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Also Sprach Zarathustra

By Thomas Jones,2014-10-04 10:08
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Also Sprach Zarathustra

    Gott ist ein Gedanke, der macht alles Gerade krumm und Alles, was steht, Oh meine Freunde! So spricht der Erkennende: Scham, Scham, Scham - das ist drehend. Wie? Die Zeit wäre hinweg, und alles Vergängliche nur Lüge? die Geschichte des Menschen! Diess zu denken ist Wirbel und Schwindel menschlichen Gebeinen und noch Und darum gebeut sich der Edle, nicht zu beschämen: Scham gebeut er sich dem Magen ein Erbrechen: wahrlich, die drehende Krankheit heisse ich's, Solches vor allem Leidenden.

    zu muthmaassen. Wahrlich, ich mag sie nicht, die Barmherzigen, die selig sind in ihrem Böse heisse ich's und menschenfeindlich: all diess Lehren vom Einen und Mitleiden: zu sehr gebricht es ihnen an Scham.

    Vollen und Unbewegten und Satten und Unvergänglichen! Muss ich mitleidig sein, so will ich's doch nicht heissen; und wenn ich's bin, Alles Unvergängliche - das ist nur ein Gleichniss! Und die Dichter lügen zuviel. dann gern aus der Ferne. - Gerne verhülle ich auch das Haupt und fliehe davon, bevor ich noch erkannt Aber von Zeit und Werden sollen die besten Gleichnisse reden: ein Lob sollen bin: und also heisse ich euch thun, meine Freunde!

    sie sein und eine Rechtfertigung aller Vergänglichkeit! Möge mein Schicksal mir immer Leidlose, gleich euch, über den Weg führen, Schaffen - das ist die grosse Erlösung vom Leiden, und des Lebens und Solche, mit denen mir Hoffnung und Mahl und Honig gemein sein darf! Leichtwerden. Aber dass der Schaffende sei, dazu selber thut Leid noth und viel Wahrlich, ich that wohl Das und jenes an Leidenden: aber Besseres schien ich Verwandelung. mir stets zu thun, wenn ich lernte, mich besser freuen. Ja, viel bitteres Sterben muss in eurem Leben sein, ihr Schaffenden! Also seid Seit es Menschen giebt, hat der Mensch sich zu wenig gefreut: Das allein, ihr Fürsprecher und Rechtfertiger aller Vergänglichkeit. meine Brüder, ist unsre Erbsünde!

    Dass der Schaffende selber das Kind sei, das neu geboren werde, dazu muss er Und lernen wir besser uns freuen, so verlernen wir am besten, Andern wehe zu auch die Gebärerin sein wollen und der Schmerz der Gebärerin. thun und Wehes auszudenken.

    Wahrlich, durch hundert Seelen gieng ich meinen Weg und durch hundert Darum wasche ich mir die Hand, die dem Leidenden half, darum wische ich Wiegen und Geburtswehen. Manchen Abschied nahm ich schon, ich kenne die mir auch noch die Seele ab. herzbrechenden letzten Stunden. Denn dass ich den Leidenden leidend sah, dessen schämte ich mich um seiner Aber so will's mein schaffender Wille, mein Schicksal. Oder, dass ich's euch Scham willen; und als ich ihm half, da vergieng ich mich hart an seinem Stolze. redlicher sage: solches Schicksal gerade - will mein Wille. Grosse Verbindlichkeiten machen nicht dankbar, sondern rachsüchtig; und Alles Fühlende leidet an mir und ist in Gefängnissen: aber mein Wollen kommt wenn die kleine Wohlthat nicht vergessen wird, so wird noch ein Nage-Wurm mir stets als mein Befreier und Freudebringer. daraus.

    Wollen befreit: das ist die wahre Lehre von Wille und Freiheit - so lehrt sie "Seid spröde im Annehmen! Zeichnet aus damit, dass ihr annehmt!" - also euch Zarathustra. rathe ich Denen, die Nichts zu verschenken haben.

