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Musikbeurteilungen

By Beth Jones,2014-06-09 10:01
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Musikbeurteilungen

    VORDIPLOMARBEIT

    von Stefan Marti, Fränzi Jeker und Christoph Arn

Die Beeinflussung von Musikbeurteilungen

    durch Videoclips

Für ihre Hilfe danken wir herzlich: Dr. R. Calmonte, Prof. A. Lang,

    P. Ballinari, Herrn Zaugg und Herrn Wyss vom psychologischen

    Institut Bern; Dr. P. Ross vom musikwissenschaftlichen Seminar;

    Frau Hurni-Schlegel.

    Psychologisches Institut der Universität Bern

    1989

1. INHALTSVERZEICHNIS:

1. INHALTSVERZEICHNIS

    2. ABSTRACT

    3. EINLEITUNG

    4. HYPOTHESEN/LITERATURDISKUSSION

    5. VERSUCHSPLAN

    6. METHODEN

     6.1. SEMANTISCHES DIFFERENTIAL

     6.1.1. Allgemeines

     6.1.2. semantisches Differential nach OSGOOD

     6.1.3. Alternative zum SD: Ähnlichkeitsanalyse

     6.1.4. Evaluation des geeignetsten SD 7. AUSWAHL UND BEARBEITUNG DES REIZMATERIALES

     7.1. typische/durchschnittliche Musik

     7.2. Reizmaterial sollte unbekannt sein

     7.3. typisches Video

     7.4. unsere Musik/Videoclip-Wahl

     7.5. Zufalls-Video

     7.6. Bearbeitung der Videos

    8. DURCHFÜHRUNG

     8.1. VERSUCHSPERSONEN

     8.2. ABLAUF

     8.3. INSTRUKTION

    9. STATISTISCHE AUSWERTUNG

     9.1. ALLGEMEINES

     9.2. OPERATIONALISIERUNG/STATISTISCHE HYPOTHESEN

     9.2.1. Ähnlichkeitshypothese

     9.2.2. Varianzhypothese

     9.2.3. weitere Möglichkeiten

     9.3. ROHDATEN

     9.3.1. Rohdatenblock

     9.3.2. Beschreibung der Rohdaten

     9.4. MITTELWERTSPROFILE UND STANDARDABWEICHUNGEN

     9.4.1. Profile der Faktorstufenkombinationen

     9.4.2. Profile der Faktorstufen

     9.5. FAKTORANALYSE

     9.6. ÄHNLICHKEIT/PARALLELITÄT/KORRELATION

     9.6.1. Daten der Faktorstufenkombinationen

     9.6.2. Daten der Faktorstufen

     9.7. STANDARDABWEICHUNGEN

     9.7.1. Beschreibung

     9.7.2. Varianzanalyse über die Standardabweichungen

     9.7.2.1. Ergebnisse

     9.7.2.2. Varianzaufklärung

     9.7.2.3. Interaktion

     9.7.2.4. Einzelvergleiche

     9.8. WEITERE AUSWERTUNGEN

     9.8.1. Allgemeines

     9.8.2. Ergebnisse der drei Varianzanalysen über die

     drei Faktoren

    10. ERGEBNISSE/DISKUSSION

     10.1. ERGEBNISSE BETREFFS UNSERER HYPOTHESEN

     10.1.1. Ähnlichkeitshypothese

     10.1.2. Varianzhypothese

     10.2. WEITERE SCHLÜSSE

     10.2.1. Faktoranalyse

     10.2.2. weitere Schlüsse aus den Ähnlichkeiten der

     verschiedenen Präsentationsbedingungen

     untereinander

     10.2.3. die verschiedenen Musikstücke

     10.2.3.1. Ähnlichkeit

     10.2.3.2. Standardabweichungen

     10.2.4. Unterschiedlichkeit innerhalb der

     Präsentationsbedingungen und innerhalb der

     Musikstücke, je auf der Ebene der drei Faktoren

     der Faktoranalyse

    11. LITERATUR

    12. ANHÄNGE

     12.1. Versionen 2 und 3 des SD

     12.2. kompletter Versuchsplan

     12.3. Testprotokolle

     12.4. PC-Programm der Datenerfassung und -auswertung

     12.5. Ausdruck des PC-Programmes (D-Werte, Q-Werte,

     Standardabweichungen)

