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Clemens Brentano

By Stanley Knight,2014-04-03 10:51
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Clemens Brentano

Clemens Brentano

    aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

    Dieser Artikel behandelt den deutschen Schriftsteller; zu dem deutschen Diplomaten siehe Clemens von Brentano.

    Clemens Brentano (Emilie Linder, nach 1833)

    Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche (* 9. September 1778 in

    Ehrenbreitstein (heute Koblenz); † 28. Juli 1842 in Aschaffenburg) war ein deutscher

    Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der sogenannten

    Heidelberger Romantik.

    Inhaltsverzeichnis Bearbeiten Leben ; 1 Leben Clemens Brentano 1819 (Zeichnung ; 2 Publikationsgeschichte und von Wilhelm Hensel) Rezeption

    Clemens Brentano war der zweite 3 Werke

    Sohn des Frankfurter Kaufmanns Peter 3.1 Lyrik

    Anton Brentano (aus der Linie der 3.2 Märchen Brentano di Tremezzo) und dessen 3.3 Epik Ehefrau, der vom jungen Goethe 3.4 Bühnenwerke Maximiliane von La Roche, verehrten 3.5 Satiren und war damit ein Enkel von Sophie

     3.6 Religiöse Werke von La Roche. Der in vielen Lexika

    ; 4 Literatur anzutreffende zweite Vorname

    ; 5 Siehe auch „Maria“ gehört nicht zu seinen

    ; 6 Weblinks Taufnamen. Der Name wird sehr oft

    ; 7 Einzelnachweise Clemens von Brentano geschrieben,

     doch beruht diese Nobilitierung des

    Dichters auf einer Verwechslung mit dem Diplomaten Clemens von Brentano di Tremezzo (1886-1965), der mit Clemens Brentano nur entfernt als Ururenkel seines

    Halbbruders Franz Dominicus Brentano verwandt ist.

    Zu seinen zahlreichen Geschwistern gehörten Bettina, die den Dichter Achim von

    Arnim heiratete, Georg, Christian, Sophie, Ludovica („Lulu“), Kunigunde („Gunda“),

    die mit dem Rechtsgelehrten Friedrich Carl von Savigny verheiratet war, sowie Magdalene („Meline“) (verheiratete von Guaita).

    Brentano benutzte in seinen ersten Veröffentlichungen den Namen Maria als

    Pseudonym und hat stets den 8. September, den Feiertag von Mariä Geburt, als seinen Geburtstag angegeben.

    Er wurde katholisch getauft und wuchs unter mehrfachem Wohnortwechsel in

    Frankfurt am Main und Koblenz sowie kurzfristig in Heidelberg und Mannheim auf.

    [1][2] Nach dem Scheitern einer kaufmännischen Lehre 1795-1796 in Langensalza

    studierte er ab dem 19. Mai 1797 in Halle Bergwissenschaften und wechselte am 5.

    [3]Juni 1798 zum Medizinstudium an die Universität Jena. Statt sein Studium abzuschließen, widmete er sich aber immer mehr seinen literarischen Neigungen. In

Jena lernte er die Vertreter der Weimarer Klassik (Christoph Martin Wieland, Johann

    Gottfried von Herder, Johann Wolfgang von Goethe) und der Frühromantik (Friedrich

    Schlegel, Johann Gottlieb Fichte und Ludwig Tieck) kennen. Letztere ist ab 1800 in

    [4]Jena personell nahezu vollständig vertreten. Von ihren Werken und

    literaturtheoretischen Schriften ließ Brentano sich zu seinen ersten Werken anregen, vor allem zu dem Roman Godwi, in dem auch einige der bekanntesten Gedichte

    Brentanos enthalten sind (Zu Bacharach am Rheine, Sprich aus der Ferne, Ein

    Fischer saß im Kahne).