    Nicht-mehr-wollen und Nicht-mehr-schätzen und Nicht-mehr-schaffen! ach, Ich aber bin ein Schenkender: gerne schenke ich, als Freund den Freunden. dass diese grosse Müdigkeit mir stets ferne bleibe! Fremde aber und Arme mögen sich die Frucht selber von meinem Baume pflücken: Auch im Erkennen fühle ich nur meines Willens Zeuge- und Werde-Lust; und so beschämt es weniger.

    wenn Unschuld in meiner Erkenntniss ist, so geschieht diess, weil Wille zur Bettler aber sollte man ganz abschaffen! Wahrlich, man ärgert sich ihnen zu Zeugung in ihr ist. geben und, ärgert sich ihnen nicht zu geben. Hinweg von Gott und Göttem lockte mich dieser Wille; was wäre denn zu Und insgleichen die Sünder und bösen Gewissen! Glaubt mir, meine Freunde: schaffen, wenn Götter - da wären! Gewissensbisse erziehn zum Beissen.

    Aber zum Menschen treibt er mich stets von Neuem, mein inbrünstiger Das Schlimmste aber sind die kleinen Gedanken. Wahrlich, besser noch bös Schaffens-Wille; so treibt's den Hammer hin zum Steine. gethan, als klein gedacht!

    Ach, ihr Menschen, im Steine schläft mir ein Bild, das Bild meiner Bilder! Ach, Zwar ihr sagt: "die Lust an kleinen Bosheiten erspart uns manche grosse böse dass es im härtesten, hässlichsten Steine schlafen muss! That." Aber hier sollte man nicht sparen wollen. Nun wüthet mein Hammer grausam gegen sein Gefängniss. Vom Steine Wie ein Geschwür ist die böse That: sie juckt und kratzt und bricht heraus, - sie stäuben Stücke: was schiert mich das? redet ehrlich.

    Vollenden will ich's: denn ein Schatten kam zu mir - aller Dinge Stillstes und "Siehe, ich bin Krankheit" - so redet die böse That; das ist ihre Ehrlichkeit. Leichtestes kam einst zu mir! Aber dem Pilze gleich ist der kleine Gedanke: er kriecht und duckt sich und will Des Übermenschen Schönheit kam zu mir als Schatten. Ach, meine Brüder! nirgendswo sein - bis der ganze Leib morsch und welk ist vor kleinen Pilzen. Was gehen mich noch - die Götter an! - Dem aber, der vom Teufel besessen ist, sage ich diess Wort in's Ohr: "besser Also sprach Zarathustra. noch, du ziehest deinen Teufel gross! Auch für dich giebt es noch einen Weg der

    Grösse!" - 25.Von den Mitleidigen Ach, meine Brüder! Man weiss von Jedermann Etwas zu viel! Und Mancher Meine Freunde, es kam eine Spottrede zu eurem Freunde: "seht nur wird uns durchsichtig, aber desshalb können wir noch lange nicht durch ihn Zarathustra! Wandelt er nicht unter uns wie unter Thieren?" hindurch. Aber so ist es besser geredet: "der Erkennende wandelt unter Menschen als Es ist schwer, mit Menschen zu leben, weil Schweigen so schwer ist. unter Thieren." Und nicht gegen Den, der uns zuwider ist, sind wir am unbilligsten, sondern Der Mensch selber aber heisst dem Erkennenden: das Thier, das rothe Backen gegen Den, welcher uns gar Nichts angeht. hat. Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinem Leiden eine Ruhestätte, Wie geschah ihm das? Ist es nicht, weil er sich zu oft hat schämen müssen?

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doch gleichsam ein hartes Bett, ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen. Sünder!"

    Und thut dir ein Freund Übles, so sprich: "ich vergebe dir, was du mir thatest; Wahrlich, lieber sehe ich noch den Schamlosen, als die verrenkten Augen ihrer dass du es aber dir thatest, - wie könnte ich das vergeben!" Scham und Andacht!

