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Sturm und Drang

By Alfred Payne,2014-08-18 21:54
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Sturm und Drang

Sturm und Drang

    Sturm und Drang, auch Geniezeit oder Genieperiode, bezeichnet eine Strömung der deutschen Literatur in der Epoche der Aufklärung, die etwa von 1767 bis 1785 hauptsächlich von jungen, etwa 20- bis 30-jährigen Autoren getragen wurde.

    Die Benennung erfolgte in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts nach dem Drama „Sturm und

    Drang“ des deutschen Dichters Friedrich Maximilian Klinger. Wegen der „Verherrlichung des

    [1]Originalgenies‘ als Urbild des höheren Menschen und Künstlers“ (Gero von Wilpert) wird diese

    Strömung auch als „Geniezeit“ bezeichnet.

    Literatur der Aufklärung als Voraussetzung

    In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist das philosophische und literarische Leben im deutschen

    Sprachraum weitestgehend von der Aufklärung bestimmt. Der Verstand ist die bestimmende Größe

    der Zeit, durch dessen freien Einsatz, wie Kant später formuliert, der Ausgang des Menschen aus

    seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit erreicht werden soll. Literatur sollte den Leser moralisch bilden, ihn erhellen und seine Vernunft wecken.

    Die von der Aufklärung angestrebte Freiheit begünstigte Literaturformen, die der vernünftig argumentierenden und gebändigten Sprache verpflichtet waren. Die Forderung nach einer „regelmäßigen“ Dichtkunst wurde von Theoretikern wie Gottsched auch während der Aufklärung mit

    Nachdruck vorgebracht. Die Einheit von Ort, Zeit und Handlung, eine gehobene Sprache und die Trennung der Besetzung von Tragödie und Komödie mit Adel und Bürgertum waren Postulate, die man in zahlreichen Dichterakademien die angehenden Literaten lehrte.

    Anfänge

    Doch bereits in Friedrich Gottlieb Klopstocks Oden von 1750 zeigte sich, dass dieses Reglement zu

    eng gefasst war. Mit dieser Demonstration gegen die rein verstandesmäßige Haltung der Aufklärung war der Grundstein für die Überwindung der Vernunftherrschaft und eine Entfesslung des Gefühlsüberschwangs, der Fantasie und der Gemütskräfte als neue dichterische Grundhaltung gelegt. Diese erneuernde Bewegung, die wie ein Ruck durch die deutschsprachige Literatur ging, war in ihrem bürgerlich-jugendlichen Charakter von einem hohen Idealismus gekennzeichnet: Fülle des

    Herzens und Freiheit des Gefühls, Ahnung und Trieb, emotio statt ratio . Das Aufbegehren der Jugend

    hatte nun sein literarisches Äquivalent gefunden, eine neue Generation deutschsprachiger Schriftsteller fand in den Thesen Johann Gottfried Herders den Widerhall ihrer Erfahrungen und

    Gefühlswelt.

    Herder, der zu einem Wegbereiter des Sturm und Drang wurde, kritisierte die Arroganz der Aufklärung gegenüber dem einfachen Volk und forderte dazu auf, auch die "Ächtheit" und Tiefe von Volkslied und -dichtung als Kunst anzuerkennen. Auch Heinrich Wilhelm von Gerstenbergs Ugolino (1768) kann

    man in die Frühphase des Sturm und Drang einordnen.

    Besonderheiten

    Das Persönlichkeitsideal der jungen Generation in der deutschen Literatur des ausgehenden 18. Jahrhunderts wendete sich gegen Autorität und Tradition. An Stelle einer erlernbaren Regelpoetik, die

    man in Dichterakademien lernen konnte, setzten die „jungen Wilden“ die Selbstständigkeit des

    Original-Genies, das sein Erleben und seine Erfahrungen in eine individuelle künstlerische Form brachte, die mit den Regeln der traditionellen Poetik sehr frei umging. Außerdem war der Sturm und Drang wesentlich von Historismus und Irrationalismus geprägt. Man wandte sich von der aufklärerischen ratio ab und begann die emotio ins Zentrum zu rücken.

    Die überkommenen Regeln wurden mit Verweis auf das eigene Können und die Kraft genialer Originalität als Krücken verworfen, die das gesunde Genie der jungen Autoren nicht benötige. Nicht in eine Form sollte das Werk passen, sondern in die Welt, wie die Generation des Sturm und Drang sie erlebte, ihr Lebensgefühl widerspiegelnd.

    Ein neues, innig umfassendes und sich einfühlendes Verhältnis zur Natur vereinte sich mit einer tragischen Grundauffassung vom Genie. Das Gefühl rückte ins Zentrum der literarischen Aussage. „Die Stimme des Herzens ist ausschlaggebend für die vernünftige Entscheidung.“ Dieses Zitat von

    Johann Gottfried Herder zeigt den Protest gegen die herrschenden Moralvorstellungen, die Entscheidungen von der Moral und nicht vom Herzen abhängig machten. Hinzu kam die Kritik am feudalen System. Dessen Überwindung hatte die Aufklärung ebenfalls zum Ziel, sah jedoch die Vernunft als höchstes Gut, während im Sturm und Drang das Gefühl an erster Stelle stand. Die Hauptform der Dichtung in der Epoche des Sturm und Drang stellte das Drama dar. Das immer

    wiederkehrende Thema war der Konflikt des Naturgenies, der nach Freiheit strebenden, widerspenstigen Jugend, mit den Schranken der bestehenden Weltordnung, die die handelnden Personen als Aufrührer und Verbrecher erscheinen ließ. Formales Vorbild wurde Shakespeare

    anstelle der Dichter der antiken vor allem griechischen Welt.

