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Buddha und Thangka

By Anne Griffin,2014-01-25 00:15
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Buddha und Thangka

Buddha

    Buddha wörtlich „der Erwachte“, steht für einen Menschen, der die

    zur Erlösung aus dem Kreislauf der Existenzen (Samsara) führende

    Vollkommene Erleuchtung verwirklicht und damit die vollkommene

    Freiheit (Nirvana) erreicht hat. Inhalt seiner auf die

    Erleuchtungserfahrung basierenden Lehre sind die „Vier Edlen

    Wahrheiten“. Ein Buddha hat jede Form von Gier überwunden,

    obwohl auch er angenehme und unangenehme Empfindungen hat,

    wird er von ihnen nicht beherrscht und bleibt im Inneren frei davon. Nach seinem körperlichen Tod wird er nicht mehr wiedergeboren.

    Der Buddha unseres Zeitalters ist Shakyamuni Buddha, der historische Buddha (563 v. Chr.), der

    jedoch nicht der Erste und einzige Buddha ist. Der historische Buddha entstammt dem Geschlecht der Shakyas und Siddharta Gautama, der Begründer des Buddhismus, erhielt den Beinamen Buddha

    Shakyamuni, nachdem er sich von seinen Lehrern getrennt hatte, um den Weg der Erlösung allein zu gehen und ihn zu finden. Der Name Shakyamuni wird oft gebraucht um den historischen Buddha von

    den anderen Buddhas zu unterscheiden.

    Buddha Shakyamuni und die Ikonographie der Thangkas

    Buddha Shakyamuni wird oft im Lotossitz auf einem Lotos und von deren Blüten umgeben dargestellt. Die Lotosblume symbolisiert den Aspekt der Reinheit. Ihre Wurzeln tief im Schlamm vergraben, öffnet sich die Blüte der Lotosblume nach oben in all ihrer Pracht und Reinheit. Seine kostbaren Gewänder die ihn umgeben weisen auf seinen irdischen Formkörper hin. Seine rechte Hand weist mit der Geste der Erdberührung nach unten (Handmudra). In der linken Hand hält er die Bettelschal, die ihn als Wandermönch auszeichnet. Befinden sich darin zwei aufgehende Blüten, so weisen diese auf sein erwachtes/erblühtes Bewusstsein hin.

    Nach dem Tod von Buddha Shakyamuni verbreitet sich der

    Buddhismus rasch über weite Teile des damaligen Indiens. Die

    frühbuddhistischen Schulen werden als Hinayana (kleines Fahrzeug)

    oder auch südlicher Buddhismus bezeichnet. Er ist vor allem in den

    südlichen Ländern Asiens, Ceylon, Thailand, Burma, Laos,

    Kambodscha, verbreitet. Im Hinayana strebt jeder einzelne für sich

    die Erleuchtung an und diese Richtung des Buddhismus geht davon

    aus, dass der historische Buddha ein Mensch und großer Lehrer war,

    aber kein transzendentes Wesen ist.

    Etwa im ersten Jahrhundert v. Chr. bildet sich der Mahayana-Buddhismus, der wie der Hinayana-Buddhismus auf den Lehren des historischen Buddhas beruht. Im Mahayana (großes Fahrzeug) wird die Ansicht vertreten, dass nicht nur Mönche, sondern auch Laien das Nirvana erreichen können. Hierbei dürfen sie auf die tätige Hilfe der Buddhas und Bodhisattvas zählen, um den fühlenden Wesen aus dem ewigen Kreislauf des Werdens undVergehens und den damit verbundenen Leiden (Samsara wörtlich Wanderung) zu helfen. Diese Lehre besagt das die Buddhas mit dem Absoluten eins

    sind und in der relativen Welt nur Erscheinen um allen Wesen, die sich in den sechs Bereichen bewegen, zu helfen (siehe Dhyani Buddhas und Bodhisattvas). Das Nirvana bedeutet in diesem Zusammenhang nicht nur Befreiung aus dem Samsara und den damit verbundenen Leiden, sondern das Erkennen des jedem Wesen eigenen immanenten Buddha-Prinzips oder Buddha-Natur.

    Die Buddha-Natur steht hier für die individuelle prinzipielle Einheit und die ursprüngliche Erlöstheit mit dem Absoluten. Dieses allen Wesen innewohnende Buddha-Prinzip wird hier wichtiger, als die historische Person des Buddhas.