    Göttingen, wo er als Student der Philosophie eingeschrieben war, lernte er 1801 in

    Ludwig Achim von Arnim kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verband und mit dem er 1802 eine Reise auf dem Rhein unternahm. In den nächsten Jahren

    wohnte er bis 1811 immer wieder über längere Zeiträume hinweg mit Arnim zusammen.

    Clemens Brentano, Büste von Christian Friedrich Tieck, 1803

    Clemens Brentano (Bild aus einem Lexikon von 1906; Ausschnitt aus einer Radierung

    von Ludwig Emil Grimm, 1837)

    Nach seiner Heirat mit der Schriftstellerin Sophie Mereau zog er 1804 nach

    Heidelberg, wo er mit Arnim die Zeitung für Einsiedler und die Volksliedsammlung

    Des Knaben Wunderhorn herausgab. Seine Frau starb 1806 bei der Geburt des dritten Kindes; auch die beiden ersten Kinder Achim und Joachime sind nur wenige

    Wochen alt geworden. Zudem erlitt Sophie eine Fehlgeburt.

    Wenige Monate später heiratete Brentano Auguste Bußmann, behielt aber sein

    „Wanderleben“ bei (Aufenthalte in Kassel und Landshut). Die zweite Ehe wurde 1814 geschieden.

    Seit Ende 1809 hielt er sich in Berlin auf, wo er am literarischen Leben teilnahm und an seinem (bereits seit 1802 entstehenden und erst postum veröffentlichten) Versepos Romanzen vom Rosenkranz und an den (ebenfalls erst nach seinem Tod erschienenen) Rheinmärchen arbeitete. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der seit 1810 bestehenden Deutschen Tischgesellschaft, deren antijudaistische, zum Teil in

    Antisemitismus übergehende Tendenz er unter anderem mit seiner Schrift Der

    Philister vor, in und nach der Geschichte aktiv unterstützte. Antijudaistische

    Anspielungen begegnen auch in vielen weiteren seiner nach 1810 entstandenen Werke (z. B. in Gockel, Hinkel und Gakeleia), das bekannteste seiner religiösen Werke, Das

    bittere Leiden, versammelt fast alle Topoi des christlichen Antijudaismus. Dagegen findet sich in einem anderen, etwa gleichzeitig entstandenem Werk, Das Leben Jesu,

    eine genaue und offenbar mit Sympathie geschriebene Schilderung des Judentums zur Zeit Christi.

    Nur kurze Zeit währte seine Mitarbeit an Heinrich von Kleists Berliner Abendblättern;

    sie endete nach Differenzen mit Kleist.

    1811 reiste Brentano von Berlin ab, um sich die nächsten beiden Jahre in Böhmen und seit 1813 in Wien aufzuhalten. In dieser Zeit entstanden die Dramen Aloys und Imelde

    (erst 1912 veröffentlicht) und Die Gründung Prags (1815 im Druck erschienen). Der

    Versuch, sich in Wien als Bühnenautor zu etablieren, führte zu einem eklatanten Misserfolg.

    Seit seiner Rückkehr nach Berlin im Jahr 1815 befand sich Brentano in einer Lebenskrise, die ihn zunächst zur pietistischen Erweckungsbewegung und schließlich

    zur Rückkehr zur katholischen Kirche führte. Dieser Schritt wurde motiviert durch die Bekanntschaft mit der Pastorentochter Luise Hensel, die er Ende 1816 kennenlernte.

    Zunächst erwog der geschiedene Brentano den Übertritt zum Protestantismus, um Luise Hensel heiraten zu können. Als sie seinen Antrag zurückwies, bemühte er sich um die Bekehrung der Freundin zur katholischen Kirche; 1818 konvertierte sie. Er legte 1817 die Generalbeichte ab und inszenierte seinen Verzicht auf weltliches

    Dichtertum, ohne sich doch in Wirklichkeit von der Dichtung zu verabschieden. Die Luise Hensel gewidmete Lyrik (u.a. O schweig nur Herz, Ich bin durch die Wüste

    gezogen) verbindet Elemente frühromantischer Dichtungstheorie mit religiösen und erotischen Themen. Etwa seit 1816 entstand auch ein Teil der Italienischen Märchen,

    darunter die erste Fassung von Gockel, Hinkel und Gackeleia.

