig ist auch die alttestamentliche Symbolzahl für sämtliche Völker der Menschheit).

    Als sich das Christentum nach Westen ausbreitete, wurde es notwendig, die Heilige Schrift ins Lateinische zu übersetzen. Je nach Bedarf wurden einzelne Teile übersetzt, die insgesamt als Vetus Latina (Translatio) bezeichnet werden, je nach ihrer Herkunft auch als Itala oder Afra. Im

    4. Jahrhundert erteilte Papst Damasus I. (366-384) seinem Sekretär, dem hl. Hieronymus,

    einem der vier lateinischen Kirchenväter, den Auftrag, eine Gesamtübersetzung aus dem Original zu machen. Sie wird üblicherweise als Vulgata bezeichnet.

Das Neue Testament besteht aus den vier Evangelien nach Matthäus, Markus, Lukas und

    Johannes, der Apostelgeschichte, den Apostelbriefen und der Apokalypse oder Geheimen

    Offenbarung des Johannes.

Evangelium, eu-angelion, heißt eigentlich 'gute oder frohe Botschaft', angelos ist der Bote

    (der eine außerordentliche Verbindung zwischen Gott und den Menschen herstellt). Sehr früh wurde der griechische Ausdruck ‚Evangelium’ ins Altenglische genau als god - good und

    spell - spell (sagen), also gospel übertragen.

    Die Evangelien sind keine Biographien des Lebens Jesu, sondern eine Darstellung seiner Lehre, bestimmt für gewisse Zielgruppen von Christen: Matthäus und Markus für Judenchristen (daher die zahlreichen Anspielungen und Zitate aus dem Alten Testament), Lukas und Johannes für Heidenchristen, daher deutliche Bezüge zur heidnischen (griechischen) Literaturtradition (Widmung des Lukasevangeliums an eine gewissen Theophilus, Johannesprolog in Form eines antiken Hymnus).

    Vier war schon bei den Pythagoräern ein Symbol für Vollkommenheit (s. Quadrat, vier klass. Elemente: Wasser, Feuer, Luft, Erde etc.). Schon im 2. Jahrhundert wurden die Evangelien auf Grund assoziativer Beziheungen den vier Wesen zugeordnet, die in einer Vision des Propheten Ezechiel den Thron Gottes umgeben: Matthäus dem Menschen oder Engel, Markus dem Löwen, Lukas dem Stier und Johannes dem Adler. Diese Symbole werden in der bildenden Kunst häufig dargestellt.

    Die drei ersten Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas sind einander inhaltlich und formal recht ähnlich und werden daher als synoptische ('zusammenschauende) Evangelien

    bezeichnet, die Evangelisten als Synoptiker. Das Johannesevangelium unterscheidet sich

    deutlich von ihnen.

    Das Matthäusevangelium ist mit seinen Anspielungen an das Alte Testament deutlich an Judenchristen gerichtet. Matthäus selbst, ursprünglich ein Jude namens Levi, begegnet im Evangelium selbst (9,9 u. 10,3) als ehemaliger Zöllner und späterer Apostel. Das Evangelium ist in 7 Abschnitte eingeteilt ( 7 ist die heilige Zahl der Juden - s. Wochentage). Matthäus berichtet die Genealogie (Abstammung) Jesu und das Erscheinen der drei Weisen aus dem Morgenland (Magi - Astronomen und Astrologen aus Mesopotamien, die Gold, Weihrauch und Myrrhe als Geschenke für einen König, Priester und Propheten bringen). In seinem Evangelium ist auch die Bergpredigt und das Vaterunser enthalten.

    Das Markusevangelium gilt als das älteste und ist ebenfalls an Judenchristen gerichtet. Die Datierung nach 70 n. Chr. erfolgt über die Erwähnungen des Tempels und den Zusammenhang zur Eroberung Jerusalems durch Titus und der Zerstörung des Tempels. Markus soll altchristlicher Überlieferung nach ein aus Jersualem stammender Begleiter des Paulus und

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    auch Dolmetscher des Petrus gewesen sein. Er wurde später Bischof von Alexandria, wo er auch ursprünglich bestattet war.