    Das Mahayana teilt sich von Indien aus in weitere Richtungen und ist vor allem in Tibet, China, Korea und Japan zu finden.

    Parallel zur Entwicklung des Tantra im Hinduismus bildet sich auch im Buddhismus eine magische Richtung, das Vajrayana heraus. Diese Richtung des Mahayana-Buddhismus hat seine Heimat vor allem in Tibet und ist für die Ikonographie der Thangkas und ihrem Verständnis von besonderer Bedeutung. Dhyani Buddhas

    Dhyani Buddhas bedeutet in etwa Meditationsbuddhas. Es gibt fünf

    verschiedene Dhyanibuddhas, die verschiedene Aspekte des

    erleuchteten Bewusstseins symbolisieren und in der

    Meditationspraxis unterschieden werden, obwohl sie im Grunde

    Manifestationen des Einen Buddha-Prinzips sind. Nach der

    Auffassung des Mahayana-Buddhismus besitzt ein Buddha drei

    Körper (Trikaya). Ausgehend von der Einheit des Absoluten

    unterscheidet man nach der Lehre des Trikaya diese drei

    Bewusstseinsebenen/Körper folgendermaßen:

    Dharmakaya bezeichnet das Wahre-Wesen des Buddhas in der

    Einheit mit allem, identisch mit dem Ursprung des Universums,

    unbegrenzt, Zeitlos und körperlos. Dharma, das große universelle

    Gesetz, bedeutet im Buddhistischen Zusammenhang auch, die von

    Buddha-Shakyamuni verkündete Lehre der Befreiung aus dem ewigen Kreislauf (Samsara), basierend auf den vier edlen Wahrheiten, dem achtfachen Pfad und der Gesetzmäßigkeit des bedingten Entstehens.

    Sambhogakaya, der Körper des Entzückens, das Buddha-Bewusstseinsparadies (reines Land), indem der Buddha die in ihnen verkörperten Wahrheiten genießt. Der Sambhogakaya-Körper ist ein Resultat früherer guter Taten und wird durch Bodhisattva-Verdienste und Erleuchtung verwirklicht. Das Sambhogakaya kann nur von Bodhisattvas wahrgenommen werden, die den höchsten

    Bewusstseinszustand erreicht haben. Der „Körper des Entzückens“ stellt den Buddha in der Andacht dar. Die Buddhas in ihrer Sambhogakaya-Erscheinungsform bevölkern die Buddha-Länder in denen wiedergeboren zu werden, das Ziel vieler Buddhisten ist.

    Nirmanakaya der Körper der Wandlung, sprich der irdische Körper in dem die Buddhas geboren werden, um den Wesen bei der Befreiung aus dem Leiden zu helfen. Menschenhaben in ihrer Nirmanakaya-Form die Möglichkeit ihre angeborene Teilhabe am klaren Licht und der Einheit mit allem (Buddha-Natur) zu

    verwirklichen. Ihnen bei der Verwirklichung ihrer Buddha-Natur zu helfen, ist die wahre Aufgabe der Buddhas und Bodhisattvas. In diesem übergeordneten Sinne sind auch die Thangkas als Meditationsstützen und Yidams zu verstehen ( Yidam siehe Tara ).

    Die 3 Körper stellen eine Einheit dar, die als Wesenskörper bezeichnet wird und dient im Vajrayana dazu, die verschiedenen Erfahrungsebenen der Erleuchtung auszudrücken.

    Die 5 Dhyani-Buddhas (Meditationsbuddhas) symbolisieren die 5

    Aspekte des erleuchteten Bewusstseins:

    In den Thangkas befindet sich oft Vairochana, sanskrit der

    Sonnengleiche, im Zentrum, er gilt als erster der transzendenten

    Buddhas oder Dhyani-Buddhas. Seine Symbole sind das Rad der

    Lehre (Dharma-Cakra) oder die Sonne. Auf dem Thangka der 5

    transzendenten Buddhas ist seine Handstellung das

    Dharmakakra-Mudra, die Geste des Inbewegungsetzens des Rades

    der Lehre. Seine Körperfarbe ist weiß. Ihm wird das Scheitelcakra

    zugeordnet und sein reines Land ist der alles durchdringende Raum.

    Seine Gefährtin heißt Akashadhatishvari und sein Begleittier ist der

    Löwe.