    Also redet alle grosse Liebe: die überwindet auch noch Vergebung und Wer schuf sich solche Höhlen und Buss-Treppen? Waren es nicht Solche, die Mitleiden. sich verbergen wollten und sich vor dem reinen Himmel schämten? Man soll sein Herz festhalten; denn lässt man es gehn, wie bald geht Einem da Und erst wenn der reine Himmel wieder durch zerbrochne Decken blickt, und der Kopf durch! hinab auf Gras und rothen Mohn an zerbrochnen Mauern, - will ich den Stätten Ach, wo in der Welt geschahen grössere Thorheiten, als bei den Mitleidigen? dieses Gottes wieder mein Herz zuwenden. Und was in der Welt stiftete mehr Leid, als die Thorheiten der Mitleidigen? Sie nannten Gott, was ihnen widersprach und wehe that: und wahrlich, es war Wehe allen Liebenden, die nicht noch eine Höhe haben, welche über ihrem viel Helden-Art in ihrer Anbetung!

    Mitleiden ist! Und nicht anders wussten sie ihren Gott zu lieben, als indem sie den Menschen Also sprach der Teufel einst zu mir: "auch Gott hat seine Hölle: das ist seine an's Kreuz schlugen!

    Liebe zu den Menschen." Als Leichname gedachten sie zu leben, schwarz schlugen sie ihren Leichnam Und jüngst hörte ich ihn diess Wort sagen: "Gott ist todt; an seinem Mitleiden aus; auch aus ihren Reden rieche ich noch die üble Würze von Todtenkammern. mit den Menschen ist Gott gestorben." - Und wer ihnen nahe lebt, der lebt schwarzen Teichen nahe, aus denen heraus So seid mir gewarnt vordem Mitleiden: daher kommt noch den Menschen eine die Unke ihr Lied mit süssem Tiefsinne singt.

    schwere Wolke! Wahrlich, ich verstehe mich auf Wetterzeichen! Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: Merket aber auch diess Wort: alle grosse Liebe ist noch über all ihrem erlöster müssten mir seine jünger aussehen!

    Mitleiden: denn sie will das Geliebte noch - schaffen! Nackt möchte ich sie sehn: denn allein die Schönheit sollte Busse predigen. "Mich selber bringe ich meiner Liebe dar, und meinen Nächsten gleich mir" - Aber wen überredet wohl diese vermummte Trübsal! so geht die Rede allen Schaffenden. Wahrlich, ihre Erlöser selber kamen nicht aus der Freiheit und der Freiheit Alle Schaffenden aber sind hart. - siebentem Himmel! Wahrlich, sie selber wandelten niemals auf den Teppichen Also sprach Zarathustra. der Erkenntniss! Aus Lücken bestand der Geist dieser Erlöser; aber in jede Lücke hatten sie 26.Von den Priestern ihren Wahn gestellt, ihren Lückenbüsser, den sie Gott nannten. Und einstmals gab Zarathustra seinen Jüngern ein Zeichen und sprach diese In ihrem Mitleiden war ihr Geist ertrunken, und wenn sie schwollen und Worte zu ihnen: überschwollen von Mitleiden, schwamm immer obenauf eine grosse Thorheit. "Hier sind Priester: und wenn es auch meine Feinde sind, geht mir still an Eifrig trieben sie und mit Geschrei ihre Heerde über ihren Steg: wie als ob es ihnen vorüber und mit schlafendem Schwerte! zur Zukunft nur Einen Steg gäbe! Wahrlich, auch diese Hirten gehörten noch zu Auch unter ihnen sind Helden; Viele von ihnen litten zuviel -: so wollen sie den Schafen! Andre leiden machen. Kleine Geister und umfängliche Seelen hatten diese Hirten: aber, meine Brüder, Böse Feinde sind sie: Nichts ist rachsüchtiger als ihre Demuth. Und leicht was für kleine Länder waren bisher auch die umfänglichsten Seelen! besudelt sich Der, welcher sie angreift. Blutzeichen schrieben sie auf den Weg, den sie giengen, und ihre Thorheit Aber mein Blut ist mit dem ihren verwandt; und ich will mein Blut auch noch lehrte, dass man mit Blut die Wahrheit beweise. in dem ihren geehrt wissen." - Aber Blut ist der schlechteste Zeuge der Wahrheit; Blut vergiftet die reinste Und als sie vorüber gegangen waren, fiel Zarathustra der Schmerz an; und Lehre noch zu Wahn und Hass der Herzen. nicht lange hatte er mit seinem Schmerze gerungen, da hub er also an zu reden: Und wenn Einer durch's Feuer geht für seine Lehre, - was beweist diess! Mehr Es jammert mich dieser Priester. Sie gehen mir auch wider den Geschmack; ist's wahrlich, dass aus eignem Brande die eigne Lehre kommt! aber das ist mir das Geringste, seit ich unter Menschen bin. Schwüles Herz und kalter Kopf: wo diess zusammentrifft, da entsteht der Aber ich leide und litt mit ihnen: Gefangene sind es mir und Abgezeichnete. Brausewind, der "Erlöser". Der, welchen sie Erlöser nennen, schlug sie in Banden: - Grössere gab es wahrlich und Höher-Geborene, als Die, welche das Volk In Banden falscher Werthe und Wahn-Worte! Ach dass Einer sie noch von Erlöser nennt, diese hinreissenden Brausewinde! ihrem Erlöser erlöste! Und noch von Grösseren, als alle Erlöser waren, müsst ihr, meine Brüder, Auf einem Eilande glaubten sie einst zu landen, als das Meer sie herumriss; erlöst werden, wollt ihr zur Freiheit den Weg finden! aber siehe, es war ein schlafendes Ungeheuer! Niemals noch gab es einen Übermenschen. Nackt sah ich Beide, den grössten Falsche Werthe und Wahn-Worte: das sind die schlimmsten Ungeheuer für und den kleinsten Menschen: - Sterbliche, - lange schläft und wartet in ihnen das Verhängniss. Allzuähnlich sind sie noch einander. Wahrlich, auch den Grössten fand ich - Aber endlich kommt es und wacht und frisst und schlingt, was auf ihm sich allzumenschlich! Hütten baute. Also sprach Zarathustra. Oh seht mir doch diese Hütten an, die sich diese Priester bauten! Kirchen 27.Von den Tugendhaften heissen sie ihre süssduftenden Höhlen.

