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Masarykova univerzita

By Debra Lewis,2014-06-23 08:03
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Masarykova univerzita

    Masarykova univerzita

    Filozofická fakulta

Ústav germanistiky, nordistiky a nederlandistiky

    Německý jazyk a literatura

    MAGISTERSKÁ DIPLOMOVÁ PRÁCE

    E.T.A. Hoffmann in Frankreich

    Intertextuelle Beziehungen zwischen „Prinzesse Brambilla“

     und „La Fée aux Miettes“

    AUTOR PRÁCE

    Markéta Weissová

    VEDOUCÍ PRÁCE

    PhDr. Zdeněk Mareček, Ph. D.

    Brno, 2009

Prohlašuji, že jsem diplomovou práci vypracovala samostatně s využitím uvedených

pramenů a literatury.

1

Děkuji PhDr. Zdeňkovi Marečkovi, Ph. D. za cenné připomínky, poskytnutí rad a

vstřícnost při zpracování mé diplomové práce.

2

Inhaltsverzeichnis

    Einführung .......................................................................................................................... 4 1 E. T. A. Hoffmann in Frankreich .............................................................................. 6

    1.1 Der Forschungsstand zu der Hoffmann-Rezeption in Frankreich ..............14

    2 Methodologie und Terminologie ............................................................................19

    2.1 Rezeption ................................................................................................................19 2.2 Intertextualität ........................................................................................................20 3 Forschungsstand zu Prinzessin Brambilla und La Fée aux Miettes ..............27

    4 Analyse .......................................................................................................................31 4.1 Genre .......................................................................................................................31 4.2 Form.........................................................................................................................41 4.3 Figuren ....................................................................................................................47 4.4 Stoffe, Motive und Symbole ................................................................................58

    4.5 Stil und Sprache ....................................................................................................68 5 Reale intertextuellen Beziehungen zwischen Prinzessin Brambilla und La

    Fée aux Miettes .................................................................................................................73 Literaturverzeichnis .........................................................................................................76

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Einführung

    Nicht alle Französischen Forscher urteilen über den Einfluss, den Hoffmann auf

    französische Dichter ausgeübt hat, so unvoreingenommen wie Breuillac.

    Doch es ist leicht, den Grund einzusehen, wenn man beobachtet, wie geflissentlich der

    Verfasser sich bemüht die Einwirkung der deutschen Romantik zu schmälern, wenn

    nicht gar zu leugnen.

Mit diesen Worten fasst Pankalla in seinem in Die neueren Sprachen 1954 veröffentlichten

    1Artikel E. T. A. Hoffmann und Frankreich die Situation auf dem Gebiet der E. T. A.

    Hoffmann-Forschung in Frankreich zusammen.

    Die Berechtigung dieser Frage ist unleugbar. Wenn wir die Literatur im Allgemeinen als einen lebendigen Organismus, der sich ständig ändert und entwickelt, anschauen möchten, dann müssen wir auch die Bezüge im Rahmen von unterschiedlichen Kulturen,

    Nationalangehörigkeiten und Ethnien beachten, weil zwischen ihnen ständig ein reger Austausch stattfindet. Es betrifft nicht nur ästhetische Maßstäbe, philosophische Gedanken, sondern auch Motive, Stoffe und Symbole. Natürlich, es ist zu erwarten, dass der kulturelle Austausch desto reger wird, je öfter es zu Begegnungen kommt. Deshalb ist ausgeschlossen, dass es zwischen Frankreich und Deutschland, zwei benachbarten Ländern, zu keinen Berührungen käme. Die wechselseitigen literarischen Kontakte sind leider nicht genügend untersucht und die Komparatistik, die sich dem Vorwurf einer historisch-genetischen Methode nicht aussetzen wollte, vernachlässigte solche Fragestellungen.

    So erscheint es wenigstens, denn manche Literaturwissenschaftler bevorzugen bei der Wahl der Themen von ihren Arbeiten rein germanistische oder romanistische Themen. Wie hat sich die Situation nach vierundfünfzig Jahren verändert, die vergangen sind, seitdem Pankalla seinen Artikel veröffentlichte? Wie wurde E. T. A. Hoffmann in Frankreich aufgenommen? Welche Reaktionen sein Werk herauslöste und welche Autoren sein Werk angesprochen hat? Auf diese Fragen möchte diese Arbeit Antworten liefern. Es zeigt sich