    Brentano als Bischof (Scherenschnitt von Luise Duttenhofer)

    1818 löste er seinen Berliner Hausstand auf, um die nächsten sechs Jahre im

    Dülmen die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina westfälischen

    Emmerick an deren Krankenlager in vierzig Foliobänden aufzuzeichnen. Wie sich in Untersuchungen, die während des ersten Seligsprechungsverfahrens Anna Katharina Emmericks unternommen wurden, erwies, vermischte Brentano in seinen Aufzeichnungen ihre Aussagen mit eigenen Anmerkungen sowie dichterischen Passagen, weshalb es nach heutigem Kenntnisstand schwierig ist, den Inhalt dieser Visionsprotokolle zu bewerten.

    Nach dem Tod der Emmerick (1824) lebte Brentano an wechselnden Orten, ab 1829 in Frankfurt und ab 1833 in München. In dieser Zeit arbeitete er an Büchern, in denen er die Visionsaufzeichnungen verarbeitete: Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu

    Christus (1833), Leben der heiligen Jungfrau Maria (1852, postum), Lehrjahre Jesu

    (1858-1860 in einer Bearbeitung von Karl Erhard Schmoeger erschienen;

    authentische Ausgabe zuerst 1983) und eine Biographie Anna Katharina Emmericks (unvollendet; 1867-1870 in Schmoegers Bearbeitung; authentische Ausgabe zuerst 1981). Diese Werke wurden gegen Brentanos Willen als Erbauungsbücher gelesen und weltweit in riesigen Auflagenzahlen verbreitet. Ihr Einfluss ist in Teilen des romanischen und amerikanischen Katholizismus noch heute ungebrochen. Mit seinem Buch Die Barmherzigen Schwestern (1831) unterstützte er die Einführung der

    Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Hl. Vinzenz von Paul in

    Deutschland; zugleich ist das Werk einer der Höhepunkte deutscher Prosa. Als Organisator laikaler sozialkaritativer Tätigkeiten, die bei Brentano stets mit der Pflege enger persönlicher Beziehungen zu Frauen verbunden waren, hat Brentano eine nicht unerhebliche Bedeutung in der Vorgeschichte des katholischen Vereinswesens. 1833 lernte Brentano in München die Schweizer Malerin Emilie Linder kennen. Wie

    bei früheren Frauenbekanntschaften wiederholten sich Liebeswerbung und

    Bekehrungsbemühungen; wie früher entzog sich die Freundin diesen Forderungen, ohne aber von ihnen ganz unbeeindruckt zu bleiben. Sie konvertierte nach Brentanos Tod zur katholischen Kirche. Im Zusammenhang mit Brentanos später Liebe zu ihr entstand sein lyrisches Spätwerk, das neben den Gedichten Goethes, Hölderlins und

    Heines die eigenartigste und bedeutendste lyrische Leistung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts darstellt (u.a. Ich darf wohl von den Sternen singen). Wie die

    Linder-Lyrik, so knüpfen auch die in den 1830er Jahren entstandenen Märchenromane (Fanferließchen Schönefüßchen, zu Lebzeiten unveröffentlicht; Gockel, Hinkel und

    Gackeleia, 1838 erschienen) an das dichterische Werk aus der Berliner Zeit 1810-1818 an; zu den komplexesten und interessantesten seiner Arbeiten gehört das 102 Strophen lange Gedicht Alhambra.