    Die exaltierte, ungebändigte und doch gefühls- und ausdrucksstarke Sprache des Sturm und Drang war voller Ausrufe, halber Sätze und forcierter Kraftausdrücke und neigte zum derbrealistisch Volkstümlichen. Man nahm kein Blatt mehr vor den Mund und brachte die Sprache des Volkes und der Jugend auf die Bühnen. Die Frontstellung der jungen Schriftsteller gegen eine aristokratische Hofkultur nach französischem Vorbild sowie ihre Sympathie für Begriffe wie Natur, Herz und Volk fielen bereits den Zeitgenossen auf. Eine eigenständige „Jugendkultur“ in der Literatur war entstanden.

    Kritiker bemängelten, die Vernachlässigung der dramatischen Technik und Einheiten in den Werken des Sturm und Drang gehe bis zum beliebig häufigen Schauplatzwechsel, oft über den Grad bühnenmäßiger Wirksamkeit (und Darstellbarkeit) hinaus.

    Autoren und Werke

    Die Autoren des Sturm und Drang kamen hauptsächlich aus dem Mittel- und Kleinbürgertum. Sie suchten ihre literarische Tätigkeit finanziell unter anderem durch Hauslehrer- oder Pfarrstellen abzusichern, da sie von der Literatur nicht leben konnten. Ihnen fehlte die breite soziale Resonanz, weshalb ihre Bewegung eher auf Bekannte und Freunde beschränkt blieb, mit denen man sich zu Männerbünden, wie dem Göttinger Hainbund, zusammenschloss. Zentren des Sturm und Drang

    waren Straßburg, Göttingen und Frankfurt am Main. Für viele, darunter Goethe und Schiller, betraf der Sturm und Drang nur einen begrenzten Abschnitt ihres Lebens und Schaffens. Die meisten Autoren

    und Werke waren nur einem kleinen interessierten Kreis bekannt und sind heute weitgehend vergessen.

    Zu den bedeutendsten Vordenkern, Theoretikern, Schriftstellern und Werken gehören: Johann Georg Hamann (17301788)

    ; Sokratische Denkwürdigkeiten für die lange Weile des Publikums zusammengetragen von

    einem Liebhaber der langen Weile 1759

    ; Kreuzzüge des Philologen 1762

    Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (17371791)

    ; Gedichte eines Skalden 1766

    ; Briefe über Merkwürdigkeiten der Literatur 1766/67

    ; Ugolino 1768

    Christian Friedrich Daniel Schubart (17391794)

    ; Freiheitslied eines Kolonisten 1775

    ; Die Fürstengruft 1780

    Johann Gottfried Herder (17441803)

    ; Fragmente über die neuere deutsche Literatur 1767/68

    ; Kritische Wälder oder Betrachtungen, die Wissenschaft und Kunst des Schönen betreffend,

    nach Maßgabe neuerer Schriften 1769

    ; Journal meiner Reise im Jahre 1769

    ; Abhandlung über den Ursprung der Sprache 1770

    ; Von deutscher Art und Kunst, einige fliegende Blätter 1773

    ; Volkslieder 1778/79

    ; Vom Geist der Hebräischen Poesie 1782/83

    ; Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1784-91

    Gottfried August Bürger (17471794)

    ; Lenore 1773

    ; Der Bauer an seinen durchlauchtigen Tyrannen, 1774

    ; verschiedene Gedichte 1778

    ; Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abenteuer des Freiherrn

    von Münchhausen: wie er dieselben bei der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu

    erzählen pflegt, 1786 (erw. Ausgabe 1789)

    Heinrich Leopold Wagner (1747-1779)

    ; Die Kindermörderin 1776 (Drama)

    Johann Wolfgang Goethe (17491832)

    ; Sesenheimer Lieder 1770/71

    o Maifest 1771

    o Willkomm und Abschied 1771

    ; Zum Shakespeares Tag (Rede) 1771 ; Von Deutscher Baukunst 1773

    ; Prometheus 1772-1774

    ; Ganymed (Ode) 1774

    ; Götz von Berlichingen (Drama) 1773

    ; Clavigo 1774

    ; Die Leiden des jungen Werthers (Roman) 1774 ; Mahomets Gesang 1774

    ; Adler und Taube 1774

    ; An Schwager Kronos 1774

    ; Gedichte der Straßburger und Frankfurter Zeit 1775

    ; Stella. Ein Schauspiel für Liebende 1775 (Erstfassung!)

    Jakob Michael Reinhold Lenz (17511792)

    ; Anmerkung über das Theater nebst angehängtem übersetzten Stück Shakespeares 1774

    ; Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung 1774 (Drama) ; Lustspiele nach dem Plautus fürs deutsche Theater 1774

    ; Die Soldaten 1776 (Drama)

    ; Der neue Menoza (Drama)

    Friedrich Maximilian Klinger (17521831)

    ; Das leidende Weib 1775

    ; Sturm und Drang 1776 (Drama) ; Die Zwillinge 1776 (Drama) ; Simsone Grisaldo 1776

    ; Das letzte Gebet 1777

    Friedrich Schiller (17591805)

    Die Räuber

    ; Die Räuber 1781 (Drama)

    ; Die Verschwörung des Fiesco zu Genua 1783 (Drama) ; Kabale und Liebe 1784 (Drama)

    ; Don Karlos 17831787 (Drama)

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