     1 Mit dem Untertitel Beiträge zum Hoffmann-Bild in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts.

    Pankalla äußert mit diesen Worten seine Entrüstung, daß diese Problematik unterlassen wird. Dieser Abschnitt kann den Eindruck erwecken, dass Pankalla die Bedeutung Hoffmanns in Frankreich überschätzen wird. Aus dem restlichen Teil seines Artikels geht jedoch hervor, dass sich Pankalla bemüht, höchst objektiv zu sein. Pankalla macht auch in seinen anderen Arbeiten auf diese Problematik aufmerksam, wie etwa in Pankalla, Gerhard: Karl

    Wilhelm Contessa und E. T. A. Hoffmann. Motiv- und Form-Beziehungen im Werk zweier Romantiker. Triltsch,

    Würzburg, 1938; 8? - Breslau, Phil. Diss. v. 27. Juli 1938.

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    tatsächlich, dass diese Problematik auch in allgemein verfügbaren literaturwissenschaftlichen

    2Nachschlagwerken nur lückenhaft oder schlagwortartig behandelt wird.

    Für unseren Vergleich wählte ich einen Hoffmann, was den von Verhängnis und von vielen

    3Rückschlägen betroffenen Lebensweg angeht, ähnlichen Autor, Charles Nodier aus. An

    Nodier ist interessant, dass er einerseits als ein guter Epigone charakterisiert wird, der seinen

    4Werken eine angemessene ästhetische Form zu geben weiß. Anderseits ist zu bemerken, dass

    er von den Surrealisten wie André Pieyre de Mandiargues und Lise Deharme, die den Traum als Ausgangsbasis ihrer künstlerischen Produktion ansehen, als ihr Wegbereiter betrachtet

    5wurde.

    Konkret wird E. T. A. Hoffmanns Prinzessin Brambilla und Nodiers La Fée aux Miettes

    analysiert. Für unseren Zweck ist es natürlich sinnvoll, Prizessin Brambilla mit einem Text zu

    vergleichen, der erst danach entstand, als Hoffmann in Frankreich nachweislich bekannt wurde. Und das ist der Fall von La Fée aux Miettes.

    Es ist auch nicht zu leugnen, dass die widerspruchsvolle Einstellung der Literaturwissenschaft zu dieser Verwandtschaft nicht nur ein Forschungsdesiderat, ja eine Herausforderung für die intertextuell orientierte Literaturbetrachtung darstellt. Es ist wirklich erstaunlich, dass einige Literaturwissenschaftler behaupten, dass La Fée aux Miettes von Prinzessin Brambilla

    eindeutig inspiriert wurde. Einige schließen dagegen jede Ähnlichkeit zwischen diesen Texten strikt aus und einige sind der Einstellung, dass es da immerhin einige Analogien gibt. Die vorliegende Arbeit sollte nicht nur diese Meinungsverschiedenheiten klären, sondern auch die Beziehung von La Fée aux Miettes zu Prinzessin Brambilla neu zu hinterfragen. Zur

    Richtschnur wird uns dabei das System der Intertextualität von Gérard Genette dienen.

     2 Das ist z. B. der Fall von BERKOVSKIJ, Naum Jakolevič: Německá romantika oder BALZER, Bernd

    MERTENS, Volker: Deutsche Literatur in Schlaglichtern oder SCHULZ, Gerhard: Die deutsche Literatur

    zwischen Revolution und Restauration. 3 Die Verfolgung wegen ihrer Werke ist ihnen gemeinsam. Nodier wurde 1803 wegen seines Pamphlets La Napoléone verfolgt und verbrachte deswegen 36 Tage im Gefängnis. Gegen Hoffmann wird ein

    Untersuchungsverfahren eingeschaltet, weil er die Atmosphäre der Demagogenverfolgung in Meister Floh

    wiederzugeben versuchte. Die Affäre fand erst mit Hoffmanns Tod ihr Ende. 4 FISCHER Jan O.: Dějiny francouzské literatury 19. a 20. století. S. 198: Působili na něho vlivy

    romantismu anglického i německého, přijímal jejich náměty, přizpůsoboval je francouzským podmínkám a francouzskému vkusu. Všem těmto adaptacím dovedl ovšem dát estetickou formu. 5 André Breton lehnte jedoch Charles Nodier ab.

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1 E. T. A. Hoffmann in Frankreich

    6 Es war Dr. Koreff, der E. T. A. Hoffmann wurde in Frankreich erst nach seinem Tod bekannt.

    sich kurz nach seiner Ankunft 1822/23 in Paris für die Entdeckung und Verbreitung

    7Hoffmanns Werke eingesetzt hatte. Koreff überzeugte François-Adolphe Loève-Veimars

    Hoffmanns Werk ins Französische zu übersetzen und der französischen Leserschaft näher vorzustellen. Zu Hoffmanns Popularität trugen auch Jean-Jacques Ampère und Saint-Marc

    8Girardin bei.