    Neben diesen hochartifiziellen Werken beteiligte Brentano sich zeitweise aktiv an der

    Joseph von Görres. propagandistischen Tätigkeit des katholischen Kreises um

    Inwieweit er die politischen Absichten des restaurativen Konservatismus teilte, ist

    eine nicht leicht zu beantwortende Frage. Zeitgenossen, unter denen manche ihn für einen Satanisten oder für eine „dämonische“ Gestalt hielten, fiel die irritierende Vieldeutigkeit seines Lebenswandels und seiner mündlichen und unveröffentlichten schriftlichen Äußerungen auf, die sich mit dem Bild des frommgewordenen alternden Dichters schlecht vereinbaren ließ.

    Die Orthodoxie seiner „religiösen“ Werke war immer umstritten, es kam jedoch nie zu einer Indizierung der außerordentlich erfolgreichen Werke durch die römische Indexkongregation. Nach dem Ersten Vatikanischen Konzil haben sich auffällig viele

    von Brentanos ehemaligen, zu dieser Zeit noch lebenden Freunden und Bekannten von der Kirche abgewandt, ebensoviele aber gehörten zu den besonders entschiedenen Anhängern der Kirche.

    Die letzten Lebensjahre Brentanos waren von Schwermut geprägt. Er starb 1842, im

    Alter von 63 Jahren, in Aschaffenburg, im Hause seines Bruders Christian. Bearbeiten Publikationsgeschichte und Rezeption

    Der große Teil seiner dichterischen Werke war zu Lebzeiten unveröffentlicht geblieben und wurde erst nach seinem Tod herausgegeben, von seiner Schwägerin Emilie Brentano, der Frau seines Bruders Christian Brentano, und Joseph Merkel.

    (Gesammelte Schriften)

    Seit 1975 erscheinen die Sämtlichen Werke und Briefe in historisch-kritischen

    Editionen (sogenannte Frankfurter Brentano-Ausgabe, begründet von Jürgen Behrens, Detlev Lüders und Wolfgang Frühwald), in denen viele Werke erstmals im

    ursprünglichen Wortlaut wiedergegeben werden.

    Besondere Verdienste um die Erschließung von Leben und Werk Brentanos haben sich Wolfgang Frühwald, Bernhard Gajek und Konrad Feilchenfeldt erworben.

    Zu seiner Erinnerung stiftete die Stadt Heidelberg 1993 den Clemens-Brentano-Preis.

    Bearbeiten Werke

    Das Märchen vom Witzenspitzel; Illustration von Alexander Zick ; Gesammelte Schriften(hrsg. von Christian Brentano), 7 Bde., 1852 ; Sämtliche Werke und Briefe.Historisch-kritische Ausgabe. Hrsg. von Jürgen Behrens, Wolfgang Frühwald und Detlev Lüders, Stuttgart u.a.: Kohlhammer

    1975 (wird abgekürzt als FBA)

    Bearbeiten Lyrik

    ; Abendständchen, 1802

    ; Der Spinnerin Nachtlied, um 1802

    ; Was reif in diesen Zeilen steht, 1837

    ; Wenn der lahme Weber träumt, 1838

    ; Des Knaben Wunderhorn(Volksliedersammlung, 3 Bde., zusammen mit Ludwig Achim von Arnim), 1806 und 1808 (Neuausgabe in FBA 6-9, hrsg. von

    Heinz Rölleke)

    ; Gedichte(hrsg. von Emilie Brentano), 1854

    ; Gedichte. Romanzen vom Rosenkranz(hrsg. von Wolfgang Frühwald, Bernhard Gajek und Friedhelm Kemp), 1968

    Bearbeiten Märchen

    Gockel, Hinkel und Gackeleia: Lithographiertes Titelblatt des Erstdrucks von 1838

    ; Gockel, Hinkel und Gackeleia(Märchen), 1838

    ; Mährchen von Clemens Brentano(hrsg. von Guido Görres), 2 Bde., 1844 (Neuausgabe der Rheinmärchen in FBA 17, hrsg. von Brigitte Schillbach)

    Bearbeiten Epik

    ; Romanzen vom Rosenkranz(Versepos; in Band 3 der Gesammelten Schriften),

    1852 (Neuausgabe in FBA 10, hrsg. von Clemens Rauschenberg, und FBA 11,1,

    hrsg. von Dietmar Pravida)

    ; Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter(Roman) 2 Bände, 1801 Eine

    fragmentarischen Fortsetzung enthält das wirkungsmächtige Gedicht von der Lore

    Lay. (Neuausgabe in FBA 16 mit detailliertem Kommentar, hrsg. von Werner

    Bellmann)

    ; Der schiffbrüchige Galeerensklave vom todten Meer(Romanfragment; hrsg.

    von Walther Rehm), 1949 (Neuausgabe in FBA 19, hrsg. von Gerhard Kluge)

    Erzählungen

    ; Die Rose1800 (FBA 19, hrsg. von Gerhard Kluge)

    ; Der Sänger1801 (FBA 19)

    ; Die Schachtel mit der Friedenspuppe1815 (Neuausgabe in FBA 19, hrsg. von Gerhard Kluge)

    ; Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter1817

    (Neuausgabe in FBA 19, hrsg. von Gerhard Kluge) Die drei Nüsse1817

    (Neuausgabe in FBA 19) Geschichte vom braven Kasperl und dem schönen Annerl(Rahmennovelle), 1817 (Neuausgabe in FBA 19) Aus der Chronicka

    eines fahrenden Schülers, (Erzählung), 1818 (Neuausgabe in FBA 19)

    Bearbeiten Bühnenwerke Gustav Wasa(Drama), 1800 (FBA 12, hrsg. von

    Hartwig Schultz) Godwi und Godwine(Lustspiel, Fragment, zusammen mit Bettina Brentano), um 1801 (FBA 12) Cecilie(Drama, Fragment), um 1801 (FBA 12) Die lustigen Musikanten(Singspiel), 1803 (FBA 12) Ponce de

    Leon(Lustspiel), 1803 (FBA 12 Die Gründung Prags(Drama), 1815

    (Neuausgabe in FBA 14, hrsg. von Walter Schmitz) Bearbeiten

    SatirenEntweder wunderbare Geschichte von Bogs dem Uhrmacher, wie er zwar das menschliche Leben längst verlassen, nun aber doch, nach vielen musikalischen Leiden zu Wasser und zu Lande, in die bürgerliche Schützengesellschaft aufgenommen zu werden Hoffnung hat, oder die über die Ufer der Badischen Wochenschrift als Beilage ausgetretene Conzert-Anzeige, 1807 (gemeinsam mit Johann Joseph von Görres verfasst) Bearbeiten Religiöse Werke Die Barmherzigen

    Schwestern in Bezug auf Armen- und Krankenpflege, 1831 (Neuausgabe in FBA 22,

    hrsg. von Renate Moering) Lehrjahre JesuTeil I und II, (FBA 24,1/2, hrsg.

    von Jürg Mathes) ISBN 3-17-008658-8 Das bittere Leiden unsers Herrn Jesu

    Christi(Neuausgabe in FBA 26 und 27,2, hrsg. von Bernhard Gajek und Irmengard Schmidbauer)

    Autor: Clemens BrentanoEpoche: Heidelberger Romantik / Jüngere

    RomantikStrophen: 6, Verse 24 Verse pro Strophe 1-4, 2-4, 3-4, 4-4, 5-4, 6-4

    Wörter 116, Sätze: 7

    01 Es sang vor langen Jahren

    02 Wohl auch die Nachtigall, 1 03 Das war wohl süßer Schall,

    04 Da wir zusammen waren.

    Ich sing' und kann nicht 05 weinen,

    06 Und spinne so allein 2 07 Den Faden klar und rein

    So lang der Mond wird 08 scheinen.