    Akshobhya, der Unerschütterliche, befindet sich im Osten. Seine Körperfarbe ist tiefblau seine rechte Hand bildet das Mudra der Wunscherfüllung (Varada-Mudra). Er ist der Buddha der über das im Osten gelegene Paradies Abhirati, sanskrit das Freudige, herrscht. Paradies oder reines Land, wird im Buddhismus nicht als Lokalität sondern als Bewusstseinszustand verstanden und die dem jeweiligen Buddha zugeordnete Himmelsrichtungen haben symbolische und ikonographische Bedeutungen. Seine Gefährtin heißt Lokana und sein Begleittier ist der Elefant. Akshobhya ist dem Herz-cakra zugeordnet. Im Süden befindet sich Ratnasambhava, der Juwelengeborene. Seine Körperfarbe ist gelb, sein

    Hand-Mudra bildet die Geste der Erdberührung (Bhumiparsha-Mudra). Seine Gefährtin heißt Mamaki und sein Begleittier ist das Pferd. Auf Thangkas wird er häufig auf einem Pferd oder Löwen reitend dargestellt. Ratnasambhava ist das Nabel-Cakra zugeordnet und sein reines Land ist Prabhavati (das Glorreiche).

    Im Westen befindet sich Amitabha, wörtlich „Grenzenloses Licht“, einer der volkstümlichsten und wichtigsten Buddhas des Mahayana Buddhismus. Er wird entsprechend ikonographisch häufig und sehr unterschiedlich dargestellt zum Beispiel mit einer Edelsteinkrone, ein anderes mal mit geschorenem Haupt als Mönch Dharmakara. Beide Darstellungen beziehen sich auf seine früheren Existenzen. Sein reines Land ist das westliche Paradies Sukhavati, „das Glücksvolle“. Seine Körperfarbe ist rot, sein Hand-Mudra (Mudra=Siegel, Zeichen, Körperhaltung oder symbolische Geste) ist das Dhyani-Mudra, Meditationsgeste. Amitabha ist das Kehlkopf-Cakra zugeordnet, seine Gefährtin heißt Pandaravasini und sein Begleittier ist der Pfau.

    Amoghasiddhi, sanskrit „Der sein Ziel unbeirrt verwirklicht“, befindet sich im Süden. Ihm wird der irdische Buddha Maitreya und als Bodhisattva Vishvapani zugeordnet (Bodhisattva siehe eigene

    Abteilung). Seine Körperfarbe ist grün und seine Handgeste symbolisiert das Abhaya-Mudra, die Geste der Furchtlosigkeit und Schutzgewährung. Sein reines Land ist Uttarakuru, „gute Handlungen“ und ihm wird das Wurzel-Cakra zugeordnet. Amoghasiddhis Gefährtin ist Tara, (eigenes Kapitel) und sein Begleittier heißt Garuda. In den Thangkas wird der Dhyani-Buddha häufig als Buddha Maitreya dargestellt. Maitreya wörtlich „der Liebende“ ist der kommende und letzte irdische Buddha, der als Weltenlehrer in ungefähr 30000.Jahren erwartet wird. Auch um ihn ist der Kult im tibetischen Buddhismus sehr verbreitet und entsprechend häufig wird er ikonographisch dargestellt. Die 5 Dhyanibuddhas verkörpern 5 verschiedene Aspekte der Weisheit. Diese manifestieren sich jedoch nicht nur als positive Erscheinungsformen, sondern auch als negative Energien. Da jede dieser Erscheinungen eine der fünf Qualitäten aufweist, werden sie als Familien(Buddhakula wörtlich

    Buddhafamilien) bezeichnet. Dies ist im Vajrayana ein vielfältig angewandtes Ordnungsprinzip, auf dem die Ikonographie und viele Mandalas basieren.

    Die Interpretation der Mandalas in den Thangkas, die auf den Buddhakulas = Buddhafamilien basieren.

    Vairochana, Akshobhya, Ratnasambhava, Amitabha und

    Amoghasiddhi sind die Herren der fünf Familien und bilden die

    Grundstruktur der visualisierten Gottheiten in der Meditationspraxis

    (Sadhana). Diese werden auf der Ebene des Sambhogakaya

    ( Trikaya ) dargestellt.