    Als die aufstrebende Republik Venedig die Reliquien eines möglichst prestigeträchtigen Heiligen suchte und sich Gelegenheit bot, die Gebeine des hl. Markus käuflich zu erwerben, kamen sie nach Venedig, wo sie bis heute im Markusdom liegen. (Sie sollen übrigens unter Schweinefleisch aus dem damals schon moslemischen Ägypten herausgeschmuggelt worden sein). Markus ist seither der Schutzheilige Venedigs und zahlreiche Darstellungen seines Löwen mit einem aufgeschlagenen Buch mit der Inschrift

    AVE MARCE EVANGELISTA MEUS sind in der ganzen Stadt und auch überall in den ehemals venezianischen Teilen des östlichen Mittelmeerraumes zu finden.

    Das Lukasevangelium ist offensichtlich von einem Nichtjuden für Nichtjuden geschieben. Sein Verfasser, der Arzt Lukas, wird in den Paulusbriefen als Schüler des Apostels erwähnt und gilt auch als Verfasser der Apostelgeschichte. Das wird sprachlich und sachlich deutlich durch das Griechisch ohne semitische Fügungen, die in der heidnisch antiken Tradition stehende Widmung an Theophilus und die deutlich weniger vertretenen Bezüge zum Alten Testament, die nur für Juden verständlich und interessant waren. Bei Lukas finden wir den Bericht über Empfängnis und Geburt Johannes des Täufers und Jesu. Diese genaue Kenntnis der Kindheit Jesu wird mit Maria in Zusammenhang gebracht und Lukas als Schöpfer eines (literarischen) Bildes der Maria angesehen.

    Das Johannesevangelium ist der Tradition nach vom Apostel Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu verfasst. Es ist das jüngste und spirituellste der Evangelien (ca 100 n. Chr. entstanden) mit starken Gegensätzen zwischen Licht und Dunkel, Gut und Böse, also deutlichem Dualismus (vgl. Zoroasterreligion, Mithraskult). Es wird von einem Hymnus in heidnischer Literaturtradition eingeleitet, der dem logos gewidmet ist, dem zentralen geistigen Begriff der stoischen Philosophie, der von Johannes auf Jesus umgedeutet wird.

Die Apostelgeschichte (actus apostolorum) wird ebenfalls Lukas zugeschrieben und ist

    demselben Theophilus gewidmet. Sie erzählt vom Wirken Christi nach seinem Tod und seiner Auferstehung in den Aposteln und den frühen Christengemeinden und beinhaltet den Pfingstbericht, das Leben der Urgemeinde, die missionarische Tätigkeit und Aufnahme von Nichtjuden, sowie die Bekehrung und Missionstätigkeit des hl. Paulus.

Nationalsprachliche Übersetzungen

    In der protestantischen Welt des 16. Jahrhunderts kam der Bibel und ihrer Lektüre eine zentrale Stellung zu. Sie wurde in die Nationalsprachen übertragen. Bekannt ist die Bibelübersetzung Martin Luthers und die King James’s Bible, die vom ersten Stuartkönig als

    standardisierte Übersetzung zur Festigung des Protestantismus in England in Auftrag gegeben wurde, 1611 erschien und immer noch die gültige Standartübersetzung ist. (s. englische Version des Psalm 50/51)

Die Texte

    Für die musikalische Gestaltung in der Kirche kommen mehrere Textquellen in Frage

    - direkte Schrifttexte, z.B die Psalmen, ua. Psalm 50/51 ‚Miserere’

    - liturgische Texte Messe und Requiem (Missa de tempore und missa pro defunctis) -

    sie sind eine im Laufe der Jahrhunderte zusammengewachsene Abfolge

    verschiedener Textteile

    - eigene Dichtungen z. B. Hymnen, Sequenzen, die als einzelne Werke der Dichtkunst

    konzipiert sind. In manchen Fällen ist ihr Verfasser wohlbekannt z. B. Thomas von Aquin

    als Verfasser der Fronleichnamssequenz ‚Pange lingua’, in anderen wird das Werk

    verschiedenen Leuten zugeschrieben.

    In diese Gruppe fallen das Tedeum (Ambrosius von Mailand zugeschieben), Stabat

    mater (die Autorschaft Jacopone da Todis ist nicht gesichert), und das Dies Irae

    (Thomas von Celano zugeschrieben)

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Das Stundengebet der Mönche

    Neben der Gestaltung der Messe war auch das Stundengebet der Mönche ein Fixpunkt, an dem Schrifttexte, Texte der Patres, der Kirchenväter, und Hymnen etc. verwendet wurden.