    Oh über diess verfälschte Licht, diese versumpfte Luft! Hier, wo die Seele zu Mit Donnern und himmlischen Feuerwerken muss man zu schlaffen und ihrer Höhe hinauf - nicht fliegen darf! schlafenden Sinnen reden.

    Sondern also gebietet ihr Glaube: "auf den Knien die Treppe hinan, ihr Aber der Schönheit Stimme redet leise: sie schleicht sich nur in die

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    aufgewecktesten Seelen. Mit ihrer Tugend wollen sie ihren Feinden die Augen auskratzen; und sie Leise erbebte und lachte mir heut mein Schild; das ist der Schönheit heiliges erheben sich nur, um Andre zu erniedrigen. Lachen und Beben. Und wiederum giebt es Solche, die sitzen in ihrem Sumpfe und reden also Über euch, ihr Tugendhaften, lachte heut meine Schönheit. Und also kam ihre heraus aus dem Schilfrohr: "Tugend - das ist still im Sumpfe sitzen. Stimme zu mir: "sie wollen noch - bezahlt sein!" Wir beissen Niemanden und gehen Dem aus dem Wege, der beissen will; und Ihr wollt noch bezahlt sein, ihr Tugendhaften! Wollt Lohn für Tugend und in Allem haben wir die Meinung, die man uns giebt."

    Himmel für Erden und Ewiges für euer Heute haben? Und wiederum giebt es Solche, die lieben Gebärden und denken: Tugend ist Und nun zürnt ihr mir, dass ich lehre, es giebt keinen Lohn- und Zahlmeister? eine Art Gebärde. Und wahrlich, ich lehre nicht einmal, dass Tugend ihr eigener Lohn ist. Ihre Kniee beten immer an, und ihre Hände sind Lobpreisungen der Tugend, Ach, das ist meine Trauer: in den Grund der Dinge hat man Lohn und Strafe aber ihr Herz weiss Nichts davon.