    09 Als wir zusammen waren

    10 Da sang die Nachtigall 3 11 Nun mahnet mich ihr Schall

    12 Daß du von mir gefahren.

    13 So oft der Mond mag scheinen, 4 14 Denk' ich wohl dein allein.

    15 Mein Herz ist klar und rein,

    16 Gott wolle uns vereinen.

    17 Seit du von mir gefahren,

    18 Singt stets die Nachtigall, 5 19 Ich denk' bei ihrem Schall,

    20 Wie wir zusammen waren.

    21 Gott wolle uns vereinen

    22 Hier spinn'ich so allein, 6 23 Der Mond scheint klar und rein,

    24 Ich sing' und möchte weinen.

    Daten Positiv: Nachtigall, süßer Schall, singen, Mond, Herz klar und rein, vereinen

    Negativ: vor langen Jahren, zusammen waren, mahnen, von mir gefahren, spinne ich so allein,

    möchte weinen

Farben

    L

    iFarben Beschreibung n

    k

    s

    Nacht schwarz

     weiß Mond Stilmittel

    L

    iZeileStilmittel Beschreibung n(n) k

    s Enjambemen1-24 Diverse Zeilenumbrüche, z.B. V1-2, V5-6, V9-10, V11-12 t

    Einige Worte werden nicht vollständig ausgeschrieben, sondern durch

    Elision 1-24 Apostroph abgekürzt: sing', denk', spinn'. Dadurch wird die Anzahl der

    Silben verringert und das jambische Versmaß aufrechterhalten. Alliteration 3 süßer Schall

    Den Faden klar und rein/Mein Herz ist klar und rein

     Repetitio 7-15 Es wird ein Zusammenhang zwischen der Arbeit des Spinnens und der

    Spinnerin selbst hergestellt.

    12, Repetitio Gott wolle uns vereinen 16

    Alliteration 18 Sing' stets Motive und Symbole

    L

    iMotiv/SymbBeschreibung nol k

    s

    Der Mond tritt als klassisches Motiv der Romantik mehrfach auf.

    Mond Er hilft der Spinnerin sich zwar an den Geliebten zu erinnern, er ist andererseits

    aber auch ein Ausdruck der melancholischen Einsamkeit, wenn sie nachts alleine

    spinnt.

    Gott Gott tritt in Vers 16 und 21. Dies zeigt die Bedeutung von Gott in der Romantik.

    Das lyrische Ich assoziiert den "süßen Schall" der Nachtigall mit ihren Geliebten. Nachtigall Die Naturverbundenheit zur Romantik wird hierdurch deutlich.

    Zeiten/Zeitformen

    L

    iZeitform Beschreibung n

    k

    s

    Im Gegensatz zu den Strophen 1 und 3, die in der Vergangenheit stehen, stellt das

    Präsens lyrische Ich die jetzige Situation in den Strophen 2, 4 und 6 gegenüber. Das

    lyrische Ich ist seit dem Fortgehen des Partners anscheinend alleine (V22).

    In Strophe 1, 3 und 5 erinnert sich das lyrische Ich daran zurück, dass sie damals Präteritum zusammen waren.

    Erzähler/Perspektiven

    L

    iErzähltyp Beschreibung n

    k

    s Ich-Erzähler Es handelt sich um einen weiblichen Ich-Erzähler. Das Geschlecht ist aber

    lediglich dem Gedichttitel zu entnehmen.

    Reimschemen

    L

    i

    Reimschema Beschreibung n

    k

    s

    umarmender abba in Strophe 1, 3 und 5. Reim cddc in Strophe 2, 4 und 6.

    Metren/Versfüße

    L

    i

    Metrum Beschreibung n

    k

    s

    Jambus

    Epoche

    Heidelberger Romantik / Jüngere RomantikEpochenbeginn 1804Epochenende 1818

    Die Heidelberger Romantik wird einer speziellen Gruppierung innerhalb der deutschen Romantik vertreten. Während unter dem Begriff Romantik die Jenaer Frühromantik gemeint ist deren

    Vertreter ca. um 1770 geboren wurden, so sind die Vertreter der Heidelberger Romantik etwa 10 Jahre jünger. Daher kommt auch die Alternativbezeichnung Jüngere Romantik. Hauptvertreter

    waren Ludwig Achim von Arnim und Clemens Brentano.