     12.6. Ausdruck BEDAG Faktoranalyse

     12.7. Ausdruck BEDAG Varianzanalyse über die

     Standardabweichungen

     12.8. Ausdruck BEDAG Varianzanalysen über die drei Faktoren

     12.9. 8 Mittelwertsprofile der Faktorstufenkombinationen

     12.10. 5 Mittelwertsprofile der Faktorstufen

     12.11. Einzelvergleiche zu Kap. 9.7.2.

2.ABSTRACT:

Die Beeinflussung von Musikbeurteilung durch Videoclips

    Wir haben untersucht, ob ein Musikstück (populäre Musik) an sich anders beurteilt wird als ein Musikstück, das mit einem Videoclip dargeboten wird. Die 36 jugendlichen und erwachsenen Vpn (beiden Geschlechtes) beurteilten anhand eines semantischen Differentials je 3 verschiedene Musikstücke unter den folgenden Bedingungen:

     1. Das Musikstück wurde nur auditiv dargeboten (A).

     2. Das Musikstück wurde mit dem dazugehörigen Videoclip präsentiert (A/V match = Audio und Video passen zusammen)

     3. Das Musikstück wurde mit einem zufälligen Videoclip gezeigt (A/V mismatch = Audio und Video passen nicht zusammen).

    Aufgrund dieser Versuchsanordnung war es möglich, Aussagen darüber zu machen, ob und wie unterschiedlich die Musikstücke unter den verschiedenen Bedingungen beurteilt werden. Es hat sich herausgestellt, dass (a) die Korrelation sowohl zwischen den Bedingungen A und A/V match wie auch zwischen A/V match und A/V mismatch hoch sind; dass (b) die Varianz innerhalb der A/V match-Bedingung kleiner ist als innerhalb der A-Bedingung; und dass (c) die Standardabweichungen der Vpn innerhalb der Bedingung A/V match kleiner sind als innerhalb der A/V mismatch-Bedingung. Es konnte also gezeigt werden, dass ein Videoclip Einfluss auf die Beurteilung von Musik nehmen kann.

3. EINLEITUNG:

    Der Musiktonträgermarkt ist in Europa, Amerika und in neuerer Zeit auch in Asien ein Segment unserer Wirtschaft geworden, das als Untergruppe des mit extremen Umsätzen protzenden

    Unterhaltungsmarktes eine enorme Wichtigkeit erlangt hat. Als sich in den Jahren um 1982 plötzlich eine Stagnation abzuzeichnen begann, besann man sich auf die neuen elektronischen Medien und die sogenannten PROMOTIONAL VIDEOS wurden von den grossen Plattenkonzernen lanciert. Dabei handelt es sich, einfach gesagt, um filmisch bebilderte Musikstücke, die elektronisch verbreitet werden. Die wirtschaftlichen und ökonomischen Folgen dieser neuen Entwicklung waren und sind enorm, aber in unserem Zusammenhang nicht so wichtig (siehe u.a. SIEBER 1984). Zu den direkt Betroffenen gehören neben den Werbeagenturen, den Filmschaffenden, Plattenfirmen, Konzertveranstaltern, Plattenläden und vielen anderen insbesondere die MUSIKER selbst, um deren Musik sich die ganze Sache ja eigentlich drehen sollte. Diese Entwicklung auf dem Musiksektor - dass Musik nämlich nur dann eine

    Existenzberechtigung hat, wenn sie auch wirtschaftlich interessant ist, was vor allem an eine entsprechende optische Umsetzung gebunden zu sein scheint - führte einerseits sicherlich zu einer Verunsicherung unter einigen Musikern, andererseits weckte sie auch das Interesse innovativer Künstler und Musiker. Einige der Gedanken, die oft ausgesprochen werden, sind zum Beispiel: Kann ich eigentlich so schlechte Musik machen wie ich will, und dann bloss noch darauf acht geben, dass ein "State of the Art"-Clip dazu gemacht wird (von irgendeinem anderen)?