    Die Fixierung von Gebeten zu bestimmten Zeiten kommt aus dem östlichen Mönchstum und wurde von den Orden der katholischen Kirche, den Benediktinern und nachfolgenden Orden übernommen und gepflegt. Die Tradition hat bis heute im klösterlichen und priesterlichen Leben (Brevier) eine Bedeutung.

Der Tag ist in 8 Horen (von lat. hora: Stunde) eingeteilt

    - Mitternacht matutina (woraus sich Mette als Ausdruck für die mitternächtliche

    Messfeier zu Weihnachten entwickelte)

    - 3 Uhr Laudes Morgenlob

    - 6 Uhr Prim erste Stunde des Tages

    - 9 Uhr Terz

    - 12 Uhr Sext

    - 15 Uhr Non

    - 18 Uhr Vesper Abendlob

    - 21 Uhr Complet

    Diese Zeiten wurden allerdings in der Praxis bald zusammengeschoben und verändert.

    Noch heute betet der Priester täglich Laudes und Vesper. Der Ausdruck Brevier für die

    Sammlung der geeigneten Schriften für die täglich vorgesehen Gebete entstand daduch,

    dass eigentlich drei getrennte Sammlungen, die Heilige Schrift, Schriften der Patres

    (Kirchenväter) und Hymnen in einem Band, dem Brevier, vereinigt wurden.

    Musikalisch gesehen bietet die Vesper den fruchtbarsten Gestaltungsansatz. Als Beispiele seien hier Monteverdis Marienvesper (Vespro alla vergine Maria) und Mozarts Vespern (Vesperae de dominica und Vesperae solennes de confessore) genannt. Monteverdi verwendet neben anderen Texten die Psalmen 109 (Dixit dominus), 112 (Laudate pueri), 121 (Laetatus sum), 126 (Nisi Dominus), 147 (Lauda Jerusalem) und als Abschluss das Magnificat. In Mozarts Werken bilden ‚Dixit dominus’ und ‚Magnificat’ den Rahmen für Werke im

    konzertanten Stil abwechselnd mit Chorwerken und solistischen Teilen.

Bezeichnungen:

    In der kirchenmusikalischen Praxis hat sich vielfach die antike Tradition erhalten, Werke nach ihren Anfangsworten zu zitieren und somit verschiedene Wortformen zu substantivieren. Man spricht also von einem Credo, einem Miserere, einem Stabat Mater oder Salve Regina. In Zusammenhang mit Requiem wurde dann der Plural Requien gebildet. Im Deutschen hat

    sich diese Tradition vor allem beim Vaterunser und Gegrüßet seist du Maria durchgesetzt und erhalten( z. B. drei Vaterunser beten)

Die Messe:

    Die Gottesdienstfeier, wie sie über die Jahrhunderte tradiert wurde, ist einerseits beeinflusst von jüdischen Elementen der Synagogenfeier, besonders die Schriftlesungen und Erklärungen (Predigt) im Wortgottesdienst, anderseits steht die gemeinsame Feier des Abendmahles seit frühester Zeit im Mittelpunkt. Daraus leiten sich die bis heute bestehenden großen Teile der katholischen Messfeier ab: der Wortgottesdienst mit dem Vortrag von einer oder zwei Lesungen aus dem Alten Testament oder Schriften des Neuen Testaments abgesehen von den Evangelien und einem Abschnitt aus einem der vier Evangelien mit der anschließenden Predigt einerseits und die Eucharistiefeier mit der Wandlung und Kommunion sowie dem Schlusssegen (Ite, missa est geht, die Gemeinde ist entlassen in die Welt geschickt vgl.

    Mission) andererseits.

    Im Westen des Römischen Reiches ergab sich die Notwendigkeit einer lateinischen Liturgie (leitourgia,- Dienst. lat. officium oder servitium). Wahrscheinlich entstanden die ersten

    Übersetzungen in Nordafrika im 3. Jahrhundert. Papst Damasus (366 - 384), der in so vielen

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    Belangen die weitere Entwicklung der katholischen Kirche prägte, war auch hier von maßgeblichem Einfluss, indem er für die Stadt Rom Latein zur offiziellen Sprache der Liturgie machte.