    hineingelogen - und nun auch noch in den Grund eurer Seelen, ihr Tugendhaften! Und wiederum giebt es Solche, die halten es für Tugend, zu sagen: "Tugend ist Aber dem Rüssel des Ebers gleich soll mein Wort den Grund eurer Seelen nothwendig"; aber sie glauben im Grunde nur daran, dass Polizei nothwendig ist. aufreissen; Pflugschar will ich euch heissen. Und Mancher, der das Hohe an den Menschen nicht sehen kann, nennt es Alle Heimlichkeiten eures Grundes sollen an's Licht; und wenn ihr aufgewühlt Tugend, dass er ihr Niedriges allzunahe sieht: also heisst er seinen bösen Blick und zerbrochen in der Sonne liegt, wird auch eure Lüge von eurer Wahrheit Tugend.

    ausgeschieden sein. Und Einige wollen erbaut und aufgerichtet sein und heissen es Tugend; und Denn diess ist eure Wahrheit: ihr seid zureinlich für den Schmutz der Worte: Andre wollen umgeworfen sein - und heissen es auch Tugend. Rache, Strafe, Lohn, Vergeltung. Und derart glauben fast Alle daran, Antheil zu haben an der Tugend; und zum Ihr liebt eure Tugend, wie die Mutter ihr Kind; aber wann hörte man, dass eine Mindesten will ein jeder Kenner sein über "gut" und "böse". Mutter bezahlt sein wollte für ihre Liebe? Aber nicht dazu kam Zarathustra, allen diesen Lügnern und Narren zu sagen: Es ist euer liebstes Selbst, eure Tugend. Des Ringes Durst ist in euch: sich "was wisst ihr von Tugend! Was könntet ihr von Tugend wissen!" - selber wieder zu erreichen, dazu ringt und dreht sich jeder Ring. Sondern, dass ihr, meine Freunde, der alten Worte müde würdet, welche ihr Und dem Sterne gleich, der erlischt, ist jedes Werk eurer Tugend: immer ist von den Narren und Lügnern gelernt habt: sein Licht noch unterwegs und wandert - und wann wird es nicht mehr unterwegs Müde würdet der Worte "Lohn," "Vergeltung," "Strafe," "Rache in der sein? Gerechtigkeit" -

    Also ist das Licht eurer Tugend noch unterwegs, auch wenn das Werk gethan Müde würdet zu sagen: "dass eine Handlung gut ist, das macht, sie ist ist. Mag es nun vergessen und todt sein: sein Strahl von Licht lebt noch und selbstlos."

    wandert. Ach, meine Freunde! Dass euer Selbst in der Handlung sei, wie die Mutter im Dass eure Tugend euer Selbst sei und nicht ein Fremdes, eine Haut, eine Kinde ist: das sei mir euer Wort von Tugend! Bemäntelung: das ist die Wahrheit aus dem Grunde eurer Seele, ihr Tugendhaften! Wahrlich, ich nahm euch wohl hundert Worte und eurer Tugend liebste - Spielwerke; und nun zürnt ihr mir, wie Kinder zürnen. Aber wohl giebt es Solche, denen Tugend der Krampf unter einer Peitsche Sie spielten am Meere, - da kam die Welle und riss ihnen ihr Spielwerk in die heisst: und ihr habt mir zuviel auf deren Geschrei gehört! Tiefe: nun weinen sie.

    Und Andre giebt es, die heissen Tugend das Faulwerden ihrer Laster; und Aber die selbe Welle soll ihnen neue Spielwerke bringen und neue bunte wenn ihr Hass und ihre Eifersucht einmal die Glieder strecken, wird ihre Muscheln vor sie hin ausschütten! "Gerechtigkeit" munter und reibt sich die verschlafenen Augen. So werden sie getröstet sein; und gleich ihnen sollt auch ihr, meine Freunde, Und Andre giebt es, die werden abwärts gezogen: ihre Teufel ziehn sie. Aber je eure Tröstungen haben - und neue bunte Muscheln! -