    Oder aber:

    Wenn zu meiner Musik ein Film läuft (der eigentlich ein Werbefilm ist!), wird meine Musik nicht irgendwie verändert? D.h., soll ich

    es eigentlich gut finden, dass "man" zu meiner Musik Videos dreht?

    Ob "schlechte" Musik durch ein "gutes" Video aufgebessert werden kann, ist sehr schwierig zu erforschen und würde wohl vor allem daran scheitern, dass "gut" und "schlecht" sehr problematische Begriffe sind. Auch ob es "gut" ist, dass Videos überhaupt gemacht werden, kann in unserem Zusammenhang wohl nicht beantwortet werden. Sehr wohl aber können wir uns die Frage stellen, ob Musik an sich anders beurteilt wird als Musik, die mit einem Promotional Video kombiniert ist.

    Obwohl die letzte Frage die einzige ist, die mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln als Psychologen überhaupt untersucht werden kann, so ist auch diese nicht einfach zu beantworten. Es tauchen vor allem methodische Probleme auf: Wie lässt man Musik oder Musik mit einem Videoclip beurteilen? Die geeignetste Methode ist wohl die Anwendung eines projektiven Verfahrens, obwohl die Auswertung und vor allem die Interpretation normalerweise nicht einfach ist. Da wir uns nun aber darauf beschränken, die Unterschiede zwischen den einzelnen Präsentationsbedingungen zu

    untersuchen (und nicht die Beurteilung an sich interpretieren wollen), bietet sich die Methode des semantischen Differentials geradezu an (vor allem OSGOOD 1957). Damit ist es möglich, die unter den verschiedenen Präsentationsbedingungen entstandenen Ergebnisse miteinander zu korrelieren und die Varianz der Vpn unter den verschiedenen Präsentationsbedingungen zu vergleichen.

4. HYPOTHESEN (LITERATURDISKUSSION):

Wir wollen also untersuchen, ob sich die Beurteilung eines

    Musikstückes alleine unterscheidet von der Beurteilung ebendieser

    Musik in Verbindung mit einem Videoclip. Die naheliegendste

    Versuchsanordnung, dass man einfach unter diesen zwei Bedingungen

    testet, erscheint uns nicht sinnvoll, da die Vergleichbarkeit

    zwischen diesen beiden Präsentationsbedingungen zu gering ist.

    Denn es ist offensichtlich, dass das Hinzukommen eines bewegten

    Bildes auf jeden Fall einen Informationszuwachs bedeutet, und zwar

    unabhängig davon, ob das Bild überhaupt etwas mit der Musik zu tun

    hat oder nicht. Um den Einfluss dieses eigentlich methodisch

    bedingten Informationszuwachses beseitigen zu können, ist es

    notwendig, eine weitere Präsentationsbedingung zu schaffen: Musik

    plus irgendeine, am besten zufällige, filmische Information. Damit

    kann festgestellt werden, inwieweit sich die Beurteilung eines

    Musikstückes mit irgendeinem filmischen Hintergrund unterscheidet

    von der Beurteilung der Musik mit dem dazugehörigen Video-Clip.

    Daneben kann aber untersucht werden, ob sich die Beurteilung von

    Musik alleine wirklich unterscheidet von der Beurteilung von Musik

    mit irgendeiner filmischen Information.

Der Einfachheit halber werden die einzelnen

    Präsentationsbedingungen von nun an wie folgt abgekürzt:

    - Musik allein: A (wie "audio")

    - Musik plus passender Original-Video-Clip : A/V MATCH

     (Audio/Video zusammenpassend)

    - Musik plus zufällige Video-Information : A/V MISMATCH

     (nicht zusammenpassend).

Da die vorliegende Versuchsanordnung noch nie in einem Experiment

    verwirklicht wurde, können die Ergebnisse nicht durch irgendwelche

    schon bestehende Theorien erschlossen werden. Infolge dessen

    können unsere eigenen Hypothesen nur sehr schwach auf schon

    bestehende, aber eben nur entfernt anwendbare Theorien abgestützt

    werden.