    Im Zentrum des Mandalas ist von weißer

    FarbeVairochana dargestellt. Er repräsentiert die Unwissenheit

    ( avidya), den Ursprung des Kreislaufs der Existenzen ( samsara )

    und als Gegenmittel dazu die allem zugrunde liegende „Weisheit der

    letzten Wirklichkeit,“ die avidya auflöst. Da er die Ausgangs- und

    Zentrumsfigur ist, erhielt die ihm zugeordnete Familie den Namen

    Tathagata- oderBuddha-Familie.

    Der in blau dargestellte Akshobhya ist der Herr der Vajra-Familie.

    Seine negative Energie zeigt sich als Aggression, die jedoch als die alles unverzerrt reflektierende „spiegelgleiche Weisheit,“ umgewandelt werden kann.

    Dem roten Amitabha ist die Padma oder Lotos-Familie zugeordnet. Er symbolisiert Leidenschaft und

    Verlangen und „die analytische Weisheit der Unterscheidung.“

    Der gelbe Ratnasambhava ist der Herr der Ratna-Familie. Ihm entspricht der Stolz und als Gegenmittel,

    „die Weisheit des Gleichmuts.“

    Zu dem grünen Amoghasiddhi gehört die Karma-Familie. Ihm zugeordnet ist die negative Eigenschaft

    Neid und dem gegenübergestellt „die vollendende Weisheit.“

    In den Thangkas werden oft sowohl die negativen Energien und dem gegenüber die Dhyani-Buddhas, als Repräsentant der umwandelnden Weisheit dargestellt. Sie besitzen noch weitere Fähigkeiten und werden auch von einem weiblichen Aspekt begleitet, so dass in den unterschiedlichen Thangkas Variationen auftauchen können.

Bodhisattva und Tara

    Ein Bodhisattva heißt im sanskrit wörtlich Erleuchtungswesen. Im

    Mahayana Buddhismus versteht man darunter ein Wesen, dass die

    Erleuchtung anstrebt, aber auf das eingehen ins endgültige Nirvana

    verzichtet, bis alle Wesen befreit sind. Die sein Handeln

    bestimmende Eigenschaft ist die Barmherzigkeit, verbunden mit der

    höchsten Einsicht und Weisheit. Er leistet tätige Hilfe und ist bereit

    das Leid aller Wesen auf sich zu nehmen und die so erlangten

    karmische Verdienste auf andere Wesen zu übertragen. Am Anfang

    seiner Laufbahn legt ein Bodhisattva die Bodhisattva-Gelübte ab. Sie

    beinhalten den festen Grundsatz selbst Erleuchtung zu erlangen und

    alle Wesen durch die Hinführung zum Nirvana zu erlösen. Die folgenden Thangkas zeigen und beschreiben die am häufigsten dargestellten Bodhisattvas. Avalokiteshvara, sein Name wird unterschiedlich interpretiert und bedeutet „der mit klarem Blick Schauende“. Er verkörpert das Mitgefühl und ist eine Ausstrahlung des Buddha Amitabha. Er ist in

    vergangenen Zeiten in vielen verschiedenen Formen erschienen und auch der Dalia Lama gilt als eine Inkarnation von ihm. In der buddhistischen Bilderwelt der Himalayaländer sind über 130 verschiedene Darstellungen von Avalokiteshvara bekannt.

Tara, tibetisch Dolma, wörtlich „die Retterin“, ist eine Emanation

    des Bodhisattva Avalokiteshvara und verkörpert den weiblichen

    Aspekt des Mitgefühls. Sie ist ein weiblicher Bodhisattva und soll aus einer Träne von Avalokiteshvara entstanden sein, die dieser aus

    Mitleid für das Leiden der Wesen vergoss. Es gibt 21 verschiedene

    Aspekte der Tara, die sich in friedlicher und rasender

    Erscheinungsform manifestieren können. Ikonographisch sind die

    Grüne und die weiße Tara am häufigsten dargestellt. Die beiden

    Gemahlinnen des tibetischenKönigs Songtsen Gampo (7.

    Jahrhundert) gelten als Verkörperungen dieser beiden Taras. Obwohl

    die Tara einerseits aus einer Träne des Bodhisattvas Avalokiteshvara

    entstanden ist, um ihn in seinem Wirken zu unterstützen, wird sie

    andererseits als das weibliche Prinzip der Barmherzigkeit und die

    Mutter aller Buddhas gesehen. Seit dem 11. Jahrhundert ist der Kult

    um die Tara in Tibet sehr verbreitet und sie wird entsprechend oft auf

    Thangkas dargestellt und in Meditationen als Yidamverwendet.