    Allerdings entstanden nach dem Ende des Römischen Reiches in den einzelnen Teilen verschiedene Formen der Liturgie (z.B. die ambrosianische in Mailand, die mozarabische in Spanien, die gallikanische im Frankenreich). Ab dem 13. Jahrhundert setzte sich das missale,

    das Messbuch der römischen Kirche, durch. Die heute noch gebräuchliche Form geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück, das auch maßgebliche Richtlinien für die Verwendung von Musik im Gottesdienst festlegte. Das missale Romanum, das allgemein

    verbindliche Messbuch der katholischen Kirche, wurde von Papst Pius V. 1570 veröffentlicht. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-64) werden die Nationalsprachen von Ausnahmen

    abgesehen - in der Messfeier verwendet.

    Da hier der Schwerpunkt auf den musikalisch umgesetzten Teilen der Messe liegt, wurden die Texte auf die Teile beschränkt, die vor allem von den Komponisten der klassischen Kirchenmusik des 17. bis 20 Jahrhunderts für Hochämter, also feierliche Messen in lateinischer Sprache zu besonderen Gelegenheiten, verwendet werden.

    Grundsätzlich lässt sich auch heute die im Gottesdienst verwendete Musik, seien das traditionelle Kirchenlieder, unter denen im österreichischen Raum besonders die deutschen Messen von Michael Haydn und Franz Schubert einen besonderen Platz einnehmen (Gotteslob Reihe 801 und 802), oder sogenannte ‚rhythmische Lieder’, die populäre Songs aus ganz verschiedenen Kulturbereichen mit passenden religiösen Texten unterlegen), in zwei Kategorien teilen:

    Das Ordinarium, die im Jahresablauf immer gleich bleibenden Teile der Messe, und die Proprien, Teile, die dem jeweiligen Abschnitt im Jahreskreis, bzw. dem jeweiligen Fest zugeordnet sind.

Die Proprien bestehen üblicherweise aus vier (bis sechs) Teilen:

    Introitus (Eingangslied)

    Graduale (Zwischengesang zwischen Lesung und Evangelium, endet mit Halleluja)

    Psalmentexte, die heute vielfach wieder als Wechselgesang gesungen werden ev. verlängert durch den Tractus (bei Trauer- oder Bußmessen)

    oder eine Sequenz (zu bestimmten Feiertagen wie Ostern (Victimae paschaili laudes),

    Pfingsten (Veni, sancte Spiritus), Fronleichnam, (Lauda Sion) und am Schmerzhaften Freitag

    (Freitag vor Palmsonntag Stabat Mater)

    Offertorium (Gabenbereitung)

    Communio (Kommunion)

    Es werden Schrifttexte, meist Psalmen verwendet, deren Inhalt in einem Zusammenhang zum jeweiligen Anlass im Kirchenjahr steht. Ausgehend von der Lesung und/oder dem Evangelium (zwischen denen üblicherweise ein Zusammenhang besteht), wird der Gedanke des Anlasses weiter ausgeführt.

    Seit dem 2. Vatikanischen Konzil sind drei Jahreszyklen für die Abschnitte des Evangeliums vorgesehen (A für Matthäus, B für Markus, C für Lukas, Teile des Johannesevangeliums werden jeweils eingefügt). Passend zum jeweiligen Evangelium sind jeweils zwei Lesungen vorgesehen, eine aus dem Alten Testament (z. B. Propheten, Buch der Weisheit, Jesus Sirach

    niemals Psalmen) und eine aus dem Neuen Testament (Apostelbriefe, Apostelgeschichte)

Das Ordinarium, die gleichbleibenden Teile der Messe sind folgende :

    Kyrie

    Gloria

    Credo

    Sanctus

    Benedictus

    Agnus Dei

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Die musikalische Entwicklung der Messe

    Im Mittelalter wurden ursprünglich einzelne Teile der Messe musikalisch umgesetzt, allerdings ohne instrumentale Begleitung. Die ältesten erhaltenen Beispiele einer Vertonung des gesamten Ordinariums stammen aus dem 14. Jahrhundert (Messe von Toulouse, Messe von Besancon).Guillaume de Machaut (1300/05-1377), ein Meister der französischen Ars nova hat

    als erster eine vollständige Vertonung des Ordinariums hinterlassen. Sie wurde wahrscheinlich zur Krönung von Karl V. 1364 in Reims verfasst und unter dem Namen Messe von Notre Dame

    überliefert. Unter den frühen Meistern, die Messen hinterließen, sind Guillaume Dufay (ca 1400

     1474), Johannes Ockeghem (ca 1425-1496/97) und Josquin des Prez (ca 1440 1521) zu

    nennen. Josquin verfasste eine vierstimmige Messe über den Hymnus ‚Pange lingua’ und bearbeitete und verwendete mehrfach das Lied ‚L’homme armée’.Auch Heinrich Isaak, der

    Hofkomponist von Kaiser Maximilian I. (ca 1450 1517, bekannt durch sein Lied ‚Innsbruck, ich

    muss dich lassen) und Orlando di Lasso (1532-1594) hinterließen zahlreiche 4- bis 6-stimmige Messen.