    Hoffmanns Name erschien zum ersten Mal anlässlich der Veröffentlichung seines Baron de B.

    in der literarischen Revue Le Gymnase 1828. Am 2. August 1828 folgte der Artikel von

    9J.-J. Ampère in der Zeitung Le Globe. Es handelte sich um eine Rezension zu der Biographie von Julius Eduard Hitzig Aus Hoffmanns Leben und Nachlass, herausgegeben von Hitzig.

    Dieser Artikel trug beträchtlich zur Hoffmanns Popularität in Frankreich bei. Der Autor spendet E. T. A. Hoffmann folgendes Lob:

    Concevez une imagination vigoureuse et un esprit parfaitement clair, une amère

    mélancolie et une verve intarrissable de bouffonnerie et d?extravagance; supposez un

    homme qui dessine d?une main ferme les figures les plus fantastiques, qui rende

    présentes, par la netteté du récit et la vérité des détails, les scènes les plus étranges,

    qui fasse à la fois frissonner, rêver et rire, enfin qui compose comme Callot, invente

    comme Les Mille et une Nuits, raconte comme Walter Scott, et vous aurez une idée 10d?Hoffmann.

     6 Zitiert nach Jules Marsan aus seiner Vorrede zu Nervals Erzählungen Œvres complètes de Gérard de

    Nerval. Nouvelles et fantaisies. S. 4. Er erwähnt die Tatsache, dass bevor das Werk E. T. A. Hoffmanns in Frankreich offiziell veröffentlicht wurde, wurde es plagiiert. Henri Delatouche veröffentlichte die Novelle Mademoiselle Scudéry als sein eigenes Werk unter dem Titel Olivier Brusson und der Roman Die Elixiere des

    Teufels wurde unter dem Namen des Autors C. Spindler veröffentlicht. 7 François-Adolphe Loève-Veimars (1801-1854) war Übersetzer, Historiker, Diplomat und Wegbereiter der Komparatistik in Frankreich. 8 Saint-Marc Girardin (1801-1873) war Politiker und Journalist, Literaturwissenschaftler und Literaturkritiker, Freund von Stendhal, Mitglied der Französischen Akademie. 9 J.-J. Ampère (1800-1864) war Historiker und Schriftsteller, Mitglied der Französischen Akademie, Sohn des Physikers André-Marie Ampère. 10 Zitiert nach CASTEX, G.: Le Conte fantastique en France de Nodier à Maupassant. S. 45-46. „Stellt

    euch eine reiche Phantasie und einen vorzüglichen Scharfsinn, eine bittere Melancholie und eine unerschöpfliche Begeisterung für das Possenhafte und für die Extravaganz dar; setzt einen Menschen voraus, der mit einer festen Hand die fantastischen Figuren zeichnet, der durch die Schärfe der Erzählung und der Wahrheit der Details die seltsamsten Szenen vergegenwärtigt, der gleichzeitig zittern, träumen und lachen macht, zusammenfassend, der wie Callot schreibt, wie Tausendundeiner Nacht erfindet, wie Walter Scott erzählt. Und sie stellen sich Hoffmann vor.“

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Walter Scott sieht jedoch in Hoffmann einen Rivalen und attackiert ihn in seinem Artikel Du

    11Merveilleux dans le roman vom 5. April 1829. Walter Scott kritisiert Hoffmann heftig und versucht ihn zu diskreditieren: où l?imagination s?abandonne à toute l?irrégularité de ses

    12caprices. Dies ruft eine heftige literarische Diskussion hervor und der Verteidigung Hoffmanns nehmen sich vor allem Saint-Marc Girardin und Loève-Veimars an. Zu der Strategie von Hoffmanns literarischen Anhängern gehörte eine relativ schnelle

    13Veröffentlichung der bis jetzt unbekannten Werke Hoffmanns in La Revue de Paris. In die

    Diskussion schalteten sich dann verschiedene französische Zeitungen wie Le Journal des

    Débats, Le Monde, Le Mercure, La Revue de Paris ein.