    Yidam wörtlich fester Geist ist im Vajrayana-Buddhismus die

    Bezeichnung für persönliche Gottheiten, deren Charakter der

    individuellen psychologischen Persönlichkeitsstruktur des Übenden

    entspricht und werden bei Meditationsübungen mit dem inneren Auge

    visualisiert. Sie können dabei friedvolle und zornige, schreck erregende Gestalt annehmen. Yidams sind Manifestationen des Sambhogakaya Lichtkörper und

    dienen auch dazu, den Übenden in Verbindung mit der Übertragungslinie zu bringen, deren Lehren er

    folgt. Der tibetische tantrische Buddhismus stellt die männlichen und weiblichen Yidams auch in Vereinigung (Yab-Yum) dar.

    Yab-Yum, Samantabhadra und Vajrasattva

    Yab-Yum im tibetischen wörtlich: „Vater (und) Mutter“, ist die Bezeichnung für die in der tibetischen

    Kunst häufig erscheinende Darstellung von männlichen und weiblichen Gottheiten in geschlechtlicher Vereinigung. Dadurch wird im Vajrayana die Einheit des männlichen und des weiblichen Prinzips zum Ausdruck gebracht. Die in den Thangkas und auf Statuen gefertigten Yab-Yum Darstellungen dienen in der Meditationspraxis als Stützen, um die feminine und maskuline Energie im Übenden zu verschmelzen.

    Samantabhadra, im Yab-Yum mit seiner Gefährtin, in seiner

    tibetischen Form als Ursprungs-Buddha (Adi-Buddha).

    Samantabhadra heißt wörtlich: „Der Allumfassend Gute“ und ist einer

    der bedeutenden Bodhisattvas des Mahayana-Buddhismus. Er gilt

    als Schützer aller, von denen die Lehre dargelegt wird und verkörpert

    die „Weisheit der Wesensgleichheit“, was der Einheit von

    Verschiedenheit und Gleichheit entspricht. Samantabhadra wird

    Vairochana zugeordnet. Auf seinem Haupt befindet sich der alle

    Wünsche erfüllende Juwel, sein nackter, tiefblauer Körper

    symbolisiert die Leere (Shunyata).

    Vajrasattva wörtlich „Diamant-Wesen“ und seine Gefährtin

    Vajrasattvatmika im Yab-Yum verkörpern im Vajrayana-Buddhismus

    die Reinheit, Klarheit und Unschuld des Absoluten. Darum werden

    sie in der Meditation zur Reinigung von negativem Karma und des

    Geistes angerufen. Ihre weiße Körperfarbe symbolisiert die Reinheit

    des Absoluten und vereinigt in sich die Gesamtheit aller fünf

    Buddha-Familien. Vajrasattva hält in seiner rechten Hand einen Vajra

    (Diamanten) zum Herzen, der seine unzerstörbare Essenz darstellt.

    Der Vajra, tibetisch Dorje ist in der tibetischen Ikonographie

    symbolisch sehr häufig dargestellt und steht für die unzerstörbare

    Wahre Wirklichkeit, die Leere als Wesen und die Essenz alles

    Seienden. Der Diamant steht für die Unzerstörbarkeit der Leere, die da sie ungeschaffen ist, die Unvergänglichkeit in sich trägt. Die Reinheit des Diamanten symbolisiert die Makellosigkeit des Ungeschaffenen, Gestaltlosen, dass wie ein Spiegel die Phänomene der Erscheinungen reflektiert ohne davon berührt oder verändert zu werden.

    Auf dieser Grundlage sind die Thangkas als Darstellungen des Sambhogakaya (Körper des Entzückens) oder des Nirmanakaya (Körper der Wandlung, menschlicher Körper) zu sehen. Die Darstellung des Dharmakaya weist immer auf die Einheit mit der Essenz alles Seienden hin (Trikaya). Vajrasattva ist eine Form des Sambhogakaya. Seine linke Hand ruht mit einer Glocke auf der Hüfte als Zeichen seines Erbarmens. Die Glocke ist ferner ein Symbol für das weibliche Prinzip und die Weisheit, der Vajra ein Symbol für das männliche Prinzip und die Methode und das Mittel mit denen Handlungen ausgeführt

    werden. Vajrasattvatmikas rechte Hand ist verdeckt, die Linke hält eine Schale mit Amrita (Unsterblichkeitstrank), das Wasser des Lebens).