Palestrina und die Missa Papae Marcelli

    Die bedeutendste Stellung am Beginn der Neuzeit nimmt aber zweifellos Giovanni Pierluigi da

    Palestrina (ca 1525-1594), der Meister der sogenannten Römischen Schule, ein. Er hinterließ insgesamt 105 Messen. Die zweifellos bedeutendste davon, die Missa Papae Marcelli (1562),

    steht in Zusammenhang mit dem Konzil von Trient, in dem alle wichtigen Fragen der Gegenreformation gegen den Protestantismus behandelt wurden, darunter auch bezüglich der zu verwendenden Kirchenmusik. Das Desiderat des Konzils war eine Beschränkung und Reform der Texte, Verbannung weltlicher, aus Madrigalen und Chansons, (z. B. ‚L’homme

    armée) stammender Elemente und Textverständlichkeit, was bei der ausgeprägten Mehrstimmigkeit z. B. der Niederländischen Schule nicht gegeben war. Die Missa Papae

    Marcelli beweist, dass Mehrstimmigkeit und Textverständlichkeit kein unvereinbares Gegensatzpaar sein müssen.

    In der Barockzeit setzten sich auch in der Kirche instrumentale Formen durch. Neben der Orgel, die schon seit dem 9. Jahrhundert ein für den Kirchenraum akzeptiertes Instrument war, wurden zuerst vor allem Blasinstrumente als dem religiösen Rahmen angemessen angesehen. Besonders die Posaune gilt als das Instrument des Jenseits schlechthin. Streichinstrumente kamen erst spät zum Einsatz. Sie galten lange als reine Tanzinstrumente. Mit dem großen Aufschwung der Geigenbaukunst im 17. Jahrhundert (Geigenbauer von Cremona wie Stradivari, Amati oder Jacob Stainer aus Asams in Tirol) setzten sie sich aber gemeinsam mit den instrumentalen Formen durch, auch in der Kirche.

Orazio Benevoli: Missa Salisburgensis:

    Mitten im Dreißigjährigen Krieg, am 24. September 1628 wurde die Missa Salzburgensis, beim römischen Komponisten Orazio Benevoli, einem Meisters der venezianischen Mehrchörigkeit vom Salzburger Fürsterzbischof bestellt, anlässlich der feierlichen Eröffnung des Salzburger Domes aufgeführt. An insgesamt zwölf Orten erklang die Musik von 7 Chören (2 Vokalchöre und mehrere Instrumentalgruppen insgesamt 53 Stimmen!). Neurdings wird diese Zuordnung von Musikwissenschaftlern allerdings in Frage gestellt. Sie meinen, das Werk müsse jünger sein und ordnen es möglicherweise H.I.F. Biber zu.

Bach und die h-moll-Messe

    Bachs h-moll Messe ist ein außerordentlich groß angelegtes Werk mit insgesamt 24 Musikstücken (15 Chorsätze, 9 Solostücke: Arien und Duette) und sprengt damit den liturgischen Rahmen. Bach beschäftigte sich fast ein Vierteljahrhundert damit. Ein Sanctus von 1724 und ein Kyrie und Gloria von 1733 wurden von Bach durch eine Neukomposition des Credo und ein Osanna und Agnus dei ergänzt. Das Dona nobis pacem greift musikalisch auf das Gratias agimus des Gloria zurück.

Messen der Wiener Klassik Haydn, Mozart, Schubert

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    Zweifellos die größte Bedeutung für Wien und Österreich haben die Meister der Wiener Klassik, Michael und Joesph Haydn, Mozart und Schubert. Ihre Messen werden nach wie vor am häufigsten in- und außerhalb des Gottesdienstes aufgeführt.