    Im Dezember 1829 werden die von Loève-Veimars übersetzten Phantasiestücke in Callot?s

    Manier veröffentlicht. Es ist jedoch überraschend, dass der Autor des Vorworts niemand anderer ist als Kritiker Hoffmanns, Walter Scott. Walter Scott setzt in Hoffmanns

    14Verunglimpfung fort:

    Il est impossible de soumettre de pareils contes à la critique. Ce ne sont pas les visions

    d?un esprits poétique; elles n?ont pas même cette liaison apparente que les égarement

    de la démence laissent quelquefois aux idées d?un fou: ce sont les rêves d?une tête

    faible, en proie à la fièvre, qui peuvent un moment exciter notre curiosité par leur

    bizarrerie, ou notre surprise par leur originalité, mais jamais au delà d?une attention

    très passagère, et, en vérité, les inspirations d?Hoffmann ressemblent si souvent aux

    idées produites par l?usage immodéré de l?opium, que nous croyons qu?il avait plus

    besoin du secours de la médecine que des avis de la critique.

    Dieser literarische Streit bereitete Walter Scott eine bittere Niederlage, die zuletzt das erste

    15Anzeichen und der Grund von Scotts sinkender Popularität in Frankreich war.

     11 In La Revue de Paris: „Von dem Wunderbaren im Roman.“ 12 Zitiert nach CASTEX, G.: Le Conte fantastique en France de Nodier à Maupassant. S. 46. „wo die

    Fantasie der Unregelmäßigkeit seiner Launigkeit unterworfen ist.“ 13 BREUILLAC, M.: Hoffmann en France. S. 430. Am 17. Mai 1829 Der goldne Topf, am 14. Juni Ritter

    Gluck, am 19. Juli Drei verhängnisvolle Monate, im Juli Erscheinungen, im August Der Artushof, im September

    Don Juan, im Dezember Von dem Theater und von Zacharias Werner: 14 Zitiert nach Jules Marsan aus seiner Vorrede zu Nervals Erzählungen Œvres complètes de Gérard de

    Nerval. Nouvelles et fantaisies. S. 9. „Es ist nicht möglich solche Erzählungen der Kritik zu unterziehen. Es sind

    keine Visionen, die dem poetischen Geiste entsprechen würden. Sie haben nicht einmal diese offensichtliche Verknüpfung, welche die Verwirrungen des Schwachsinns als eine Spur an den Gedanken eines Narren hinterlassen: Es sind fiebrige Träume eines Schwachsinnigen, die in einem Moment unsere Neugier durch die Seltsamkeit anregen können, oder unsere Überraschung durch ihre Originalität, aber sie kommen nie über eine sehr flüchtige Aufmerksamkeit hinaus, und die Anregungen Hoffmanns sind in der Wirklichkeit oft den Gedanken ähnlich, die durch den Gebrauch von Opium ausgelöst werden, dass wir denken, dass er mehr die Hilfe eines Arztes benötigt hätte, als die Meinungen der Kritiker.“ 15 CASTEX, G.: Le Conte fantastique en France de Nodier à Maupassant. S. 51.

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Eine andere wichtige Tatsache, was die Übersetzung der Phantasiestücke in Callot?s Manier

    ins Französische anbelangt, ist, dass sie von J.-J. Ampère als Fantaisie à la manière de Callot

    übersetzt wurden. Damit gewann das ganze Werk von E. T. A. Hoffmann das Epitheton fantastique, obwohl man in diesem Falle eher von der Phantasie als von dem Phantastischen sprechen sollte.

    Ampère drückt mit dem Ausdruck fantastique aus, dass das Werk von Hoffmann

    16 stellt fest, dass das Wort fantastique in Frankreich bemerkenswert ist. Jules Champfleury

    deswegen erfunden wurde, damit man damit die Verwunderung äußern konnte. Dieser Begriff sollte jedoch auch den Unterschied zwischen einem Werk formulieren, das die Wirklichkeit nachahmt und einem anderen, das die Gesetze der Vernunft nicht anerkennt und die Phantasie

    17bevorzugt.

    Im Jahre 1830 erreicht die Begeisterung für E. T. A. Hoffmann in Frankreich ihren Höhepunkt. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um eine Epidemie, von der nicht nur Übersetzer,

    Literaturkritiker, sondern auch Schriftsteller angesteckt wurden. Demzufolge entsteht eine

    18ganze Reihe von Übersetzungen und Nachahmungen der Werke Hoffmanns. Gérard de

    Nerval und Charles Nodier publizieren ihre Essays, die das Phantastische rühmen. Das

    19Publikum verehrt schwärmerisch die contes fantastiques, obwohl sich unter dieser

    Bezeichnung praktisch alles Mögliche verbergen kann.

