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PJ-Tertial Innere Medizin am Groote Schuur Hospital

By Crystal Torres,2014-06-02 20:48
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PJ-Tertial Innere Medizin am Groote Schuur Hospital

    PJ-Tertial: Innere Medizin am Groote Schuur Hospital

    vom 11.12.06-02.03.07 in Kapstadt, Südafrika

Motivation

    Einige meiner Kommilitonen waren bereits in Kapstadt für ein PJ-Tertial gewesen oder hatten sich ebenfalls dafür beworben. Ich informierte mich über das Land und ließ mich von den positiven Erzählungen meiner Freunde inspirieren.

    Mir war es wichtig in ein englischsprachiges Land zu gehen, da es die Kommunikation mit Ärzten und Patienten erleichtert, und der Lernerfolg nicht durch Sprachbarrieren auf der Strecke bleibt. Südafrika reizte mich besonders durch die Unterschiede in Kultur und Gesundheitssystem. Zusätzlich wurde meine Entscheidung erleichtert durch die frustrierten Erfahrungsberichte der Studenten, die sich für ein Tertial an der eigenen Uni in Deutschland entschieden haben.

Vorbereitung

    Die Vorbereitung fiel relativ leicht, da Kapstadt ein sehr beliebtes Ziel unter PJlern ist und daher schon viele Erfahrungsberichte existieren. Andererseits erfordert die Beliebtheit bereits eine Bewerbung bis spätestens 1,5 Jahre vor Beginn des Tertials. Die Bewerbung schickte ich

    elective@curie.uct.ac.za), die sich per E-Mail an die Elective Officer, Paschaline Jacobs (

    auch vor Ort fürsorglich um alle Belange der ausländischen Studenten kümmerte. In ihrer Antwortmail erhielt ich meine Zusage und sämtliche Unterlagen, die zur Bewältigung der Bürokratie notwendig waren. Eine Bearbeitungsgebühr musste überwiesen werden, ein Visum beantragt, Studiengebühren bezahlt werden etc. Paschaline zeigte sich bei allen Fragen und Problemen äußerst hilfsbereit.

    In vielen Erfahrungsberichten wurde ein Lodge (www.thelodgeobs.co.za) in unmittelbarer

    Nähe der Klinik benannt, wo auch ich meine ersten Wochen verbrachte und viele Gleichgesinnte kennen lernte. Später fand ich über www.observatoryaccommodation.com

    eine nette WG ebenfalls in nächster Nähe zum Klinikum.

    Es lohnt sich über ein Auto nachzudenken, da die Minibusse und Taxis vor allem nachts nicht sehr sicher sind. Ich habe mich entschieden, bei www.hireacarcapetown.co.za ein Auto zu

    mieten. Für längere Aufenthalte lohnt es sich aber unter Umständen ein Auto zu kaufen und vor der Abreise wieder zu verkaufen.

Tätigkeitsbeschreibung

    Mein Tertial verbrachte ich in einer allgemeinen internistischen Abteilung. Die Station war in einen Männer- und einen Frauenbereich unterteilt. Die Patienten lagen alle in einem großen Saal nebeneinander, nur zur Untersuchung konnte ein Vorhang vorgezogen werden. Die wenigen Patientenzimmer waren für Patienten mit offener Tuberkulose vorbehalten. Unser Team bestand aus einem Registrar (Assistenzarzt) und zwei Interns, die im ersten Jahr ihrer Weiterbildung durch verschiedene Fachgebiete rotieren. Einmal wöchentlich hielt der Consultant (Oberarzt) die Visite.

    Die verschiedenen Teams hatten zwei Tage in der Woche Aufnahmetag, an dem sie sich um alle Patienten kümmerten, die an diesem Tag stationär aufgenommen werden mussten. Diese lagen daraufhin auf den angrenzenden Nachbarstationen zwischen den Patienten der anderen Teams verteilt. Die übrigen Tage der Woche betreute man diese Patienten und kontrollierte den Verlauf.

    Morgens traf sich das Team und besprach mit dem Registrar, welche Untersuchungen oder Prozeduren von den Interns an jedem einzelnen Patienten durch zu führen waren. Anfangs begleitete ich die Interns, die mir viel erklärten bezüglich organisatorischer Dinge, aber auch medizinischer Fragestellungen. Nachdem alles erledigt war hielt der Registrar gegen Mittag die Visite. Danach war meistens nur noch Bürokratie zu erledigten, so dass mich die Interns nach Hause schickten. Bald hatte ich meine eigenen Patienten zu betreuen und führte Azites- und Lumbalpunktionen selbständig durch. Am meisten lernte ich dennoch an den langen Aufnahmetagen, auch wenn sich die Anamnese oft nicht einfach gestaltete, da viele Patienten kein Englisch sprachen.

    Die wöchentliche Oberarztvisite war meist sehr ausführlich. Zuerst setzten wir uns zusammen und gingen die Akten aller neuen Patienten sehr detailliert durch. Dabei gab sich der Oberarzt besondere Mühe, dass ich alles verstand und forderte mich immer wieder auf, Fragen zu stellen.

    Das Krankheitsspektrum beinhaltete hauptsächlich HIV mit sämtlichen opportunistischen Erkrankungen und Tuberkulose. Etwa 80% der Patienten waren HIV positiv, und viele der übrigen 20% Verweigerten einen Test. Meist waren es schwarze Patienten aus den Townships aus ärmlichen Verhältnissen.

    Für die letzten Wochen wechselte ich in die Notaufnahme. Der langjährige Chefarzt dort ist eine richtige Institution und hat viel Freude, sein Wissen nicht nur in der Visite an die Studenten weiter zu geben. Auch von den südafrikanischen Studenten konnte ich viel lernen. Ihre Fähigkeiten in Anamnese und körperlicher Untersuchung sind sehr gut, da schon ein Ultraschallgerät eher selten zum Einsatz kommt. In der Regel werden die Patienten zuerst von den Studenten angeschaut und danach den Registrars vorgestellt, die bei dieser Gelegenheit ein sehr gutes Bedside-Teaching machen.

Freizeit

    Der Freizeitwert Kapstadts sollte während des PJ-Tertials auch nicht zu kurz kommen. Besonders in den deutschen Wintermonaten habe ich die Sonne dort sehr genossen. Die wunderbare Aussicht vom Tafelberg, dem Wahrzeichen Kapstadts, zu genießen ist sehr zu empfehlen. Auch der Sonnenuntergang an Vollmondnächten auf dem Lionshead ist ein tolles Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Nach Feierabend lohnt es sich oft noch an einen der vielen schönen Strände zu fahren oder einen Sundowner zu genießen bevor man einem landestypischen Braai (BBQ) beiwohnt. Am Wochenende kann man Ausflüge zu den zahlreichen Weingütern oder ans Kap unternehmen. Sollte man etwas Urlaub bekommen bieten sich eine Tour entlang der Garden Route oder zum Krüger National Park an.

Fazit

    Abschießend kann ich auf ein sehr lehrreiches und eindrucksvolles Tertial zurückblicken. Fachlich konnte ich sehr viel lernen und auch praktische Erfahrungen sammeln. Es war sehr interessant ein neues Land und dessen Kultur kennen zu lernen, dazu gehörte auch, mit dem Elend der Townships konfrontiert zu werden, und den Umgang mit HIV-kranken Patienten zu erlernen. Besonders in Erinnerung bleiben mir die wunderbaren Ausflüge und Unternehmungen, sowie die einzigartigen Menschen, die ich dort kennen gelernt habe.

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