    Michael Haydn (1737-1806), der jüngere Bruder von Joseph, war in Salzburg tätig und verfasste dort über 30 lateinische Messen. Am bekanntesten ist allerdings seine deutsche Messe, die als sogenannte Einser-Messe (Gotteslob Reihe 801) nach wie vor in Österreich regelmäßig in liturgischem Gebrauch ist. Sie entstand im Zuge der reformatorischen Ansätze des Salzburger Fürsterzbischofs Colloredo, der für den vermehrten Gebrauch deutscher Kirchenlieder eintrat.

    Sein letztes Werk ist übrigens ein unvollendet gebliebenes Requiem.

Joseph Haydn(1732-1809):

    Von den zwölf erhaltenen Messen Joseph Haydns sind die bekanntesten die Nicolaimesse in G-Dur (1773), die Cäcilien-Messe in C-Dur (1773), die Missa Cellensis oder Mariazeller Messe in C-Dur (1782), die Paukenmesse oder Missa in tempore belli (1796), die Heiligmesse oder Missa S. Bernardi de Offida in B-Dur (1796), die Nelsonmesse oder Missa in angustiis (1798), die Theresienmesse in B-Dur (1799), die Schöpfungsmesse in B-Dur und die Harmoniemesse in B-Dur (1802).

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791):

    Der größere Teil seiner kirchenmusikalischen Werke stammt aus seiner Salzburger Zeit. Seine Missae breves sind deswegen kurz und ohne jede Erweiterung, weil sein Dienstgeber, der wenig musikbegeisterte Fürsterzbischof Colloredo, auf strenge Einhaltung der Zeit bestand. 1768 komponierte und dirigierte der damals Zwölfjährige eine Messe in G-Dur zur Eröffnung der Waisenhauskirche am Wiener Rennweg. Mozart komponierte insgesamt 15 vollendete und einige unvollendete Messen, darunter die große Messe in c-moll, die ungefähr zur selben Zeit entstand wie das Requiem. Am bekanntesten ist die Krönungsmesse in C-Dur, KV 317. Sie wurde 1779 zur Erinnerungsfeier an die Krönung des Gnadenbildes von Maria Plain uraufgeführt.

    Die anspruchsvollste Messe Mozarts ist zweifellos die unvollendete Große Messe in c-moll, KV , sowohl für den Chor wegen der doppelchörigen Sätze und anspruchsvollen Fugen, als auch für den Solosopran, den Mozart seiner Frau Konstanze auf den Leib schrieb. Der Komponist verwendete Teile davon für die Kantate ‚Davide Penitente’.

Franz Schubert (1797-1828):

    Von Franz Schubert sind 6 Messen erhalten, vier davon - in F-, B-, G- und C- Dur - als Werke des Siebzehn- bis Neunzehnjährigen entstanden, die Messe in As-Dur aus dem Jahr 1822, die Messe in Es-Dur 1828, seinem Todesjahr. Neben diesen beliebten, immer wieder aufgeführten lateinischen Messen hat seine deutsche Messe, als sogenannte Zweier-Messe (Gotteslob Reihe 802) nach wie vor in österreichischen Kirchen in liturgischem Gebrauch, die größte Breitenwirkung.

Ludwig van Beethoven (1770 1827) : Missa Solemnis:

    Während von Bachs h-moll-Messe abgesehen - Messen vorher üblicherweise gezielt als Auftragswerke zu bestimmen Anlässen bestellt und komponiert und in liturgischem Rahmen aufgeführt wurden, ist Beethovens Missa Solemnis, wie schon der Name sagt, von ihrer Anlage her umfangreicher als die Kompositionen vorher. Sie war 1818 zur Amtseinführung von Beethovens Schüler Erzherzog Rudolf als Erzbischof von Ölmütz geplant, wurde aber erst 1823 vollendet und als Opus 123 zugleich mit der 9. Symphonie veröffentlicht.

Romantische Messen:

    Von den Komponisten der Romantik sei hier Luigi Cherubini (1760-1842) erwähnt, der die Tradition der vokalen Kirchenmusik und die Instrumenalkunst der Klassik weiterentwickelte. Nach seinem Schaffen als Opernkomponist beschäftigte er sich mit liturgischer Musik. Von den 11 von ihm erhaltenen Messen wurde eine zur Krönung des französischen Königs Karl X. komponiert. Von Rossini ist eine ‚Petite messe solenelle’ für Soli, Chor, zwei Klaviere und

    Harmonium erhalten.

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