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Alfred Polgar

By Brandon Flores,2014-07-16 22:50
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Alfred Polgar

    Alfred Polgar (1873 1955)

Alfred Polgar (so sein Künstlername, den er ab 1914 auch als offiziellen

    Namen führte) wird als drittes und jüngstes Kind ungarisch-slowakischer Juden in der Wiener Leopoldstadt geboren. Sein Vater, Josef Polak, war Inhaber einer Klavierschule, die jedoch nur ein bescheidenes Einkommen sicherte. Polgar verlässt das Gymnasium ohne Abschluss, auch die Handelsschule und eine Klavierbauerlehre beendet er nicht.

    Um seinen Lebensunterhalt vor allem seine täglichen Besuche der Wiener Kaffeehäuser - zu finanzieren, tritt er 1895 in die Redaktion der liberalen Wiener Allgemeinen Zeitung (WAZ) ein, für die er zunächst als Gerichtssaalreporter und später auch als Theaterkritiker tätig ist.

Sketche, Parodien, Theaterkritiken

    Als Journalist und Schriftsteller zeichnet er sich zunehmend durch seinen unverwechselbaren Stil und seine kunstvolle Sprachbeherrschung aus. Seine Kritiken, Feuilleton-Essays und Skizzen über die „kleinen Leute“ und alltägliche Situationen und Vorgänge sind scharf, ohne

    aggressiv zu sein, ihre entlarvende Ironie entsteht durch die genaue Beobachtung Polgar

    kommentiert nicht, sondern beschreibt nüchtern, knapp und präzise, was er sieht. Seine treffenden, scharfsinnigen Pointen verpackt er virtuos in vermeintliche Beiläufigkeit und

    genau dadurch gelingt es ihm, die Schwächen seiner Zeit aufzudecken.

    Er veröffentlicht u.a. in der von Karl Kraus herausgegebenen „Fackel“, arbeitet am Münchner Satire-Blatt „Simplicissimus“ und der linksliberalen Wiener Sonn- und Montagszeitung mit

    und schreibt Sketche und Satiren für das Kabarett „Die Fledermaus“. 1908 feiert er hier den ersten größeren literarischen Erfolg mit dem parodistischen Sketch „Goethe im Examen“, einer Gemeinschaftsarbeit mit Egon Friedell, der mehr als 300 Aufführungen erlebt und vom Publikum begeistert aufgenommen wird. 1908 publiziert er sein erstes Buch „Der Quell des Übels und andere Geschichten“, eine kurze Sammlung einiger literarischer Skizzen, 1909 folgt der Novellen- und Skizzenband „Bewegung ist alles“.

Der Erste Weltkrieg

    1915 wird Polgar infolge allgemeiner Mobilisierung eingezogen und arbeitet mit einigen anderen österreichischen Schriftstellern im Kriegsarchiv, wo er Dokumente zu ordnen und patriotische Aufsätze zu verfassen hat. Einer Abberufung an die Front kann er knapp entgehen, weil ihn die Wiener Allgemeine Zeitung als Parlamentsberichterstatter anfordert. Bereits während des Krieges verfasst er Antikriegsartikel, die jedoch meist der Zensur zum Opfer fallen, ab 1918 veröffentlicht er jedoch zahlreiche Antikriegstexte in der pazifistischen Zeitschrift „Der Friede“, deren Literaturteil er leitet. In den 20er Jahren leiden Zeitungen und Zeitschriften unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage, etliche fallen der Inflation zum Opfer. Polgar gerät in eine schwierige finanzielle Lage, die Honorare für seine Artikel decken seinen Lebensunterhalt nicht mehr und er ist auf die Unterstützung von Freunden angewiesen.

Heirat mit Elise

    Ab 1925 verlegt Polgar seinen Arbeitsschwerpunkt mehr und mehr nach Berlin, wohin er schließlich 1927 zieht. Bei Rowohlt erscheinen 1926 seine gesammelten Theaterkritiken in drei Bänden und zwei Sammelbände seiner Essays. Einer davon („An den Rand geschrieben“)

    avanciert zum Bestseller und macht Polgar als „Meister der kleinen Form“ berühmt. Bis 1933 veröffentlicht Rowohlt regelmäßig weitere Schriften Polgars.

    1929, im Alter von 56 Jahren, heiratet Polgar die 18 Jahre jüngere Elise Loewy. 1933 verlassen Polgar und seine Frau unmittelbar nach dem Reichstagsbrand Berlin und Deutschland, ihre Flucht führt sie zunächst nach Prag und zurück nach Wien. Dort verschlechtert sich in den Folgejahren ihre wirtschaftliche Lage, da Polgar nur noch eingeschränkte Veröffentlichungsmöglichkeiten hat. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich emigrieren sie 1938 in die Schweiz, die ihnen jedoch die

    Aufenthaltsbewilligung versagt, und fliehen nach Paris. In dieser Zeit kann Polgar nur noch Weniges veröffentlichen, nach Verhandlungen mit Marlene Dietrich beginnt er die Arbeit an ihrer Biografie.

Flucht in die USA

    Kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen flieht das Ehepaar nach Südfrankreich, von hier aus gelangen sie illegal nach Spanien und Portugal, 1940 gelingt ihnen schließlich die Ausreise in die USA. Polgar erhält bis 1942 eine Anstellung als Drehbuchschreiber bei Metro-Goldwyn-Mayer in Hollywood, die ihm aber nur ein sehr bescheidenes Einkommen sichert und seine schriftstellerischen Ambitionen nicht befriedigt, weil niemand zur Kenntnis nimmt, was er schreibt. Er veröffentlicht zwar gelegentlich in verschiedenen amerikanischen Magazinen, gerät aber dennoch in große finanzielle Schwierigkeiten. 1943 übersiedelt er mit seiner Frau nach New York, wo er sich im Kreis anderer emigrierter Europäer weniger einsam und depressiv fühlt. 1945 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Rückkehr nach Europa

    Nach zwei Europareisen (1949 und 1951) kehrt er 1953 endgültig nach Europa zurück, nimmt seinen Wohnsitz jedoch nicht in Österreich, wo ihm die Stadt Wien 1951 den Preis für Publizistik verliehen hat, sondern im Hotel Urban in Zürich. Er schreibt wieder Theaterkritiken für deutsche und österreichische Zeitungen, übersetzt amerikanische und englische Stücke für deutsche Bühnen und wird wieder bei Rowohlt verlegt. Am 24. April 1955 stirbt Polgar in seinem Züricher Hotelzimmer an einem Herzinfarkt.

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