Padmasambhava

    Wörtlich aus dem sanskrit, „ Der aus dem Lotos Geborene“, ist ein

    Zeitgenosse des tibetischen Königs Trisong Detsen 755-797 und

    einer der historisch fassbaren Begründer des Tibetischen

    Buddhismus. Er wird in Tibet als der zweite Buddha unter dem

    Namen Guru Rinpoche (kostbarer Lehrer) verehrt. Der Legende nach

    im Lande Orgyen, im Nordwestern von Kaschmir, geboren, meisterte

    er bald alle zu seiner Zeit existierende Wissenschaften, vor allem die

    Lehren der „Tantras“. Im 8. Jahrh. trat er in die Geschichte ein, mit der

    Missionierung des von Naturreligionen und dem Bön-Glauben

    beherrschten Tibet. Er bezähmte die einheimischen Dämonen bzw.

    die durch sie verkörperten Naturgewalten und machte sie der

    Legende nach für den Buddhismus dienstbar. Er integrierte Elemente des Bön in seine tantrische Lehre, die bis heute noch den Vajrayana Buddhismus prägen. 799 gründete er das Kloster Samye in dem die ersten Tibeter zu Mönchen ordiniert wurden. Padmasambhava gab seine Unterweisungen an 25 Hauptschüler weiter, darunter zählten der tibetische König und seine Schülerin und Gefährtin Yeshe Tsogyel, die Verfasserin seiner Biographie. Zusammen mit ihr versteckte er in Höhlen, die beiden als Meditationsorte dienten, viele Texte (tibetisch. Termas) die später von Anhänger seiner Lehre wieder gefunden wurden. Die Felsen dieser Höhlen markierte er durch Hand- und Fußabdrücke.

Dharmapala

    Als Dharmapala wörtlich, „Schützer der Lehre“, wurde im tibetischen

    Buddhismus zum Schutz der Lehre (Dharma) und seiner Institutionen

    gegen feindliche Kräfte, eine Gruppe von Gottheiten eingesetzt.

    Unter ihren Schutz kann sich auch der Einzelne zur Abwehr von

    negativen Kräften durch ihre Anrufung im Sadhana stellen. Der

    bekannteste ist Mahakala („Der Große Schwarze“), der rasende

    Aspekt von Avalokiteshvara und der spezielle Schützer der

    Kagyüschule und des Dalai Lama. Neben den hauptsächlichen

    Dharmapalas gibt es noch die Lokapalas (Schützer der Region), die

    aus der vorbuddhistischen Zeit aus dem Volksglauben übernommen

    wurden und durch Eid der buddhistischen Lehre unterstellt wurden. Dies ist vor allem auf Padmasambhava, einer der wesentlichen Mitbegründer des tibetischen Buddhismus zurückzuführen, der durch sein Wirken ehemalige Götter der Bön-Religion in buddhistische Schutzgottheiten umwandelte. Sie sind ursprünglich Verkörperungen extremer Naturgewalten. Hayagriva und seine Gefährtin zählen ebenfalls zu den mächtigen Dharmapalas.

Dakini

    War nach der ursprünglichen Auffassung Indiens ein weibliches

    Dämonenwesen, das sich in der Gesellschaft von Göttern befindet.

    Im Vajrayana ist sie ein erleuchtetes Geistwesen, das sich in der

    Gesellschaft von Buddhas in den Reinen Ländern aufhält. Sie dient

    als Vermittlerin zwischen den Erleuchteten und den Menschen. Vajra

    Varahi ist eine Dakini. Ihre Nacktheit symbolisiert die Erkenntnis der

    unverhüllten Wahrheit.

Bhava-Cakra das Lebensrad

    ist eine im tibetischen Buddhismus sehr verbreitete Darstellung über

    den Kreislauf der Existenzen, des Samsara.