    Die umfassendste Übersetzung Hoffmanns, die sich auch der größten Gunst der Leser erfreute, stammt von Loève-Veimars. Loève-Veimars trug zur Entstehung eines falschen Hoffmann-Bildes bei.

    Einerseits wurde die Hoffmanns Biographie von Loève-Veimars sehr entstellt, so dass sie dazu beigetragen hatte, dass die Persönlichkeit des aus Königsberg stammenden Schriftstellers dem romantischen Mythos angepasst wurde. Der Übersetzer stellte ihn als einen verkannten Künstler dar, dessen Gesundheit durch übermäßigen Alkoholgenuss und durch Krankheiten erschüttert wurde.

     16 Jules-François Husson, genannt Champfleury (1821-1889) war Schriftsteller, Übersetzer, Sprecher des Realismus und Autor des realistischen Manifests Le Réalisme. 17 ŠRÁMEK, J. : Morfologie fantastické povídky. S. 5-6. 18 Außer Loève-Veimars auch Saint-Marc Girardin, Théodore Toussenel, Henry Egmont, Émile Gigault de la Bédolière. 19 „die phantastischen Geschichten.“

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    Anderseits ist die Übersetzung an sich untreu. Loève-Veimars konzentriert sich zu viel auf den exzentrischen Charakter der Texte Hoffmanns, statt Hoffmanns Figuren genau zu charakterisieren. Er unterschlägt unter anderem einige Passagen, die dem französischen Leser nicht gefallen würden und solche Passagen, in denen Hoffmann allzu patriotisch gesinnt ist. Weiter verzichtet er auf Hoffmanns kritische Gedanken und Reflexionen über die Kunst, welche die Malerei, die Zeichenkunst und die Musik betreffen. Schließlich sind die Bemühungen von Loève-Veimars darauf konzentriert, dass das Werk seine phantastischen Elemente nicht verliert. Ein anderer Verstoß, der Loève-Veimars und anderen Übersetzern vorgeworfen wird, ist die Vernachlässigung des spezifischen Stils Hoffmanns. Demzufolge hatte Loève-Veimars einen großen Anteil daran, dass das von ihm übersetzte Werk als rein phantastisch begriffen wurde und dass die Literaturkritiker davon überzeugt wurden, dass Hoffmann an alles geglaubt habe, was er erzählte.

    Das Jahr 1833 ist jedoch mit einer scharfen Kritik an den contes fantastiques verbunden. Nicht

    nur das Publikum, sondern auch die Autoren scheinen ermüdet zu sein. Die Autoren, die sich 1830 für die contes fantastiques eingesetzt hatten, lehnen dieses Genre heftig ab. Dies schadet auch dem guten Ruf von Hoffmann. Außerdem bringt dieses Jahr eine Neubewertung von Hoffmanns Texten, so dass man sich bemüht, ihre wirklichen Eigenschaften zu charakterisieren. Théophile Gautier zeigt in seiner frenetischen Geschichte Onuphrius, ou Les

    20 welchen Schaden ein maßloses Lesen vexations fantastiques d?un admirateur d?Hoffmann,

    bei einem wahnsinnigen Menschen anrichten kann:

    Quand [Onuphrius] était seul dans son grand atelier, il voyait tourner autour de lui

    une ronde fantastique, le conseiller Tusmann, le Dr. Tabraccio, le digne Peregrinus

    Tyss, Crespel avec son violon et sa fille Antonia, l?inconnue de la maison déserte et

    toute la famille étrange du château de Bohème ; c?était le sabbat complet, et il ne se fût 21pas fait prier pour avoir peur de son chat comme d?un autre Mürr.

    Henri Egmont fertigt 1836 eine neue Übersetzung an, bei der er sich das Ziel setzt, eine möglichst treue Übertragung zu liefern. Außerdem versucht er, in der Schrift Notice sur la vie

     20 Onuphrius oder die phantastischen Plagen eines Bewunderer von Hoffmann. 21 Zitiert nach CASTEX, G.: Le Conte fantastique en France de Nodier à Maupassant. S. 84. „Wenn

    Onuphrius alleine in seinem großen Atelier war, sah er um sich einen phantastischen Reigen herumzutanzen, den Rat Tusmann, den Doktor Tabraccio, den würdigen Peregrinus Tyss, Krespel mit seiner Geige und mit seiner Tochter Antonia, die Unbekannte aus dem öden Haus und die ganze seltsame Familie aus dem Schloss aus Böhmen. Es war ein vollständiger Hexensabbat und er ließ sich auch nicht erbitten lassen, um vor seinem Kater Angst zu haben, als ob er ein anderer Murr gewesen wäre.“

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