    Unsere Hypothesen können wir also nur aus unserer persönlichen

    Alltagserfahrung extrahieren (intuitiv), oder dann bleibt uns die

    Möglichkeit, uns zu überlegen, was die Ergebnisse der Experimente,

    die am ehesten vergleichbar sind mit dem unsrigen, wohl - auf

    unseren Versuch übertragen - bedeuten könnten. Was aber nicht geht,

    ist aufgrund einer Theorie über das vorliegende Problem zu

    Hypothesen zu gelangen, und zwar weil es ganz einfach noch keine

    konkrete Theorie gibt, die unser Problem betreffen würde.

    PEZDEK & STEVENS (1984) untersuchten Kindergärtner auf ihr

    Gedächtnis für auditive und visuelle Information beim Fernsehen.

    Sie unterschieden dabei vier Präsentationsbedingungen: Audio- und

    Videoaufnahmen aus dem gleichen Programmabschnitt, die beiden

    Aufnahmen nicht aus demselben Abschnitt, die Audio-Aufnahme

alleine und die Video-Aufnahme alleine. Obwohl der Versuch nur

    sehr bedingt vergleichbar ist, z.B. in bezug auf das Vpn-Alter,

    aber auch in bezug auf die Art des auditiven Reizmateriales (nicht

    Musik, sondern Filmton aus der Kindersendung "Sesamstrasse"), ist

    die folgende Aussage doch sehr interessant: "...comprehension and

    recognition of auditory information was not significantly

    different in the audio-only and the A/V match condition." (PEZDEK

    & STEVENS, 1984, S.216). Daraus lässt sich folgendes schliessen:

ÄHNLICHKEITSHYPOTHESE, erster Teil:

    ?------------------------------------------------------------? ? Die Ähnlichkeit zwischen den Beurteilungen unter A-Beding- ? ? ung (Musikstück) und den Beurteilungen unter A/V-MATCH-Be- ? ? dingung (Musik plus passendes Video) sollte hoch sein. ? ?------------------------------------------------------------?

Wir sind uns der Probleme dieses Vergleiches durchaus bewusst: zu

    den oben genannten kommt noch dazu, dass die Beurteilung von Musik

    noch von mehr abhängt als von Verständnis und Gedächtnis. Aber

    wenn man von der Annahme ausgeht, dass dieselbe Darbietung bei

    verschiedenen Vpn in etwa gleich beurteilt wird, finden wir die

    Übertragung des Ergebnisses doch einigermassen zulässig.

Der zweite Teil unserer Ähnlichkeitshypothese lautet

    folgendermassen:

ÄHNLICHKEITSHYPOTHESE, zweiter Teil:

    ?------------------------------------------------------------? ? Die Ähnlichkeit zwischen den Beurteilungen unter A/V-MATCH-? ? Bedingung (Musik plus passendes Video) und den Beurtei- ? ? lungen unter A/V-MISMATCH-Bedingung (Musik plus unpassen- ? ? des Video) sollte gering sein. ? ?------------------------------------------------------------?

Dazu gibt es in der Literatur mehrere Stellen, die diesen Schluss

    nahelegen: gerade in der oben erwähnten Studie von PEZDEK &

    STEVENS (1984) wird festgestellt, dass in einer A/V-MISMATCH-

    Situatuion das Gedächtnis für auditive Informationen mehr gestört

    sei als für visuelle Informationen, und obwohl die Verarbeitung

    der Video-Informationen grundsätzlich nicht mit der Verarbeitung

    der Audio-Signale interferiere, werde die visuelle Information

    eher memoriert: "When subjects had to choose which of two

    incompatible channels to process, the video channel was favored,

    and memory for the audio information was reduced to chance."

    (PEZDEK & STEVENS, 1984, S.217).

    Eine Untersuchung von GADBERRY, BORRONI & BROWN (1981) handelt vom

    Einfluss von Kameraschnitten (viele vs. wenige) und die An- bzw.

Abwesenheit von Musik auf die selektive Aufmerksamkeit und die

    verbale und motorische Imitation bei geistig zurückstehenden

    Erwachsenen. Auch hier ist ein Vergleich nur mit äusserster

    Zurückhaltung zulässig: Zum einen wieder die völlig

    unterschiedliche Stichprobe, dann auch, weil in dieser

    Untersuchung die Musik die unabhängige Variable ist (bei uns ist

    es das Bild). Sie kommen aber zur Erkenntnis, dass das

    Vorhandensein von Musik keinen Einfluss auf das Verhalten der Vpn

    habe (d.h. auf die selektive Aufmerksamkeit und die verbale bzw.

    motorische Imitation). Sie betonen aber, dass festgestellt worden

    sei, dass die Musik alleine sehr wohl einen Effekt haben könne.