    Über dem Bild befindet sich Yama, der in der buddhistischen

    Mythologie, den Tod und Herr der Höllen repräsentiert und den

    Menschen Alter, Krankheit und Tod als seine Boten sendet. Dies soll

    die Menschen daran erinnern in sich zu gehen und kein

    unmoralisches, leichtsinniges Leben, in dem sie sich verlieren, zu

    führen. In seinem Rachen befindet sich das in sechs Hauptsegmente

    aufgeteilte Bhava-Cakra. In diesen Segmenten sind die sechs

    Haupttypen des weltlichen Daseins unterschieden. Im oberen Teil

    des Bildes sind der Bereich der Götter, der Gegengötter (Titanen) und Menschen dargestellt. Im unteren Teil des Rades befindet sich der Bereich der Tiere, der Hungrigen Geister und der Höllenwesen. Allen gemeinsam ist die Erfahrung von Leiden und Vergänglichkeit und den Ursachen, die dazu führen. Der Ursprung der Ursachen, dass alle im samsara gefangen sind, ist im Zentrum des Kreises durch den Hahn (Gier), das Schwein (Unwissenheit und die Schlange (Hass) dargestellt.

    Der äußere Kreis symbolisiert die im individuellen Leben geschaffenen Ursachen für die Gefangenschaft im samsara. Sie spiegeln bildlich das Gesetz des bedingten Entstehens, das von Buddha Shakyamuni gelehrt wurde wieder. Dieses Gesetz besagt, das alle Phänomene, die das Individuum wahrnimmt, in Abhängigkeit zueinander entstehen. Alles steht miteinander in Verbindung, wie die einzelnen Glieder einer Kette. Diese Kette hält die Wesen im ewigen Kreislauf, samsara, gefangen, was durch Yama, den Herr des Todes, der das Rad in seinen Klauen hält, gezeigt wird.

    Die einzelnen Bilder des äußeren Kreises haben folgende Bedeutung:

    Blinde Frau = avidya/Unwissenheit, Töpfer = Gestaltungskräfte, Affe = Bewusstsein, zwei Menschen in einem Boot = Körper und Geist, sechsfenstriges Haus = die sechs Sinne, Liebespaar = Berührung, ein das Auge durchbohrender Pfeil = Empfindung, Trinker = Begierde, Früchte sammelnder Mann = Anhaften, Geschlechtsverkehr = Werden, gebärende Frau = Geburt, Leichenträger = Tod.

    Das erste Glied des bedingten Entstehens ist avidya, Unwissenheit. Auf der Grundlage der Unwissenheit ergibt sich die Absicht zu handeln (zweites Glied). Die durch die Absicht folgenden Taten, ob gut oder böse, ergeben die Ursachen für das nächste Leben (drittes Glied). Da unerlöste Wesen wandert nach dem Tode durch die Zwischenzustände und wird erneut in einem der Sechs Bereiche, samsara, wiedergeboren (viertes Glied). Als Folge der Wiedergeburt entstehen die Sechs Grundlagen (fünftes Glied). Die sechs Grundlagen entsprechen den sechs Sinnen, durch die die Wirklichkeit wahrgenommen wird: Hören, Sehen, Schmecken, Riechen, Körperliche Wahrnehmung = Empfindung und Denken (sechstes Glied). Die Wahrnehmung der Wirklichkeit führt zu

    Eindrücken und Empfindungen (siebtes Glied), daraus entwickelt

    sich Verlangen und Begehren (achtes Glied). Dieses Verlangen und

    Begehren führt nach dem Tod zum neuerlichen Aufsuchen eines

    Mutterschoßes (neuntes Glied), in dem neues Leben wächst

    (zehntes Glied). Es kommt zu einer erneuten Geburt in einem der

    sechs Bereiche des samsara (elftes Glied), was wiederum

    Zwangsläufig mit Yama, der Krankheit, Alter und Tod sendet, endet

    (zwölftes Glied). Die einzige Möglichkeit diesem Gefängnis zu

    entrinnen ist nach buddhistischer Sicht, die Verwirklichung der

    Erleuchtung.

Mandala

    Wörtlich aus dem sanskrit Kreis, Bogen, Abschnitt. Im Tantra versteht

    man darunter Diagramme aus Quadraten und Kreisen die kosmische

    Kräfte symbolisieren und als Hilfsmittel zur Meditation benutzt werden.

    Diese symbolische Darstellung kosmischer Kräfte in

    mehrdimensionaler Form spielt im Vajrayana in der Darstellung der

    Mandalas auf den Thangkas eine große Rolle. Sie werden

    hauptsächlich als Meditationshilfe für bestimmte Visualisierungen

    verwendet.