    Diese eigenständige Gruppe von Romantikern hat sich gebildet, als sich Autoren der Romantik in der Universitätsstadt Heidelberg aufhielten. Hauptsächlich durch Überschneidungen in der Studienlaufbahn kam es zu verschiedenen Begegnungen, gegenseitigten Beeinflussungen und teilweise auch Zusammenarbeiten. Insbesondere Arnim und Brentano verband eine tiefe Freundschaft, sie veröffentlichten zusammen einen Liederband und gaben dort regelmäßig die Zeitung Zeitung für Einsiedler heraus.

    Als Anhänger der Heidelberger Romantiker werden auch einige Personen zugeordnet, die sich nicht in Heidelberg aufhielten, jedoch engen Kontakt zu den dortigen Autoren hielten. Darunter zählen die Gebrüder Grimm, Karoline von Günderrode und Bettina von Arnim. Historischer Hintergrund

    In den

    VeröffentlicPolitik und Wirtschaft Jahr Links

    hungen der Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen 1806

    HeidelbergePreußische Reformen 1807-1814

    r Romantik Vaterländischer Krieg 1812

    zeigen sich Befreiungskriege 1813-1815

    die Schlacht bei Waterloo 1815

    BemühungeWiener Kongress 1815

    n, die ältere Restauration 1815-1830

    deutsche

    Literatur Erfindungen und Entdeckungen Jahr Links

    wieder zu Die Dampflokomotive 1804

    beleben. Dabei wird versucht an Volkstümlichkeit und Tradition anzuknüpfen. Dies führte dazu, dass den Heidelbergern bis 1950 ein übersteigertes nationales Bewusstsein und antisemitsche Tendenzen unterstellt werden. Da dies nicht für alle Vertreter der Heidelberger Romantik gilt, wird dies in heutigen Ansichten über die Jungromantiker kritischer betrachtet.

Autor

    Clemens Brentano

* 1778 † 1842 (64 Jahre)

    Links:

    Emilie Linder (1797-1867): Clemens Brentano (nach 1833)

    Brentano verbrachte als Kind mit 7 Geschwistern seine Schulzeit in Jena und Mannheim. Er versuchte dann eine kaufmännische Lehre zu absolvieren, scheiterte jedoch. Danach fing er mehrere Studiengänge an, studierte Bergwissenschaft, Medizin und Philosophie in Bonn, Halle, Jena und Göttingen, schloss jedoch keiner seiner Studienfächer ab. Während des Medizin-Studiums 1798 in Jena entdecke Brentano seiner Neigung zur Literatur, er begegnete Vertretern der Weimarer Klassik (Christoph Martin Wieland, Johann Gottfried von Herder, Johann

    Wolfgang von Goethe) und der Frühromantik (Friedrich Schlegel, Johann Gottlieb Fichte und Ludwig Tieck). Von den Jenaer Frühromantikern ließ sich Brentano entscheidend beeinflussen, sein erster Roman Godwi wurde deutlich durch die Frühromantiker geprägt, welcher ein paar seiner wichtigsten Gedichte enthält.

    1801 beim Philosophie-Studium in Göttingen traf er Ludwig Achim von Arnim. Sie wurden schnell enge Freunde, unternahmen einige Reisen, wohnten zwischenzeitlich immer wieder zusammen. Nachdem Brentano 1804 die Schriftstellerin Sophie Mereau heiratet, zieht er nach Heidelberg. Hier veröffentlicht er mit Arnim den Liedband Des Knaben Wunderhorn und die

    Zeitung für Einsiedler.

    Wenige Jahre nach der Heirat starb Sophie Mereau nach der Geburt des dritten Kindes, die ersten Kinder starben ebenfalls nach der Geburt. Brentano zog darauf nach Berlin, wo er für kurze Zeit

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