    Als Erklärung für ihre Ergebnisse geben sie unter anderem an, dass

    möglicherweise das visuelle Medium (Fernsehen) einfach stärker sei

    als das auditive.

Eine weitere Hypothese bezieht sich auf die Standardabweichungen

    der Vpn unter den jeweiligen Präsentationsbedingungen. HUSTWITT

    (1985) stellt in seinem Essay über Videoclips/Musikvideos fest,

    dass einer der Zwecke eines Clips sei, die Musikgruppe und

    Schallplatte dem Publikum als eine Einheit vorzustellen. Das würde

    folgendes bedeuten:

VARIANZHYPOTHESE:

    ?------------------------------------------------------------? ? Die Standardabweichung der Beurteilungen unter A-Bedin- ? ? gung (Musikstück) sollte grösser sein als unter A/V-MATCH- ? ? Bedingung (Musikstück plus optische Präsentation der Mu- ? ? sikgruppe). ? ?------------------------------------------------------------?

Inhaltlich bedeutet dies, dass das Original-Video die

    Standardabweichung der Vpn bei der Beurteilung des Musikstückes

    eigentlich verkleinern sollte, sofern das Video diesen einen Zweck

    erfüllt.

Eine Untersuchung, die auch sehr interessant ist in diesem

    Zusammenhang, ist diejenige von WAXER (1981). Er liess Vpn die

    Ängstlichkeit von Patienten beurteilen, und zwar unter sechs

    verschiedenen Bedingungen, wovon eine Voll-Audio-Video, eine nur

    Audio und eine dritte nur Video waren. Ein für uns wichtiges

    Ergebnis war, dass keine dieser Kombinationen synergistisch

    wirkten, also genauere Beurteilung der Ängstlichkeit zuliessen.

    Auch kam er zur (erstaunlichen) Schlussfolgerung, dass

    möglicherweise ein Ganzes (d.h. mehrere Informationskanäle) weniger sei als eines seiner Teile (ein einzelner

    Informationskanal). In unserem Zusammenhang würde dies eigentlich

    bedeuten, dass die relativ eindeutige Wirkung eines Musikstückes

    durch ein Musikvideo verschleiert, d.h. unklarer gemacht wird. Wir sind jedoch der Meinung, dass es durch das Ansprechen des zusätzlichen Wahrnehmungskanals möglich wird, das Reizmaterial spezifischer und exakter zu gestalten, unter der Voraussetzung, dass dieser neue Kanal (Videoclip) die Wirkung des ursprünglichen Reizmateriales (Musikstück) tatsächlich unterstützt (also A/V

    MATCH). Wenn aber die beiden Kanäle nicht "in die gleiche Richtung zielen", also eine A/V MISMATCH-Kombination ergeben, dann würden wir annehmen, dass die Wirkung sicher weniger eindeutig, weniger spezifisch ist als mit einem passenden Videoclip.

    Wir sind der Meinung, dass diese - der Untersuchung von WAXER eher widersprechenden - Annahmen dennoch gerechtfertigt sind, weil seine Untersuchung sich doch in einigen Punkten von der unsrigen prinzipiell unterscheidet. So versteht er z.B. unter Audio-Informationen nur vokale, wir aber primär musikalische Reize. Er betont dann auch, dass sich die Kommunikation von Ängstlichkeit unterscheide z.B. von Kommunikation von Einstellungen, wo sich synergistische Effekte eher nachweisen liessen (siehe auch KRAUSS, APPLE, MORENCY, WENZEL & WINTON (1981)). Vielleicht lässt sich gerade in unserem Experiment nachweisen, dass die

    Standardabweichung innerhalb der A/V-MATCH- Bedingung kleiner ist als in der A/V-MISMATCH- Bedingung (was bedeuten würde, dass die

    Einheitlichkeit der Beurteilung bei "passenden" Audio- und Videokanälen grösser ist als bei rein zufälligen Kombinationen).

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