    Die tibetische Übersetzung aus dem sanskrit Wort bedeutet in etwa

    „Zentrum und Peripherie“. Das Mandala wird im tibetischen

    Buddhismus demnach als eine Zusammenführung zahlreicher

    unterschiedlicher Elemente zu einer Einheit verstanden. Augenscheinliches Chaos und unübersichtliche Komplexität werden zu einem Muster und einer natürlichen Hierarchie vereinfacht. Sowohl die äußere Welt, der menschliche Körper und das eigene Bewusstsein können im Vajrayana als Mandala angesehen werden. Die von der Tradition genau fest-gelegte Form des Mandala weist in ihrer grundlegenden Struktur einen quadratischen Palast auf mit einem Zentrum und vier Toren in den Himmelsrichtungen. Steht im Mittelpunkt des Mandala beispielsweise eine rasende Schutzgottheit als Yidam, ist das Mandala selbst als Zeichen der Vergänglichkeit der Welt von Leichenstätten umgeben. Den äußeren Rand der Darstellung bilden meist Flammenkreise in den fünf Grundfarben, welche die fünf Buddhafamilien und den von ihnen gewährten Schutz symbolisieren.

Acht Kostbarkeiten

    Sind acht Symbole, die von der Verehrung des Weltenherrschers und im übertrage-nen Sinn auch für die Buddhas zeugen. Sie sind sowohl auf Thangkas, als auch in Klöstern vor den Standbildern der Buddhas zu sehen. Die Acht Kostbarkeiten und ihre Bedeutung sind im Einzelnen:

    Die Lotosblüte als Ausdruck der Reinheit. So wie sich der Lotos aus dem Schlamm des Teiches erhebt und in makelloser Reinheit an der Wasseroberfläche erblüht, erhebt sich der Geist eines Erleuchteten aus den Niederungen des Samsara.

    Das Weihwassergefäß oder die Schatzvase gefüllt mit Amrita als Trank der Unsterblichkeit. Oft ist sie mit drei Juwelen oder Kleinodien gefüllt. Sie weisen auf die drei Kostbarkeiten (Triratna) hin, den drei wesentlichen Bestandteilen des Buddhismus, Buddha, Dharma (die Lehre des Buddha), die Sangha (die buddhistische Gemeinde). Als Opfergabe bringt man sie zum Herabrufen von Segen und mit der Bitte um Wunscherfüllung dar.

    Das Muschelhorn oder rechtsläufige Schneckengehäuse als Symbol des Sieges im Kampf das schon in vorbuddhistischer Zeit als Symbol verwendet wurde und noch heute zum Ruf des Gebetes verwendet wird. Auf manchen Thangkas ist es auch als Muschelschale gefüllt mit Amrita, dem Trank der Unsterblichkeit, zu sehen.

    Der Schirm als Symbol der königlichen Würde. Nur Könige und hohe Lamas durften unter einem Sonnenschirm gehen. Als Bild schützt der Schirm vor negativen Einflüssen.

    Das Rad steht auf Grund seiner Kreisförmigen Form für die Unendlichkeit und wird auch das Dharma-Rad genannt. Es steht für die buddhistische Lehre und seine acht Speichen für den achtfachen Pfad, die wiederum jeweils einem ethnischen Verhalten entsprechen.

Die erste Speiche = Vollkommene Erkenntnis

    Zweite Speiche = Vollkommener Entschluss

    Dritte Speiche = Vollkommene Rede

    Vierte Speiche = Vollkommenes Handeln

    Fünfte Speiche = Vollkommener Lebensunterhalt

    Sechste Speiche = Vollkommenes Bemühen

    Siebte Speiche = Vollkommene Achtsamkeit

    Achte Speiche = Vollkommene Meditation

    Die Fahne oder das Siegesbanner als Symbol des Sieges der

    Religion, in diesem Falle des Buddhismus als Sieg über die

    Unwissenheit.

    Der endlose Knoten als Ornament ineinander verwobener Linien und ein Symbol dafür, dass alle Phänomene miteinander verbunden sind. Die Linien sind ohne Anfang und Ende und da sie alle miteinander verknüpft sind, erinnert er auch an das Gesetz von Ursache und Wirkung (Karma).

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