    mehr sie sinken, um so glühender leuchtet ihr Auge und die Begierde nach ihrem Also sprach Zarathustra. Gotte. 28.Vom Gesindel Ach, auch deren Geschrei drang zu euren Ohren, ihr Tugendhaften: was ich Das Leben ist ein Born der Lust; aber wo das Gesindel mit trinkt, da sind alle nicht bin, das, das ist mir Gott und Tugend! Brunnen vergiftet. Und Andre giebt es, die kommen schwer und knarrend daher, gleich Wägen, Allem Reinlichen bin ich hold; aber ich mag die grinsenden Mäuler nicht sehn die Steine abwärts fahren: die reden viel von Würde und Tugend, - ihren und den Durst der Unreinen. Hemmschuh heissen sie Tugend! Sie warfen ihr Auge hinab in den Brunnen: nun glänzt mir ihr widriges Lächeln Und Andre giebt es, die sind gleich Alltags-Uhren, die aufgezogen wurden; sie herauf aus dem Brunnen. machen ihr Tiktak und wollen, dass man Tiktak - Tugend heisse. Das heilige Wasser haben sie vergiftet mit ihrer Lüsternheit; und als sie ihre Wahrlich, an Diesen habe ich meine Lust: wo ich solche Uhren finde, werde ich schmutzigen Träume Lust nannten, vergifteten sie auch noch die Worte. sie mit meinem Spotte aufziehn; und sie sollen mir dabei noch schnurren! Unwillig wird die Flamme, wenn sie ihre feuchten Herzen an's Feuer legen; der Und Andre sind stolz über ihre Handvoll Gerechtigkeit und begehen um Geist selber brodelt und raucht, wo das Gesindel an's Feuer tritt. ihrerwillen Frevel an allen Dingen: also dass die Welt in ihrer Ungerechtigkeit Süsslich und übermürbe wird in ihrer Hand die Frucht: windfällig und ertränkt wird. wipfeldürr macht ihr Blick den Fruchtbaum. Ach, wie übel ihnen das Wort "Tugend" aus dem Munde läuft! Und wenn sie Und Mancher, der sich vom Leben abkehrte, kehrte sich nur vom Gesindel ab: sagen: "ich bin gerecht," so klingt es immer gleich wie: "ich bin gerächt!" er wollte nicht Brunnen und Flamme und Frucht mit dem Gesindel theilen.

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    Und Mancher, der in die Wüste gieng und mit Raubthieren Durst litt, wollte Rath räth er seinen Feinden und Allem, was spuckt und speit: hütet euch gegen nur nicht mit schmutzigen Kameeltreibern um die Cisterne sitzen. den Wind zu speien! Und Mancher, der wie ein Vernichter daher kam und wie ein Hagelschlag allen Also sprach Zarathustra.

    Fruchtfeldern, wollte nur seinen Fuss dem Gesindel in den Rachen setzen und 29.Von den Taranteln also seinen Schlund stopfen. Siehe, das ist der Tarantel Höhle! Willst du sie selber sehn? Hier hängt ihr Netz: Und nicht das ist der Bissen, an dem ich am meisten würgte, zu wissen, dass rühre daran, dass es erzittert. das Leben selber Feindschaft nöthig hat und Sterben und Marterkreuze: - Da kommt sie willig: willkommen, Tarantel! Schwarz sitzt auf deinem Rücken Sondern ich fragte einst und erstickte fast an meiner Frage: wie? hat das Leben dein Dreieck und Wahrzeichen; und ich weiss auch, was in deiner Seele sitzt. auch das Gesindel nöthig? Rache sitzt in deiner Seele: wohin du beissest, da wächst schwarzer Schorf; mit Sind vergiftete Brunnen nöthig und stinkende Feuer und beschmutzte Träume Rache macht dein Gift die Seele drehend! und Maden im Lebensbrode? Also rede ich zu euch im Gleichniss, die ihr die Seelen drehend macht, ihr Nicht mein Hass, sondern mein Ekel frass mir hungrig am Leben! Ach, des Prediger der Gleichheit! Taranteln seid ihr mir und versteckte Rachsüchtige! Geistes wurde ich oft müde, als ich auch das Gesindel geistreich fand! Aber ich will eure Verstecke schon an's Licht bringen: darum lache ich euch in's Und den Herrschenden wandt'ich den Rücken, als ich sah, was sie jetzt Antlitz mein Gelächter der Höhe. Herrschen nennen: schachern und markten um Macht - mit dem Gesindel! Darum reisse ic